Der Wanderer.
Ikiblatt M Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
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1> fs»^ Freitag den 13 Ittgust ISLE«
Katiza.
Magyarische Novelle, nach einer wahren Begebenheit.
Von A. R. von Perger.
(Fortsetzung.)
„Wahr, alter Nagy"? fuhr Jstvan in großer Aufregung fort, „hast die Ränberflinte vor den Augen und zweifelst, ob eS wahr sei? Wettest Du, widerhaariger Alter, daß Katiza jeden Beweis von Muth ablegen wird, welchen ich von ihr fordere" ?
„Wetten"? entgegnete der Mürrische, „cs wird mir auch nicht darauf ankommen, etliche Maß Wein zu gewinnen oder sie zu bezahlen".
„So sprich aus, was was Katiza verrichten soll"! eiferte der Wirth.
Und nun wurde, da alle Gäste große Theilnahme zeigten, sogleich mancherlei in Vorschlag gebracht, aber mehr oder minder auch Alles zu unbedeutend gefunden.
Endlich fiel mit einem Male dem Bäcker Iostka, der es seines Geschäftes wegen doch mehr mit dem Müller, als mit dem Wirthe hielt, ein, daß Katiza, die so tapfer mit lebendigen Räubern gefochten habe, es auch einmal mit einem Todten versuchen könnte.
„Draußen auf dem Sandhügel", sprach er, etwas spitzig lächelnd, „hängt Murgu und bald wird es Mitternacht. Hat das Mädchen wirklich so vielen Muth, wie Jstvan behauptet, so soll es hinaus gehen und zum Beweise, daß es auch dort war, einen Fetzen von den Kleidern des Gehängten mit hereinbringen".
„Das thut sie nicht! Das thut sie nicht"! schrie der alte Nagy, mit einer Art Frohlocken.
»Und sie thut es"! entgegnete der Wirth etwas heftig; Üe thut es, so wahr ich lebe"!
„Aber", sprach Gyorgu, der Kaufmann, „wenn Ihr wirklich das Mädchen zu einem solchen Wagenstücke aussenden wollet, so hâ ich es für unrecht, daß es wegen einigen elenden Maaß Weines geschehe. Mich wenigstens brächtet Ihr nicht um fünfhundert Gulden hinaus. Wenn Ihr Ehrenmänner seid, so müßt Ihr dem Mädchen eine Belohnung aussetzen".
„Nicht mehr als billig", bemerkte Kabo, der Glaser, „aber nicht in Geld. Ihr Meister Müller seid durch Euere Hartnäckigkeit schuld daran, daß das Mädchen einen so schauerlichen Gang antreten soll. Ihr könnt es daher auf tre$tlid;eut Wege durch nichts Anderes vergelten, als wenn Ihr Euren Widerstand aufgebt".
„Ganz recht," nahm der ehrliche Kaufmann wieder das Wort. „Ihr verlangt Etwas, das Ihr selbst nicht ausführen würdet, und weil nun einmal Katiza hinausgehen soll, darf dies unter keiner anderen Bedingung geschehen, als daß Ihr der Steigung Eueres Sohnes nachgebt."
„Und thust Du das nicht," sprach Kabo, indem er dem Müller auf die Achsel klopfte, „so gebrich Dir mein Wort, daß ich Alles laut erzähle, denn die Sache beginnt mich jeden Augenblick mehr zu ärgern. Es ist eine Sünde, mit einem braven Mädchen so hartes Spiel zu treiben."
„Vetter Glaser spricht wie ein Biedermann;" sagte der Wirth, der nun auch ernster wurde.
„Und ich denke, daß wir den Antal rufen, damit er davon wisse;" fügte der Kaufmann hinzu.
„Dem widersag' ich!" eiferte der Müller. „Er darf nichts davon wissen. Auch das Mädcheu darf nicht wissen, weshalb es gehen soll, sonst thut der Eigennutz mehr, als der Muth. "
„Du bist unverbesserlich," entgegnete Jstvan. „Aber Du hast nicht Unrecht; Katiza darf von keiner solchen Bedingung wissen, denn das würde sie auf's Tiefste beleidigen. Aber das sage ich Dir, alter Müller, hältst Du nicht Wort, wenn sie ihren Gang vollbrachte, so sollst Du Jrimy Jstvan, den Wirth zum tanzenden Csikos kennen lernen, wie ihn noch Keiner kennen lernte. Doch genug, die Sache ist abgeschlossen und ich werde Katiza rufen."
Das Mädchen erschien. Es hatte rothgeweinte Augen und sah blässer aus, als gewöhnlich. Allein es trat, obwohl es ahnte, daß die lange Verhandlung ihr gegolten haben mochte, mit gewohnter Ruhe in's Gastzimmer.
„Katiza," sprach der Wirth, indem er sie freundlich an der Hand nahm, „Katiza, ich habe mich an Dir versündigt."
