Der Wanderer.
Kellktristisches Beiblatt zu llassaailchen Allgemeinen Zeitung.
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Dienstag den 6. Juli
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Jie Königin der Nacht.
Roman von Levin Schücking.
(Fortsetzung.)
Mehrere Stunden war Margarethe davon gerollt, auf dem | Wege nach der nächsten Eisenbahnstation; der Wagen hielt i endlich vor einem Wirthshause an der Chaussee, wo der Postillion die Pferde füttern wollte. Margarethe blieb im Wagen, ihr Diener auf dem Bocke. Der Postillion blieb auffallend lange in der Schenke, endlich kam er mit dem Brod- vorrathe für seine Thiere zurück, und während er die Stücke den Pferden in die Krippe schnitt, erzählte er dem Kammerdiener, daß im Hause „Scandal" sei.
Und was gibt's denn, Schwager? Kriegt das Weib Prügel oder der Mann? fragte der Diener Margarethens.
Nein, Beide sind über einen Dritten her. Es ist ein armer Teufel von Franzose, der ganz zerschlagen und verschun- den ist; er hat kein Geld, und sie wollen für die Nachtzeche bezahlt sein.
Kein Geld haben! das ist freilich impertinent!
Das Schlimmste ist, daß er kein Wort Deutsch versteht und man aus seinem Nothwelsch nicht klug werden kann.
Margarethe, welche diese Unterredung angehört hatte, gab ihrem Diener den Befehl, sich nach dem Unglücklichen umzu- sehen. Iakob ging und kam nach einer Weile aus dem Wirthshause zurück.
Es ist ein schwer verwundeter Mensch, sagte er, mit blutigem Kopfe, das Gesicht blau und gedunsen, und es ist nicht möglich, daß er sich in diesen: Zustande weiter schleppt — er i würde, fürchte ich, unvermeidlich den Tod davon haben. Der I Schenkwirth will aber durchaus, daß er wenigstens jetzt sogleich ; sâ Haus räume, da er ihn nicht für das Nachtquartier bezahlen kann.
Das ist ja unmenschlich!
Iakob zuckte die Achseln.
Der Wirth fürchtet wohl, daß der Mensch gar in seinem Hause stirbt, und will die Leiche nicht unter seinem Dache haben . . . wenn er chm die Zeche schenkt, glaubt er wohl seine Christenpflicht mehr als genug erfüllt.
Aber den: unglücklichen Menschen muß doch geholfen werden, versetzte die junge Frau . . . öffne den Schlag — ich will selbst mit ihm sprechen.
Gnädige Frau, fiel Iakob besorgt ein, lassen Sie mich doch — der Anblick könnte sie erschrecken!
Aber Margarethe war schon aus dem Wagen, sie nahm Jacob's Arm und ließ sich in die Schenke führen. Zum Erschrecken war freilich der Anblick, welcher sich hier ihr bot. In der räucherigen Küche, da, wo die Bank in einer Ecke endete und die beiden zusammenstoßenden Wände eine Art Rückenlehne bildeten, lag ein" Mensch matt zusammengesunken, das hagere, tiefgelbe Gesicht aufgetrieben und von großen blauen Flecken entstellt; um den hohen nnd spitzen Schädel trug er ein durch und durch von Blut getränktes Tuch, der ganze Körper aber schien so matt und lag so regungslos, als sei alle Kraft dahin, oder als ob er von jeder Bewegung Schmerz fürchte. Die Augen des Fremden blickten wie ausgebrannte Kohlen aus ihren tiefen Höhlen unter dem blutrothen Kopftuche unheimlich, gespensterhaft hervor.
Margarethe redete ihn, nachdem sie ihre natürliche Zaghaftigkeit einem solchen Anblick gegenüber mit einem entschlossenen Aufbieten ihrer Willenskraft überwunden hatte, in französischer Sprache freundlich an.
Ich bin von Räubern überfallen worden, sagte der Verwundete, sie haben mich mißhandelt und in diesen Zustand gebracht; sie haben mich rein ausgeplündert; ich kann nicht weiter kommen, meine Glieder versagen mir den Dienst; ich habe sehr Diel Blut verloren. Mir wäre geholfen, wenn ich auf der nächsten Eisenbahnstation wäre.
Finden Sie dort jemanden, der sich Ihrer annimmt?
Ter Fremde nickte bejahend und legte dann, von dem Sprechen ermüdet, mit geschloffenen Augen den Kopf an die Mauer zurück.
Margarethe zuckte in diesem Augenblicke, wie von einer Schlange gebissen, zusammen; sie erkannte die Züge dieses Gesichtes, das sich durch die letzte Bewegung zu ihr empor gehoben und sich der Beobachtungen Preis gegeben hatte Wer die junge Frau wußte sich zu beherrschen. Ruhig, mir
