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I kam auf mein Pfeifen und Rufen wieder zu mir angetrabt. Die maurischen Pferde in Algerien sind in dieser Hinsicht von ihren Besitzern trefflich gezogen und gehorchen meist dem ( ihnen ungewohnten Ruf oder Pfiff, wie ein gut gezogener Hund.

Während dies alles geschah, hatte der Chirurgien sich mit dem so plötzlich getödteten Grenadier beschäftigt, und ei- s nige Wiederbelebungs-Versuche bei demselben angcstellt. Ver- t gebens, die Kugel war gerade unter dem Käppi mitten in die t Schläfe eingedrungen und jedes Leben entflohen. Der Ge- s tödtete war einer jener unglücklichen Badenser, die man jetzt so häufig in der Fremdenlegion trifft, und im Herbste 1849 5 als flüchtiger badischer Soldat in dieselbe eingetreten. Hier­ro her in die Compagnie d’Elite war er erst vor einigen Wochen aus einer Compagnie du cenlre versetzt worden.

Die Patrouille war wohl einige Minuten in dem dichten Gebüsche gewesen, als man ein wildes Jubelgeschrei der Sol­daten vernahm. Ah, ce coquin lâ, tuez, tuez! schlagt den i braunen Hund todt, hängt ihn bei den Beinen auf! und ähnliche wilde Drohnngen ließen sich in deutscher wie in fran- ? zösischer Sprache hören. „Die haben einen Fang gemacht. ; Na, wart, dir wollen wir den Schuß bezahlen!" sagte der 5 Corporal, der sich jetzt mit dem Anzünden seiner Pfeife, wo­bei er vorhin durch dieses tragische Ereigniß gestört war, leb­haft beschäftigte. Vier Grenadiere der Patrouille schleiften i jetzt auf rohe Weise einen verwundeten Kabylen ans dem Gebüsch und brachten ihn zum Hauptmann, indem sie melde- s ten, daß derselbe, unweit der Stelle, von wo der Schuß ge- I fallen sei, verwundet im Grase gelegen habe, sein frisch ab- ; geschossenes langes, reich damascirtes Gewehr neben ihm. Die f von dem Cameraden des erschossenen Grenadiers ziellos in bas Gebüsch abgeschossene Kugel hatte seltsamer Weise den Meuchelmörder in den Unterleib getroffen, so daß er an wei- lerer Flucht verhindert worden war. Es war ein kräftiger, wohlgestalteter Mann im besten Alter, in einen schmutzig weißen Burnus, der jetzt von dem Herumzerren im Gebüsche sehr zerrissen aussah, gekleidet. Obgleich die Wunde im Un­terleib, aus der viel Blut herausquoll, ihm furchtbare Schmcr- M verursachen mußte, war doch nicht das leiseste äußere âeichen, kein Stöhnen, ja, nicht einmal ein schmerzliches Zu­cken des Gesichtes bei ihm bemerkbar. Wie aus Kupfer ge- gessen, so starr und leblos waren die scharf geschnittenen Züge braunen Antlitzes. In den dunklen Augen, die von vie­lem Weiß umgeben waren, blitzte ein Strahl des unversöhn- uchsten Hasses, der grimmigsten Wuth gegen uns, die wir chn umstanden. Nie noch sah ich einen Blick voll so unsäg- lichen Grimmes, wie ihn dieser tödtlich verwundete Kabyle uns zuwarf. Wie verschwanden die zornigen Gesichter, die uns im vorigen Jahre oft verwundete oder gefangene Dänen wachten, gegen diesen Todeshaß des Kabylen?

Vom Hauptmanne, der ziemlich geläufig Arabisch sprach mit der Aufforderung angeredet, den Grund zu seiner That anzugeben, verharrte er in finsterem Schweigen. Als derselbe zornig ausrief, er würde ihn auf der Stelle erschießen lassen, wenn er nicht angäbe, ob er noch weitere Gefährten im Hin­terhalt habe, überzuckte ein Lächeln höhnischer Verachtung den Bedrohten. Auch auf alle ihm gemachten Versprechungen, daß ihm das Leben geschenkt und er die Freiheit wieder bekommen sollte, wenn er nur gestehe, blieb er stumm und starr.

Ce sont des paroles en Fair chez ce diable noir, wandte sich endlich mißmuthig der Hauptmann fort, und rief das Standrecht, aus einem Lieutenant, einem Sergeant-Major und einem Grenadier bestehend, .zusammen. Wie voraus zu sehen war, ward einstimmig ohne weitere Berathung der augen­blickliche Tod gegen den Gefangenen erkannt. Der Haupt­mann verkündete demselben auf Arabisch dieses Urtheil und sagte ihm, daß er sich gefaßt machen möge, in den nächsten Minuten erschossen zu werden.

(Schluß folgt.)

Dücherscharr.

H Wir hatten schon oft Gelegenheit, anerkennend zu bemer­ke«, welch reges wissenschaftliches Leben und Streben unter den Aerzten unseres Herzogthums herrsche. Wir müssen dies rühmend anerkennen.

Wir wollen unter Vielem nur auf die durch gemeinschaft­liches Wirken entstandenen Werke, darunter beispielsweise auf jenes gediegene Werk über die Heilquellen des Herzogthums, und insbesondere auf den zur Fördernng wissenschaftlicher Zwecke im vorigen Jahre gegründeten nassauischen ärztlichen Verein hinweisen.

Dort, wo so viel Sinn für Wissenschaft und deren Fort­bildung herrscht,, bedarf es nicht langer Deductionen und Ab­handlungen um auf den Werth irgend eines neuen Erzengnisses auf dem Gebiete der medicinischen Literatur aufmerksam zu machen, und so kann es wohl ein Laie wagen, sich einem sol­chen Geschäft zu unterziehen.

Das literarische Unternehmen, welches wir unseren medi- einischen Kreisen ancmpfehlen, ist die seit dem 1. März bei Leopold Sommer in Wien erscheinende neue Folge des im Jahre 1844 gegründeten von Dr. Johann Florian Heller redigirten, seit dem Jahre 1848 aber nicht mehr erschienenen „Archives für physiologische und pathologische Chemie und Mikroskopie". Diese neue Folge der erwähnten periodischen Schrift bringt in Monatheften die neuesten Ent­deckungen auf dem Gebiete der Chemie und Mikroskopie mit besonderer Rücksicht auf medicinische Diagnostik und Therapie I und deren wissenschaftliche Begründung, und berichtet über den