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Der Wanderer

Beiblatt zur Manischen Allgemeinen Zcitnng

H>. 191.

Sonntag den 15. August

KSâS

Äatiza.

Magyarische Novelle, nach einer wahren Begebenheit.

Von A. R. von Perger.

(Fortsetzung.)

Der Fremdling trat in die Wirthsstube, setzte sich in den dunkelsten Winkel und klopfte mit feiner kurzen Tabaksfeife aus den Tisch. „Wirthshaus"! rief er, „Wein her, Wein"!

Katiza schritt auf diesen Ruf in die Stube, aber es durch­zuckte sie ein unheimliches Gefühl, als sie den fremden Mann erblickte, der sich wie eine Katze in den Winkel drückte und dessen Augen widerlich funkelten.

„Wein wollt Ihr" ? frug sie, indem sie scharf nach ihm hinsah, — „Weiß oder roth" ?

„Roth!" rief der Mann, der sich mit seinen erzbraunen Armen auf den Tisch hinwarf, um in ganzer Breite aus dem­selben zu ruhen. Allein er hatte diese Bewegung, welche Un­bekümmertheit zeigen sollte, zu heftig gemacht, und Katiza's iicheres Auge bemerkte, wie sich dadurch ein Pistolenlauf un­ter dem Ledergürtel hervorhob. Nun wußte sie woran sie "w. Sie hatte unzweifelhaft den vorigen Besitzer des Pfer­des und der Beute vor sich, der sich wohl erkundigt haben mochte, wie und durch wen jene beiden an die Obrigkeit ab- Pliefert wurden, und der nun die Zeit zu benützen suchte, in welcher fast Jeder die Stadt verlassen hatte. Katiza gab kein Zeichen von Erschrockenheit und hatte im Augenblick über- ^gt. „Rothen Wein", sprach sie, „habe ich nicht hier oben. Wollt Ihr keinen weißen trinken, so müßt Ihr warten, bis

aus dem Keller zurückkomme, wo ich aus dem hintersten 8asse, welches am kühlsten liegt, frischen holen will."

. »Ich werde warten, bis Du frischen aus dem Keller dingst," sprach bei Fremde, indem er tückische Blicke nach âtiza schoß; „aber bleib' nicht zu lange, sonst verlier ich die Geduld."

bkl'd Katiza nahm einen steinernen Krug, langte bedächtig w Schlüssel vom Schenkverschlage und ging singend hinaus den sonnigen Hof und stieg in den Keller, dessen Thüre le, als sie das Vorlegschloß abgenommen hatte, hinter sich

so weit zulehnte, daß nur ein schmaler Lichtstreif hineindrang. Dann eilte sie über den schrägen Sandweg hinab und barg sich,' vertraut mit jeder Ecke des Kellers, hinter eines der vordersten großen Fässer. Hier wollte sie harren, bis der un­heimliche Fremde an der Thüre des Kellers sichtbar ward. Sie hatte sich nicht getäuscht, er erschien wirklich und bâlder als sie glaubte, denn da ihm kein Ort bequemer schien, feine Rache zu üben, als der Keller, war er ihr fast auf dem Fuße gefolgt und wartete draußen nur so lange, bis sich seine Fein­din zutiefst im Gewölbe befände, damit sie ihm nm so we­niger entrinnen könne. Jetzt riß er hastig die Thüre auf, zog die bemerkte Pistole aus dem Gürtel, schlich den Sand­weg hinab und begab sich in die Tiefe des Kellers. DaS Herz klopfte dem Mädchen beinahe lauf, als er an dem Faße vorbeikam, hinter welchem sie steckte. Aber er schien sehr ei­lig zu sein, denn bald verschwand er gänzlich im Dunkel. Da ersah sie ihre Gelegenheit, huschte hinter dem Fasse her­vor, rannte wie der Blitz den kurzen Sandweg hinauf, schlug die Thüre hinter sich zu und hackte das Vorlegeschloß iu die Ringe derselben. Da fiel drunten ein Schuß. Die Kugel schlug in die Thüre, konnte aber das dicke Eichenholz nicht durchdringen, und mit dem Jubelrufe des Befreitseins sperrte Katiza das Schloß, welches nun den Räuber unrettbar ge­fangen hielt.

Und als sie dann einen Augenblick über das Gelingen ihres Planes nachdachte, erhöhte sich ihre Freude, denn eS war ihr durch die Mittheilsamkeit guter Freunde gar wohl zu Ohren gekommen, daß ihr der alte Müller alle Schuld beimaß, die Stadt in Gefahr gebracht zu haben; aber jetzt saß er fest, der Udriu, denn ein Anderer konnte es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht sein, saß fest, und gerade sie war so glücklich ihn gefangen zu haben. Sie wollte sogleich fort, um Leute herbeizurufen, aber der Räuber rüttelte so hef­tig an der Thüre, daß sie sich nicht forlwagte. Endlich ent­schloß sie sich doch, an das Hofthor zu gehen und den ersten Besten anzurufen, der daherkäme.

Da wollte denn der Zufall, daß gerade der alte Nagy den Mühlensteig herabkam, um nach kurzer Rast wieder auf das Feld zu gehen. Katiza zauderte einen Augenblick,