Der Wanderer.
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Allgeminen Mt«iig.
Sonnta;; den L August
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Kennel! van Srebenthat.
Eine Bavcgeschichte aus den Alpen.
(Fortsetzung.)
Wir waren indessen bis an jene Stelle gekommen, wo der Weg sich jâh nach, dem Dorfe hinab senkt und Hans Pöhlen vor noch nicht vielen Tagen die Lust und Freudig- feit seines Gemüths in einem lauten Gejohle über das Dorf weg hatte tönen lassen. Jetzt blickte er finster vor sich hin. — „Ich habe mich fortgeschlichen, wie ein Schelm", schloß er seinen Bericht. „Seither geht der bleiche Graf jeglichen Tag nach der Burg, und Aenneli treibt nicht minder seine Geisen hin. Seit ich sehen mußte, wie Aenneli unter dem alten Holderbaum des bleichen Grafen Kopf auf dem Schooße hielt und ihm die schwarzen Locken aus der Stirne strich, bin ich nicht mehr auf die Lauer gegangen. Ich glaube , es hatte ein Unglück geben können."
Hans Pöhlen ging mit seinem schwerbepackten Nâf und der kaum viel leichteren Bürde seines Liebeskummers traurig nach dem Dorf hinunter. Ich wandte pnich rückwärts dem Bade zu.
Scheute ich einen Umweg nicht, so konnte ich einem Fuß- bfad folgen, der zuerst aufwärts nach dem Bergdörfchen Ober- ,Weißenburg und dann über schöne Matten wieder abwärts nach der Schlucht des Buntschibaches und den Kurgebäuden sührt. An diesem Weg, im Schatten eines Nußhaages und etlicher breiter Apfelbäume steht eine einfache hölzerne Bank. Die Kurgäste nennen sie die Engländerbank. Von der Eng- Ruderbank aus sieht man ein gut Stück des Simmenthals über Oberwyl hinaus bis gegen Voltigen. Man könnte an ^" grünen Thalwänden Hunderte und Tausende von kleinen braunen Hütten und Heugaden zählen. Im fernen Hintergrund sieht man die hohen Gräte und Hörner, auf deren uuwegsanien Höhen die Grenzen der drei Cantone Bern, D>aadt und Freiburg zusammenstoßen.
’) „Râf" wirv ein hölzernes Gestell genannt, welches an Leder- nemen um die Schultern gehängt wird und in Gebirgsgegenden da- iu dient, schwere Lasten auf dem Rücken zu tragen.
Unter diesen wild zerklüfteten Bergspitzen macht sich besonders bemerklich der „Mönch"; man sollte meinen, cs sitze dort ein Riese in einer Mönchkütte, die Kaputze über den Kopf gezogen und die Hände auf die Knièe gelegt. Dieser unmuthigen Aussicht zu lieb wird die Engländerbank von den Weißenburger Gästen fleißig besucht, insbesondere von denen aus den Flachländern, welchen der Anblick einer großartigen Gebirgswelt ein ungewohntes Schauspiel ist.
Um nicht in meinen eigenen Fußstapfen zurückzukehren, schlug ich diesen Umweg ein. Auf der Engländerbank traf ich die dicke Gräfin, welche sich von ihrem blaugelben Bedienten hatte hinausschleppen lassen. Ihr Liebling, das goldhaa- rigc Elseli, im königsblauen Jüppelein und Mieder und dem breiten Brienzer Hut hatte sie begleitet, und dem Elseli war der mausgraue Großvater mit der schwarzseidenen Zipfelkappe gefolgt. Die dicke Gräfin war in rosigster Laune; ein zufriedenes Lächeln schwebte auf ihren breiten, fettglänzenden Zügen. „Wie sind mir eure schönen Berge, eure grünen Thäler, eure duftigen Wälder lieb 'geworden!" rief sie mir schon von weitem zu. „Die laue Quelle und die würzige Bergluft wirken Wunder bei meinem Sohn."
Ein plötzlicher Gedanke schien ihr durch den Kopf zu fahren. „Wer sind die Grundherren dieses schönen Simmeu- thals?" fragte sie den Vater Jmobersteg. — Er erwiderte, die Aecker und Matten im Thal, zum Theil auch die Alpen, gehörten den Bauern in den Dörfern; freilich habe mancher an seinem verschuldeten Gütlein schwer genug zu tragen. Andere Alpen und Sennenberge seien Eigenthum reicher Berner Herren oder machen einen Theil des Vermögens des großen Berner Juselspitals aus. — „Gibt es denn hier zu Lande keine adeligen Gutsbesitzer, welche auf ihren Schlössern wohnen, dem edeln Waidwerk obliegen und die sichtbare Vorsehung ihrer Bauern sind?" — Solcher Leute, antwortete der Alte, habe sich das Simmenthal früher auch zu erfreuen gehabt, es sei aber schon etwas lange her. Da seien z. B. ganz in der Nähe die Freiherren von Weißenburg auf ihrem Schlosse gesessen, der letzte sei aber schon um das Jahr 1380 gestorben. Den besseren Theil seiner Besitzungen habe Bern geerbt, den Rest seine Schwestersöhne, die Herren v. Brandis, welchen das
