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Der Wanderer.

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Beiblatt jur Nassamschen Mgemeinen Zcitmg.

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Donnerstag den s. Juli

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Die Lrönigin der Nacht-

Roman von See in Schücking.

(Fortsetzung.)

Der- Spanier zwang sich zu einem kurz abgebrochenen Lachen.

Ich bitte, Madame, fahren Sie nicht weiter fort, mir mit der Gerechtigkeit zu drohen. Ich habe die tiefste Ehrfurcht vor der alten Dame in der schwarzen Robe, aber aus einer eigenthümlichen Idiosynkrasie wünsche ich ihre Bekanntschaft nicht zu machen.

Leider ist die alte Dame in hohem Grade zudringlich.

Mag sein, aber ich habe nichts mit ihr zu schaffen.

Sie haben ein Verbrechen begangen, Sie haben einen falschen Dodtenschein geschmiedet; ich glaube, Ihre schwarze Dame läßt cs sich nicht nehmen, so große Ansprüche auf Ihre Beachtung zu berücksichtigen.

Man wird es mir beweisen müssen. Und werden Sie das thun ? Nein, Madame, dazu werden Sie nicht den Muth haben. Manuela's und meine Stellung Ihnen gegenüber macht uns unverletzlich für Sie. Wir sind vor Ihnen zu sehr im Vortheile, Madame — denn wir sind cs, die entsa­gen , die ihre Ansprüche opfern, die sich zurückziehen. Wer­den Sie die Stirn haben, uns verfolgen zu lassen — Sic, uns?

Warum sagen Sie: uns? Handelt es sich hier irgend um Manuela? Dtein, nur um Sie, und — Don Alonso, was S i e angeht, so würde ich den Muth haben, zuzuscheu, wenn man Sie hängte!

Don Alonso stieß noch einmal sein kurz abgebrochenes La­chen aus. ,

Ich danke Ihnen. Sie sind sehr offen.

Seien Sie cs auch! Wollen Sie, sobald Sie Sich er­holt haben, mit mir zurückkehrcu und freiwillig ein Zeugniß ablegen, welches meinen Gatten rechtfertigt, oder soll ich Sie verhaften lassen und — weiter reisen?

Keines von Beiden. Das Letztere ist überflüssig und das Erstere für Sie unmöglich.

Weßhalb? ;

Weil ich nicht vor die Schranken eines Gerichtshofes ge­führt werden könnte, obne daß man die rechtliche Beschaffen­heit der Ansprüche Manuela's einer genauen Erörterung un­terwürfe. Das werden Sie nicht wollen, Madame, das kön­nen Sie unmöglich zugeben.

Margarethe sah ihm fest und stolz in das Auge. Sie täuschen Sich, sagte sie. Es könnte doch sein, daß ich das' wollte — es könte doch sein, daß ich mit Freuden meine Rechte opferte, daß ich Alles hingäbe, wenn ich dadurch er­kaufen könnte, daß der verdächtige Charakter, daß die in Zwei­fel gezogene Ehre meines Gatten wieder im reinsten Glanze vor der Welt erschiene.

Don Alonso's entstelltes Gesicht nahm bei diesen Worten einen unheimlichen Zug mehr an, und feine Blicke zeigten eine Weile ein nnstätes Flattern. Seine stolze Sicherheit war plötzlich dahin. Er mußte sich gestehen, daß er doch wie ein Thor gehandelt, als er seiner leidenschaftlichen Rachsucht sich hingegeben hatte. Aber wie hätte er auch ahnen können, daß Dinge gleich denen, welche er Maximilian und Marga­rethen enthüllt hatte, nicht von Beiden mit dem tiefsten Schweigen verschleiert gehalten würden? Einen solchen Frauen-Charakter, der in seinem Stolze und im Bewußtsein seiner Reinheit vor nichts zurückbebte, als vor der — Heim­lichkeit.

Zwölftes Capitel.

Die Spanierin und die Deutsche.

Während der mitgetheilten Unterredung war das Ziel erreicht worden. Das Städtchen, welches von der großen Eisenbahnlinie berührt wurde, lag vor den Reisenden, von fern schon durch die hohen Stationsgebäude angekündigt. Als der Wagen sich dem kleinen Thore mit seinem dunkeln Ge­wölbe und seinen ominösen vergitterten Gefängnißzellen darü­ber nahte, fühlte sich Don Alonso Revenga bewogen, das abgebrochene Gespräch wieder anzuknüpfen.

Also, in der That, Madame, sagte er und suchte den Ton des Scherzes in seine Worte zu legen. Sie werden den Zu­fall, der mich Ihnen gebunden in die Hände lieferte, auszu­beuten suchen?

Wie meinen Sie das, mein Herr?