ehrfürchtigen Scheu hineinmischte . J . denn bei Gott, Sie sind eine wahre Zauberin.
Manuela lachte, alâ ob sie eine recht große Freude empfinde.
Also er befindet sich wohl, Ihr verbissener Reisegefährte ?
Die Wunde ist geschloffen — wirklich geschloffen — eâ ist unglaublich und doch wahr. Macht die Heilung fortan dieselben Fortschritte, wie sie es während dieser Nacht that, so kann ich mein Pferd nach vierundzwanzig Stunden fortführen lassen!
Wohin?
Nach Malaga ... ich wohne seit vierzehn Tagen in Malaga. Ich bin ein Deutscher, Sennora, vereinen Urlaub dazu benutzt, den Süden Spaniens kennen zu lernen; um ihn mit Muße zu durchstreifen, habe ich mir einige Hauptquartiere gewählt, und nachdem ich zwei Wochen in Sevilla zugebracht, habe ich jetzt Malaga zu meinem Standort auserlesen.
Und immer allein und immer zu Pferde wie ein Gaucho?
Ich habe so die ganze Mancha durchstreift; ganz allein freilich nicht — mein Diener . . .
Durch die Manch«, den Prosaiker hinter sich, unterbrach Manuela mit einem ganz unmerklichen moquanten Zug um den reizenden Mund.
Spotten Sie nicht über den irrenden Ritter — Sen« nora, er könnte darüber so bestürzt und verwirrt werden, baß er in der Zerstreuung die Lage von Toboso vergäße und eS an den Ufern des Guavalfeo suchte!
Manuela wurde dunkelroth. Um dies zu verbergen, blickte sie auf die Karte des Fremden nieder; leise begann fit zu lesen;
Le Baron Maximilien de Rauschenloo, Attache â la légation de 8. M. le Roi ... â la Cour de Madrid.
Le Baron Maximilien de . . . laS sie — dann hörte fit auf; eS ist mir nicht möglich, den Namen auSzuspre- chen, sagte sie . . . Raschaljo . . . ist'S so recht?
Vortrefflich! lächelte der junge Mann — aber wir lind in derselben Lage: Sie können meinen Namen nicht aussprechen, und ich kann den Ihrigen nicht aus- sprechen.
Weßhalb nicht?
Weil ich ihn nicht kenne.
Ja so! lachte Manuela — ich heiße Donna Manuela Revenga.
Maximilian verbeugte sich.
Manuela warf unterdeß einen scharf beobachtenden Blick auf ihn.
Sie sind nicht aufrichtig, sagte sie.
Weßhalb nicht?
Sie kannten meinen Namen.
Nein, antwortete Marimilian mit einer Offenheit und einem Ausdrucke von Wahrheit, der Manuela überzeugte. Ich habe, fuhr er leiser mit einer gewissen Verwirrung fort, nicht danach fragen wollen in Motril.
DaS war seltsam. ES gab Manuela zu denken. Aber sie hatte jetzt nicht Zeit dazu. Maximilian bat noch einmal, ihm mitzutheilen, wie sie sein Pferd geheilt habe.
Ich weiß eS selbst nicht eigentlich, wie eS zugeht, antwortete sie. Sie müssen meinen Bruder Alonso fragen, daS ist ein großer Naturalist, und er hat mich die Kunst gelehrt, solche einfache Wunden zu heilen — ich glaube eS ist eine Ueberlieferung, welche sich in diesem Theile Spaniens aus den Zeiten der MoriSco'S vererbt hat. Ich spreche einige Worte auS, während ich daS Blut nehme; dann sobald ich allein bin, mache ich einige Zeichen über daS durchtränkte Tuch, und endlich verbrenne ich eS, indem ich dieselben Worte murmele. Mein Bru« der nennt es die Waffensalbe, obwohl weder Waffen noch Salbe dabei eine Rolle spielen. DaS ist alles, was ich weiß. ES ist eben Sympathie.
Sympathie? Daran glaube ich von Herzen; aber noch mehr freue ich mich, daß eS Sympathie ist, welche mein Zusammentreffen mit Donna Manuela Revenga vermittelt hat!
Maximilian wurde, als ihm diese Betheuerung entfahren war, über seinen Leichtsinn roth bis unter die Haarwurzeln, und Manuela rief halb betroffen, halb moquant:
Mein unaussprechlicher Sennor, Sie vergessen, daß von mit die Sympathie hier nur inS Spiel gezogen wurde, um daâ, was Ihnen zu ihrem Weiterkommen dient, möglichst bald wieder herzustellen.
Sie haben Recht — Verzeihung, Sennorita! Ich will, deffen eingedenk, Sie auch nicht länger belästigen und gehen.
Manuela fürchtete, ihn beleidigt zu haben; sie suchte eS durch ein freundliches Lächeln wieder gut zu machen; und bei diesem Streben ward sie mit einem überraschenden Erfolge gekrönt.
Ich hatte vor, am heutigen Tage noch abzureisen, sagte Maximilian scheidend, und mein Pferd mir morgen oder übermorgen nachführen zu lassen. Doch scheint eS mir besser, selbst bei ihm zu bleiben und eS nicht fremden Händen anzuvertrauen. (Forts, f.)
