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Der Wanderer.

Metrissisches Beiblatt M Nassauischen Allgemeinen Zeitung. " s »

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Ar. ,«L Sonntag den 8. August FSL»

^atiza.

Magyarische Novelle; nach einer wahren Begebenheit.

Lon A. R. von Perger.

Gönyvar ist ein Städtchen in einer der südöstlichen Ge- spanschaften Ungarns. Es zeichnet sich nur dadurch von an­deren ungarischen Städten aus, daß es stets eine ganz un­gewöhnliche Zahl von Schweinen beherbergt, denn eS gibt in Gönyvar kein Gehöfte, keine Umzäumung, in deren Raum nicht Ferkel Hüpfen, ja sogar die Hauptstraße ist zu gewissen Zeiten so übervoll von Frischlingen, halbwüchsigen und schweren Schweinen, daß nur ein Eingeborener den Muth haben kann, sich zwischen diesen Massen durchzuwinden, die in Sonnenschein und Koth der Ruhe pflegen, oder mit Grunzen und Schmatzen den lehmigen Boden durchwühlen. Gönyvar ist demnach ein Hauptstapelplatz des Schweinehandels und kann sich rühmen, hierzu die geeignetste Lage zu haben, denn gleich im Süden der Stadt beginnen die hügeligen Ausläufer eines viele Mei­len langen Waldes, welcher die Geburts- und Erziehungsstätte zahlloser Schweine ist, während sich nach Norden hin ein wei­les Haideland dehnt, über welches eine Menge von Wegen in allen Richtungen der Windrose laufen, so daß Gönyvar einerseits der Spinne gleicht, die in ihrem Fadennetze sitzt, und anderseits das Ausgangsthor und den Nastort für alles Das bildet, was aus der ungeheueren Waldung hervorkommt, die, nebstdem daß sie die erwähnten Thiere beherbergt, in ihren Tiefen auch noch einer gewissen Art von zweibeinigen Wesen Mn Aufenthalte dient, welche ihre gewichtigen Gründe haben Mochten, die Stunden ihrer Muse in der abgeschlossensten Ein­igkeit zuzubringen. *

So eintönig aber auch das stete Kommen und Gehen je- borstigen Vierfüßler und ihrer Hüter war, so erfreute sich die Stadt Gönyvar doch von Zeit zu Zeit etwas minder ge­wöhnlicher Schauspiele, denn es hatte das Recht einer ganzen Gerichtsbarkeit, weshalb auch draußen aus dem umbüschten Sandhügel ein anständiger vierbeiniger Galgen errichtet war, der dem Reisenden schon aus der Ferne verkündete, daß hier mitunter Dinge vorkommen mochten, deren sich weit stattlichere Oerter nicht rühmen konnten.

. An dem Tage, an welchem wir zufälliger Weise Gönyvar j betreten, schien eben auch die gewohnte Bequemlichkeit gewi­chen. Die bei weitem größere Zahl der Schweine war schon Abends zuvor weggetrieben worden und die übrigen wurden zu größerer Sicherheit in enge Pferche gesperrt. Dagegen gab es ungewöhnlich viele Leute, die schon in der Nacht von allen Seiten heranzogen, um einem Schauspiele beizuwohnen, das ein sehr berühmter Mann ganz gegen seinen Willen zu geben gezwungen war. Es sollte nämlich Glock sieben Uhr früh der vielgefürchtete Räuber Murgu „nach Recht und Ur­tel am Halse aufgehangen und dieses Urtel mit dem Strange an ihm vollzogen werden". Deshalb war auch bald nach Son­nenaufgang der bewußte buschige Sandhügel dicht mit Leuten bedeckt, deshalb befand sich eine nicht geringe Schaar dersel­ben vor dem Gerichtshause und auf dem Wege zum stattlichen Bierbein, denn jener Murgu hatte seit Jahren der Gerechtig­keit Trotz geboten. So belebt heute aber das Weichbild der Stadt war, so öde war deren Umgebung in der Richtung ge­gen den Wald, nach welchem viele der Zuschauer bedenkliche Blicke warfen, als ob sie fürchteten oder — hofften, daß von dorther ein thätlicher Eingriff in den Gang des Rechtes ge­macht werden könnte. Allein ihre Erwartungen und Befürch­tungen waren vergebens; denn der ganze lange Waldsaum blieb finster und regungslos.

Indessen war dort die Leidenschaft doch nicht ganz ausge- storben, denn es lag ein einzelner Mann in den Hecken jenes Waldrandes, dessen Züge alles Andere, nur nicht Ruhe des Gemüthes aussprachen. Er war von kleiner stämmiger Ge­stalt, mit einer Brust, breit wie ein Fels, und Armen hart und braun wie Erz. Er trug eine Mütze von schwarzem Schaffell, von welcher ein verschossener rother Zipfel herabhing. In seinem groben Antlitze funkelten ein paar katzenähnlich glänzende Augen. Von der Oberlippe hing ein Schnurr­bart herab, dessen Zipfel bis an den nackten Hals reichten, um welchen ein Mantel von Schafpelz genestelt war. Im Gürtel stacken Pistolen und ein langes Messer. Seine Beine waren in eine weite Gaija und die Füße in stark abgenützte Riemeutopanken gehüllt. Der Mann rauchte aus einer kurzen Pfeife und hatte eine strohüberflochtene Brauutweinflasche