Der Wanderer.
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Allgemkim Mmg.
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Dienstag den io. August
185»(
Katiza.
Magyarische Novelle, nach einer wahren Begebenheit.
Von A. R. von Perger.
(Fortsetzung.)
Gönyvar, die Stadt, welche am Morgen so verändert erschien, war gegen Abend ziemlich wieder in's Geleise gekommen. Die Fremden hatten sich in Gasthäusern oder bei Bekannten gelabt und waren fortgezogen. Schwein und Schweinchen besetzten wieder die Straße und rieben sich wie vor und ehe an Ecksteinen und Zaunpfählen, und als die Nacht herankam, zeigte sich Gönyvar so wie es seiner Natur nach sein sollte und von jeher war, mit der einzigen Ausnahme, daß der Wcrbein auf dem umbuschten Sandhügel wieder einmal eine derbe Frucht zu tragen hatte. Selbst aus dem so beliebten Wirthshause zum tanzenden Csikos, wo es Wein gab, schwarz wie Tinte, fett wie Schmalz und süß wie Honig, waren endlich alle Besucher gewichen und bald nach Neun befand sich der Wirth nur mehr im Kreise seiner Stammgäste. Und diese Stammgäste waren:
Kabo, der Glaser;
Josika, der Bäcker;
Gyorgu, der Kaufmann und
Nagy Antal, des Müllers Sohn, welcher ganz besondere Gründe hatte, das Wirthshaus des munteren Jrimy Jstvan zu besuchen; denn draußen in der Küche gab es eine Schaffnerin, welche seit dem Tode der vormaligen Herrin vom tanzenden Csikos das Hauswesen führte und dem jungen Antal wehr zu schaffen machte, als seinem Vater, dem erzreichen, starrköpfigen Müllermeister von Gönyvar, lieb war, denn diese Schaffnerin blieb in den Augen des Alten nichts weiter, als ^nes halbverhungerten Schulmeisters Tochter, die nichts hatte als ihr Selbst.
Allein eben dieses Selbst brachte die sonderbare Wirkung hervor, daß Antal nie vor dem tanzenden Cstkos vorbeigehen konnte, ohne hineinzutreten, ja, daß er sich sogar genöthigt sand, mehrmals des Tages am tanzenden Csikos vorbeigehen zu wollen. Das konnte man dem Antal aber auch nicht so âanz übel nehmen, wenn man die Schaffnerin ansah, die eben
in die Stube trat, um dem Wirth seinen Nachttrunk zu bringen, denn Katiza war in der That eine magyarische Schönheit. Strahlend glänzte ihr pechschwarzes Haar, das in zwei dicken Zöpfen bis an die Waden hinabreichte. Eben so strahlend glänzten die großen, schwarzen Augen unter den dunkeln, reichabgegrenzten Brauen, von denen eine feine Adlernase herabstieg. Die Haut ihres Antlitzes zeugte von der vollsten Gesundheit und ihr Elfenbeinschimmer ward noch erhöht durch die blühende Farbe der Wangen, durch das Korallroth der Lippen und den Glanz der fast durchsichtig scheinenden Zähne. Eben so tadellos zeigte sich ihr Wuchs, eben so weich und wiegend ihr Gang. Was dem Mädchen aber einen ganz besonderen Reiz gab, das war der Anflug von Ernst, der gewöhnlich auf ihrem Angesichte lag und der dieses noch zehnmal lieblicher erscheinen ließ, wenn Katiza endlich lächelte. Darum vergaß auch Keiner dieses Lächeln, wenn er es einmal gesehen hatte. Und Antal hatte ihr Lächeln schon öfters als zwei- oder dreimal gesehen, wie konnte er da den tanzenden Csikos aus dem Gedächtnisse bringen? Wie konnte er an demselben vorübergehen, wo ihm die Hoffnung winkte, mit ihr sprechen und ihr durch seine treuherzigen Huldigungen ein neues Lächeln abgewinnen zu können?
Jrimy, der Wirth, sah auch klar, was den Antal so häufig in sein Haus zog, aber er verlor kein Wort darüber, denn er war zu klug, um sich vor der Zeit einzumengen und um dem Glücke seiner Schaffnerin in den Weg zu treten, welcher er ohnedies mehr zu danken hatte, als er ihr vielleicht jemals abzuzahlen vermochte. Doch zurück zu den Stammgästen.
„SBirft du wohl müde sein" ? sprach Kabo, der Glaser, zum Wirth; „mußtest Dich genug herumtummeln an dem heutigen Tage."
„Ei", entgegnete ?der gehäbige Jstvan, „ich wollte, daß man alle vier Wochen einen aus dem Walde auf diese Weise beförderte, das wäre ganz gut für die Gerechtigkeit und für die Reisenden, für den Wirth und Jene, die ihn liefern und obendrein gut für das Volk, das seinen Feiertag dabei hat".
„Gib acht", rief Gyorgu, der Kaufmann, „und sprich nicht so laut; wer weiß, ob nicht Einer von Murgu's Bande
