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Mctrissisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

ÄEr. 153 t

Dontterstag den 1. Juli

1853.

Sie Königin der Nacht.

Roman von Levin Schücking.

(Fortsetzung.)

Als er in seiner Wohnung angekommen, hörte er von den Bedienten, daß. die gnädige Frau -ein paar Stunden vor ihm angelangt sei und drüben in ihrem Flügel des Hotels sich ein- geschlossen habe; die Dienerschaft habe den Befehl erhalten, ihre Garderobe und alle ihre Sachen einzupacken und sei eif­rig damit beschäftigt. Maximilian ließ nun einen ihm be­freundeten Anwalt kommen und hatte eine lange Unterredung mit ihm; er stellte ihm Vollmachten aus, gab ihm mancherlei Weisungen und sandte ihn endlich zu seinem Banquier. Dann ordnete er seine Papiere, verbrannte Briefe, ließ seinen Die­ner einpacken und warf sich zuletzt, da über diesen Beschäf­tigungen der Rest des Tages zu Ende gegangen war, tod­müde auf sein Lager. Am anderen Morgen in der Frühe saß er bereits an seinem Schreibtische; er schrieb au Marga­rethen einen langen, langen Brief: er hatte ihr ja so unend­lich viel zu sagen; er legte sein ganzes Herz vor ihr offen; er beschwerte sich nicht über ihren Zorn; ja, er bekannte sich selbst sogar schuldig, aber er erklärte ihr, wie er dazu gekom­men, diese Schuld aus sich zu laden; er versicherte sic, daß nur das ihn durchdringende Bewußtsein seiner Stellung ihr gegenüber, daß nur die entsetzliche Scham, in welcher sich jetzt, wenn er an sie denke, sein Herz verblute, ihn davon abhalten könne, ihr mit den heiligsten Schwüren zu sagen, daß er nur sie liebe und ewig lieben werde; — und dann endlich stellte er ihr die Weise frei, wie sie sich von ihm scheiden lassen wolle, und versicherte sie, daß jedenfalls die Verzweiflung, welche an ihm zehre, sie bald durch seinen Un­tergang ganz unb für ewig frei machen werde.

Maximilian couvertirte und siegelte den Brief und sandte seinen Diener damit zu Margarethen hinüber. Dann stand er auf und trat aus Fenster; er fühlte sich ruhiger, mit dem Briefe war ein, wenn auch nur kleiner Theil der Last, welche auf seiner Brust lag, abgewälzt, es war dadurch eine gewisse Klarheit über ihn gekommen. Er hatte lange gesessen, die

Uhr in dem Frontispice seines Hotels wies auf Zehn. Un­ten im Hofe hielten mehrere Equipagen; er hatte ihr Hcrein- rollen ganz überhört, so sehr war er mit seiner Rechtfertigungs­schrift beschäftigt gewesen. Zehn Minuten vergingen. Maxi­milian spähte hinüber zu Margarethens Fenster; er sah sie nicht, aber einmal war ihm, als ob sich eine hohe und schmale Gestalt, wie die der Tante Amalgunde, an den Vorhängen her bewege. Da öffnete sich die Thüre — der Diener trat wieder ein — er hielt das Schreiben, welches er hatte über­bringen sollen, in der Hand.

Die gnädige Frau ist unwohl, sie wünscht keine Briefe zu empfangen, meldete er.

Das war die Antwort auf Maximilians glühende Herzens­ergießung !

Ueberwâltigt warf er sich auf ein Sopha; das war zu stark, das war der Härte, ja, des Unrechts zu viel — nicht einmal eine Vertheidigung wollte man ihm gestat­ten ! . . . Er wußte seinem Schmerze nicht mehr Einhalt zu thun, und hoffnungslos, den Tod sich wünschend, verbarg er sein Gesicht in den Kissen des Sophas.

Eine geraume Zeit mochte er so in dumpfem Hinbrüten gelegen haben, als sich eine breite, zwar harte und schwie­lige, aber warme Hand. auf seinen Scheitel legte. Er sah empor — ein mildes Gesicht, auf dem der tiefste Ernst nicht den Ausdruck mitleidigster Theilnahme und unerschöpflichsten Wohlwollens verdrängt hatte, blickte ihn an; es war Nie- mand anders, als Wennemar von Waterlapp.

Wennemar?! du hier?

Ich bin's, Maximilian. Willst du mir folgen,?

Folgen? wozu? wohin?

Nur zwei Schritte weit; sie wünschen dich zu sprechen!

Und wer wünscht mich zu sprechen? ... du kündigst mir das so feierlich an . . .!

Der Familienrath, unterbrach ihn Wennemar, indem er die Stimme sinken ließ, als spreche er etwas Tieftragisches oder Fürchterliches aus.

Ist der zusammen'?! Nun wohl, ich will ihm Rede stehen — komm t

Maximilian hängte sich in Wennemar's Arm und ging