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Der WaNderer.

W. ISS.

Kellelristischcs Deiblatt jur

Mmg.

Donnerstag den i«. Hugust

185»t

Äatiza.

Magyarische Novelle, nach einer wahren Begebenheit. Bon A. N. von Perger.

(Fortsetzung.)

„Wenn Du Dich nur nicht dabei verfitzest," schaltete Gyorgu, der Kaufmann, ein; „jungen Leuten vergehen drei Jahre sehr schnell, und wenn dann Antal seinen Kopf eben so hartnäckig aufsetzt, wie Du den deinigen, so wird Euer Geld und Euer Geschäft getrennt."

„So wird es getrennt!" gab der Müller zurück, indem er zornig aufsprang und fort wollte. Aber der wackere Jstvan hielt ihn schon wieder am Arme und sprach sehr ernst: „Du willst gehen, Vetter? Du kannst auch gehen, denn mit einem so eigensinnigen Manne, wie Du bist, ist nichts anzufangen. Bevor Du aber gehst, wirst Du mir eine Frage beantworten. Was hast Du an Katiza auszusetzen, daß Du hierher gekom­men bist, um es ihr durch Beschimpfungen unmöglich zu machen, mit deinem Sohne in Verbindung zu bleiben? Ich will, ich muß Das wissen, denn die Schmach, die Du meiner Schaffnerin bereiten wolltest, trifft auch mich und mein gan­zes Haus, und wenn ich auch nicht so reich bin wie Du, so dm ich doch ein eben so guter Magyar und durchaus kein Aufkömmling, denn meine Väter sind seit mehr denn hundert Jahren heimisch in Gönyvar; darum sprich: weshalb ist Dir Katiza zu schlecht?"

Der streitsüchtige Alte, dem heute ein Riegel nach dem anderen vorgeschoben wurde, konnte auch hier nicht das rechte Ende des Knäuels finden; er brachte daher ziemlich unsicher hervor, daß man bei unbekannten Leuten, die nichts besäßen, ^1 auf Treue und Redlichkeit bauen könne; indem sie kein Pfand zu bieten hätten, und daß sie nur ihr Eigennutz an- d^te, sich crft anstellig und demüthig zu zeigen, damit sie in eine bessere Lage kämen. Der Wirth hörte ihn gelassen an als sich aber der Alte, der schon zu siegen glaubte, als er so rußige Zuhörer fand, neuerdings in Hitze geredet hatte und sein Voriges: „Ich werde es nie leiden!" hervorstieß, unter­brach ihn Jstvan und sprach: „Janos, alter Müller, Du bist wie der Hund, der sich im Kreise dreht. Was Du da sagst,

paßt Alles auf Dich selbst, als Du mit deinem Ränzel in die Mühle der Mutter Lucasy kamst."

„Du lässest mich nicht ausreden !" schrie der Müller, dem nun noch ein gewichtiger Beweisgrund einfiel. „Meine Mühle steht ziemlich weit draußen gegen den Wald und ist den An­griffen Derer, die ich nicht nennen will, weit mehr ausgesetzt, als alle übrigen Häuser von Gönyar. Heirathet Antal eine Reiche, so bringt sie Dienstleute mit und die Mühle ist geschützt. Was hilft aber eine so arme einzelne Person, wenn der Mann fortgefahren ist, um Getreide einzukaufen? In einer halben Nacht können Mühle und Hof und Geld verloren sein! Ich aber will mein Eigenthum gesichert wissen".

„Deine vorigen Reden, alter Janos, waren Ausflüchte", entgegnete der Wirth, „sollte jedoch Das, was Du jetzt er­wähntest, wirklich ein ernst gemeinter Grund sein, solltest Du in der That vor einem Ueberfalle bange haben, so eile hinaus in die Küche und bitte Katiza mit aufgehobenen Händen, daß sie Deine Schwiegertochter werde, denn ein muthigeres Wesen als sie ist, gibt es gar nicht, so lweit das Ungarland reicht!"

Der Müller, dem heute durchaus kein Schlag gelingen wollte, stand durch diese Gegenrede neuerdings verdutzt. „Wie meinst Du Das, Wirth?" — frug er, indem er seine Augen auf die übrigen Gäste richtete.

„Das meine ich ganz einfach so", sprach Jstvan, „daß ich dem Mädchen nicht weniger als mein Leben verdanke. Ich hatte vor zwei Jahren in Kis-Oetötlan, wo Katiza geboren ist, Wein und Schaffelle verkauft und daher eine schöne Summe blanker Thaler im Sacke. Die Frau meines Käu­fers bat mich, Katiza, deren Vater eben heimgegangen war, und die nun bei fernen Verwandten Dienste suchte, eine Strecke Weges auf meinem Wagen mitzunehmen, was ich ihr schon deßhalb nicht abschlagen mochte, weil ich mit ihrem Manne schon manches gute Geschäft abgeschlossen hatte. Das Mädchen packte sein Bettzeug und seinen Koffer in das Heu der Wagenflechte und fuhr mit. So kamen wir über Marti- tey, wo, wie Ihr wißt, draußen auf der Haide ein einsames elendes Wirthshaus steht, welches von den Spießgesellen des