Den zerschlagenen und todwunden Menschen, den Sie. in der ersten Bewegung, welche die der Herzensgute und einer schönen Menschlichkeit schien, zu Sich in den Wagen nahmen und dem Sie vielleicht das Leben retteten, werden Sie an der Thür des Kerkers abliefern, um Sich für Ihre That bezahlt zu machen? Wie Sie wollen. Sie können es. Sie haben zwei. Diener bei Sich — und ich bin gelähmt! Ich kann nicht einmal fliehen!
Margarethe fixirte ihn scharf. Sie sah, was in ihm vorging, und ihr Entschluß war gefaßt. Sie sah, sie brauchte» ihn nicht mehr zu fürchten — und von Manuela hoffte sie Alles!
Nein, sagte sic, es ist nicht nöthig. Ich werde Sie in die Arme Ihrer Schwester zurückführen. Wo finden wir sie?
Alonso nahmen diese Worte augenscheinlich eine Last vom Herzen. Er beschrieb den Weg zu dem Gasthofe, in welchem Manuela ihn erwartete. Der Wagen rollte über das holperige Pflaster des Orts und bog in eine Seitenstraße ein. Vor einem ziemlich abgelegenen Hause mit hohem weißem Giebel und einem großen Einfahrtsthor hielt er. Als Margarethe ausgestiegen und über die Schwelle geschritten war, sah sie sich auf einer breiten Hausflur mit schweren dunklen Leinwandschränken und großen, von Alter schwarz gewordenen Bildern an den geweißten Wänden; es war ein Wirthshaus der guten alten Reisezeit, das einen großen Ruf — verloren hatte. Eine Wendelstiege mit dunkelbraunem gehöhntem Geländer in der hinteren Ecke der Flur führte nach oben auf einen schmalen Eorridor, der rechts und links Zellenthüren so dicht neben einander wie in einem Kloster zeigte. Die letzte Thür links mit der großen schwarzen Nr. I. auf dem blau- graueu Oelfarben-Anstrich war die des größten, des Staats- zimmers, und hier war cs, wo Manuela der Rückkehr ihres Bruders harrte. Margarethe blieb eine Weile unten und sandte ihren Kammerdiener voraus, um sich und Alonso an- zukündigen; dann ging sie selbst — trotz der tiefen Aufregung, worin sie sich befand, dachte sie daran, daß sie Manuela nicht ihren verwundeten Bruder ins Zimmer führen lassen dürfe, ohne sie aus diesen erschreckenden Anblick vorbereitet zu haben.
(Fortsetzung folgt.)
Aus der Militärgreuze
Ein Spaziergang nach Bosnien.
(Fortsetzung.)
Ich hatte in meiner Handbörse einige wenige Zwanziger, zauderte daher keinen Augenblick, den Großmüthigen zu spielen, und hielt dem Fragenden die ganze Börse hin. „Siehst du, ich sagte cs ja gleich, daß das einer von den wenigen
braven Giaurim ist"! bemerkte der Baarfüßige, indem 'er nach dem Geldbeutel griff. „Ja, wenn dem so ist, bann ists ein anderes"! meinte der Alte mit einem bedentnngsvollcu Blick nach dem Gelde, und im nächsten Augenblicke saß ich im Kahn.
Die Una hatte an der Stelle gutes Fahrwasser, die beiden Bosniaken ruderten tüchtig und gaben sich, während sie unausgesetzt nach allen Seiten herumspähten, ob sie nicht von österreichischer Seite bemerkt würden, sichlich alle Mühe, das jenseitige Ufer möglichst bald zu gewinnen. Nach einigen Minuten stieß auch der Kahn, ohne daß ihn das weitsichtigste Auge eines Kordonisteu bemerkt hätte, an Mahomeds geweihtes Land.
„Was nun? wo wollt Ihr Hin?" fragte der jüngere Bosniake. — „Jn's nächste Dorf," war meine Antwort, „in eine gute Mehana." (Herberge.) — „Zuerst aber müssen wir dich zu unserem Spahi bringen, daß er dich sieht'und dich ausfragt," sagte der Alte. — „Laßt mich dafür sorgen," beruhigte ihn der Jüngere, der offenbar eine Affection gefaßt zu haben schien, von der ich nicht wissen konnte, ob sie meiner Person galt oder den Zwanzigern, die er noch bei mir vermuthete. „Zuerst muß der Effendi Unterkunft finden, dann will ich's schon selbst dem Spahi zu wissen thun."
Hierauf wickelte er den Strick los, mit dem er seinen rothen, sehr zerschlissenen Mantel um ben Leib befestigt hatte, band damit das Schilf auf dem Rücken des Pferdes fest und hieß mich aufsitzeu. — „Setz' dich, Effendi! 's ist noch ein gut Stück Weg zur nächsten Mehana". — So müde ich war, so wenig konnte ich beim Anblick des armseligen Thiers, das dastand unter der Last des Schilfrohrs, gebückt und trübselig den Kopf hängend, zottig und knochenscheinig, die Ueberzen- gung gewinnen, daß es im Stande sein wurde, eine Vermehrung seiner Last auch nur um so viel, als meine Wenigkeit betrug, ohne Lebensgefahr zu ertragen.
„Ich gehe mit euch zu Fuß", antwortete ich. — „Nicht so, Schwabe, wer zahlt, der reitet auch, so ist es Sitte in der Bosna", erwiderte der Braune, indem er das aufgepackte Schilf nach Möglichkeit zu einem Sitze vorrichtete. Meine Besorgniß, daß das schwache Pferd unter der zweifachen Wucht erliegen würde, widerlegte er mit der Versicherung, daß dasselbe Pferd einmal zwei reisende Schwaben von Kosteinitza bis Sarajewo getragen habe, was freilich zehn Jahre Hersei, und daß es jetzt doch wenigstens noch Einen Schwaben werde tragen können. So saß ich denn auf und fügte mich. — „So reist bei uns alle Welt, und du wirst keine Ausnahme machen wollen", fügte der Alte noch hinzu. Hierauf ergriff der Barfüßige den Zügel, um das Pferd zu führen, eigentlich aber um ihm durch Nachschleppen im mühsamen Fortkommen einigermaßen behülflich zu sein; der Beschuhte ergriff seinen S
