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wäre. Ich wußte ja nichts von Ihnen, wußte nicht, ob sie frei seien oder gebunden... Sie aber wissen recht gut, daß in jenem Augenblicke, als ich Sie zuerst sah, mehr als Eine Wunde geschlagen worden ist, welche Sie geheilt haben; ob Sie auch die andere, schlimmere durch Sympathie heilen wollen ...

Sennor Mastmilian, unterbrach Manuela mit einer anmutigen Handbewegung seine Worte sehen Sie ein­mal dorthin!

Dorthin? und was soll ich sehen? — den Vogel?

Ja, den hübschen kleinen Vogel, der sich in den Pa­tio verirrt hat; sehen Sie, wie seine schönen goldenen Brustfedern schimmern und wie er ängstlich mit den Flü- geln schlägt gerade über der Höhe des Springbrunnens — das arme Thier!

Sagen Sie lieber das thörichte Thier! rief Mari- milian aus — es will sich durchaus oben auf den Bogen deS Springbrunnens niedersetzen und auSruhen, und die flüssige Säule mit ihren Schaum- und Tropsenschauern trägt ihn doch nicht.

Ja wohl, das thörichte Thier — beinahe so thöricht, wie das Wesen, von dem es ein Bild ist!

Und wovon ist eS ein Bild?

Von einer geängstigten, flatternden Frauenseele, die «ine Stütze sucht, die sich auch niederlassen möchte auf eine feste Säule; aber der Männer Betheucrungen, so hoch sie sich auch versteigen, so prahlerisch und regenbo­genfarbig und volltönig sie auch aufrauschen, ganz wie dieser Springbrunnen eS thut, sind doch nichts als Schaum und lose Schauer, welche in sich selbst zusammenfallen. Ein Herz kann nicht darauf rnhen!

Maximilian wollte antworten . . . aber Manuela entschlüpfte ihm, um sich bei ihren Gewächsen zu schaffen zu machen, und dann verschwand sie hinter der großen Blumen-Estrade, hinter welcher der Eingang in ihre Ge­mächer lag.

Am Nachmittage saß Maximilian träumend in dem kahlen und ärmlichen Zimmer seiner Posada. Er hatte Briefe geschrieben und wollte einen Spaziergang am MeereSufer machen. Da klopft eS leise an seine Thür, und als er öffnete, stand Frai Torribio vor seiner Schwelle.

La gracia de Dios con Usted, Sennor! sagte der Eapuciner mit der Unterwürfigkeit, welche diesen wackeren Mönchen, die den Bevölkerungen des Südens von so un­ermeßlichem Werthe sind, eigenthümlich ist. Er kam, um sein armes Klösterlein der Mildthätigkeit deS Sennor Caballero zu empfehlen. Maximilian gab ihm und gab natürlich so reichlich, daß dem nicht sehr verwöhnten red­lichen Frai ganz eigenthümlich warm zu Muthe wurde, während er mehrere Goldstücke in den großen Aufschlag

seines groben Kutten-AermelS schob. Er erschöpfte sich in Danksagungen und konnte nicht enden, und als Maxi­milian glaubte, er habe nun alle Redewendungen rein aufgebraucht, begann er mit erhöhter Wortfülle noch ein­mal ganz von Neuem. Maximilian entging nicht, daß er eine Gelegenheit zu einem weiteren Gespräche zu er­haschen suche, und er lud ihn deßhalb freundlich ein, sich zu setzen; dann erzählte er ihm, daß eS auch in Deutsch­land Klöster seines Ordens gebe und daß die katholischen Deutschen sehr große Verehrer des seraphischen OrdenS seien. Frai Torribio'S Gesicht verklärte sich, er nahm schmunzelnd eine große Prise und erklärte, daß dieses seine Meinung von den ehrlichen Deutschen um ein Be­deutendes erhöhe; aber er verlor seinen Zweck nicht auS dem Auge, und so hatte er, ehe viel Zeit verflossen, daS Gespräch unmerklich auf Marimilian'S Aufenthalt in Motril , auf die Villa, auf Donna Manuela Revenga geleitet. Er erzählte von Donna Manuela's Jugend, er erhob sie bis in den Himmel, und Maximilian hörte ihm mit einem wahren Entzücken zu; aber plötzlich zuckte er zusammen, wie jemand, den auS einem Blumensträuße, in dessen Duft er sich vertieft, eine WeSpe in die Lippe sticht; dies war, als Frai Torribio seufzend sagte: Aber Donna Manuela hat sich in eine Gefahr gestürzt, Sen­nor, und zwar in die, für ihre Lebenzeit sehr unglücklich zu werden. (Forts, folgt.)

* Die Akademie des Kunstvereins.

(Fortsetzung.)

Diese drei Gemälde, welche daS Alterthum in drei Hauptmomenten darstellen und abschließen, füllen die eine Wand; die andere ist zur Exposition der Entwick­lung der mittleren und neueren Zeit, der äußeren Ver­breitung und inneren Befestigung und Vertiefung der christlichen Welt bestimmt. Inder Hunnenschlacht werden wir von dem Künstler in die sagenhafte Geschichte der Völkerwanderung geführt; noch steht die heilige Roma ; aber die auS dem Norden hereinbrechende Völkerschaaren werden von ihr wie von einem Magnetberg angezogen. Nach einer von dem Philosophen DamaSciuS überliefer­ten Sage heißt eS, fei eS vor den Thoren Roms zu ei­ner furchtbaren Schlacht gekommen; aus dem schrecklichen Blutbade seien nur die Heerführer und wenige Tra­banten übrig geblieben; aber wunderbarer Weise hätten die Seelen der Verstorbenen den Kampf drei Tage und drei Nächte fortgesetzt. Dieser Sage hat unser Künstler eine höhere Deutung gegeben: „Die Geißel GotteS" stürmt mit ihren Schaaren gegen Rom an, das,