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Der Wanderer.

Deiblatt Mr Nassauischcii Allgemeinen Mtmg.

Jr. ICO.

Samstag den 10. Juli

F«SS

Die Königin der Nacht-

Roman von Levin Schücking.

(Fortsetzung.)

Und doch bin ich nicht zufrieden, ich verlange eine That von Ihnen..

Ich bitte, lassen Sie hören. . .

Es ist freilich nichts Geringes — es ist ein schweres, ein furchtbares Geständniß für eine Schwester; aber Maximilians und mein ganzes Glück hängt davon ab, daß Sie meine Bitte erfüllen.

Sprechen Sie, Madame, ich bin sehr gespannt, was Sie noch von mir verlangen können, was ich noch mehr zu Ihrem Glücke thun soll!

Manuela's Worte wurden immer bitterer, ihr Ton immer gereizter, sic kam dem Augenblicke immer näher, wo die kaum gewonnene Fassung sie wieder zu verlassen drohte.

Manuela, antwortete deshalb Margarethe, der das nicht entging, in mildestem, beinahe herzlichen: Tone — ich habe Ihnen ein großes Unglück mitzutheilen — Maximilian ist in gerichtliche Unsersuchung gerathen.

Manuela wechselte einen Augenblick lang die Farbe. Ihr Auge war an den Boden geheftet.

Es gibt nur Eine Rechtfertigung für ihn, fuhr Marga­rethe fort: wenn er den Todtenschein, durch welchen er ge­täuscht ist, vorlegen kann, oder doch wenigstens ein Zeugniß, daß dieser Todtenschein existirt hat.

Er hat ihn nicht mehr? fragte Manuela kaum ver­ständlich.

Nein, Ihr Bruder hat ihn unter einem schlauen Vorwande Maximilian aus den Händen gelockt.

Und Sie fordern nun von mir... ?

Brauche ich es Ihnen noch zu sagen — treibt nicht Ihr Herz Sie augenblicklich dazu? Sie sollen mir ein Zeugniß ausstellen, Manuela, worin Sie erklären, daß Ihr Bruder Alonso einen solchen Todtenschein erschlichen hat. O, Sie werden das thun — Manuela — ein paar Worte dictirt einem Notar, nur einem unbescholtenen Manne, kostet cs Ihnen — dann ist seine Ehre gerettet —, Sie werden, Sie

können das nicht weigern — ich verpfände Ihnen mein Wort, daß Ihrem Bruder Alonso deßhalb, ein so arges Verbrechen auch damit eingestanden ist, nicht ein Haar gekrümmt werden soll. Niemand soll das Blatt sehen, bis er sicher jenseits seiner Gränzen ist — Manuela, Sie können, Sie werden das nicht verweigern, es hängt mehr als ein Leben, es hängt Ma­ximilian's Ehre davon ab — Sie müssen mir es geben, und gleich, gleich — o, ich will Ihnen auf den Knieen dafür danken!

Margarethens Wangen hatten sich vor Erregung geröthet, während sie in flehentlicher Eindringlichkeit so sprach; sie hatte, von ihrem Gefühle fortgezogen, Manuela's Hand ergriffen — Manuela zuckte bei dieser Berührung zusammen, entzog ihr die Hand und schlug die Augen auf — sie blickte eine Weile Margarethen voll und fest ins Gesicht. Dann sah sie nach Alonso hinüber — Alonso machte eine verneinende Bewegung aus ihre stumme Frage. Hätte ein anderer Mund ihr Zeug­niß für Maximilian verlangt, sie hätte diesen Wink Alonso's schwerlich beachtet und wäre der Eingebung ihres Herzens ge­folgt; aber Margarethen gegenüber überwog die Bitterkeit, welche gegen diese Frau in ihrem Herzen schlummerte — sie konnte der Befriedigung nicht widerstehen, welche sie lockte, sie gehorchte Alonso.

Madame — antworte sie — wie können Sie das von mir verlangen? Wie kann ich meinen Bruder für einen Verbrecher erklären?

Sie weigern Sich — Manuela — Sie weigern Sich? rief Margarethe mit zitternder Lippe — Sie weigern Sich, ein Wort zu sagen, von dem die Ehre Maximilians abhängt, welches darüber entscheidet, ob die Welt ihn von sich aus­stößt oder nicht?! — Nun, wohl, wenn Sie es denn wollen — cs soll doch nicht gelingen, ihn zum Verbrecher zu stempeln — leben Sie wohl, Madame, ich geve, ich reise nach Spanien, ich sammle dort Beweise für Ihres Bruders Schuld.

Jetzt zitterte auch Manuelas Lippe — sie war todten- bleich geworden, sie hielt sich nicht mehr:

Madame, flüsterte sie mit vor Zorn erstickter Stimme, während ihre schmalen, zauberhaft schönen Augen ein uuhcim