Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung.
No. 109. Sonntag den 9. Mai 1852.
Die Königin der Nacht
Roman von Levin Schücking.
(Fortsetzung.)
Ich hätte ein unbändiges Vergnügen, wenn ich im Himmel der Seele meines alten arabischen Schimmels begegnete, der neulich den Hals unter mir brach, scherzte Mainhövel; ich würde ihm vor Freude weinend um den Schwanen-HalS fallen, und ich versichere Euch, eS würde eine rechte Seelenfreude geben. Und darum will ich Ihnen auch glauben, meine gnädigste Cousine.
Ich nur dann, wenn du so weit gehst, auch die Un« sterblichkeit der Ehemänner zuzugeben, fiel Maximilian lachend ein.
Ich gehe so weil, sagte die junge Frau mit komischem PathoS. ES wäre übrigens sehr thöricht von Euch, wenn Ihr Euch wider meine Dogmen sperren wolltet; denn da ich nur die gescheidten Menschen in den Himmel lasse, so. . .
So können wir doch jetzt als „edle Thiere" hinein kommen, unterbrach Fritz Nagler sie lachend.
Fritz Nagler zum Beispiel als blindes Huhn I antwortete Margarethe neckisch zustimmend.
Und ich? fragte Mainhövel.
Als Bâr!
Danke schön !
Man muß sich Also von nun an ganz gewaltig in Acht nehmen, fuhr Maximilian fort, einem würdigen alten Ochsen keine Injurien zu sagen, oder einem verständigen und respectabeln alten Esel nicht zu beleidigen.
Allerdings, besonders mit der Wahl seiner Vergleiche vorsichtig sein, wenn man von der TageS-Politik und dem herrschenden Systeme spricht! meinte Mainhövel.
Nun habt Ihr wieder etwas von einer Frau gelernt, plauderte Margarethe weiter. So muß endlich dieser
Zeit alle Weisheit von den Frauen kommen. Die Männer sind mit'der ihren vollständig zu Ende. Der männliche Geist ist ein erschöpfter Boden, der einer Periode deS BrachliegenS bedarf. Und weßhalb? weil er es verschmäht hat, zu rechter Zeil Nahrung auS dem weiblichen Geiste an sich zu ziehen. Daher kommt eS, daß alle unsere Staaten dem Untergang zuwackeln. Die Männer haben nicht mehr Kraft und Saft genug in sich, um die gesellschaftlichen Gebilde lebenskräftig und frisch zu erhalten. Die Zeit der Frauen ist gekommen; bei den Frauen muß man sich Raths erholen, sie mnß man herrschen lassen, aus dem Quell deS FrauenthumS muß daS alte Europa verjüngte Lebenskräfte ziehen, die Frauen allein haben noch Muth!
Den Muth zum Handeln, aber nicht den Muth zum Denken, sagte Maximilian
O, eS ist schon viel zu viel gedacht, daS ist ja eben der Fehler der Männer, dieser „Denker"!
ES hat Zeiten gegeben, in welchen die Frauen große Rollen spielten, und diese Zeiträume waren allerdings die, in welchen bie Männer Weiber geworden; da haben sich die Weiber der Herrschaft bemächtigt; aber so viel ich weiß, ist es dadurch nie besser, sondern nur schlimmer geworden, daß die Geschichte so „de glaive en quenouille“ gefallen. Auf die Zeit der Pl.acida folgen die Gothen, auf die Zeit der Anna Komnena dir. . .
Jetzt wird mein Max „Denker", neckte Margarethe, und jetzt gehe ich — von Placida und Anna Komnena mag ich ohnehin gar nichts hören; denn, man sollte eS nicht glauben, aber eS ist doch wahr mit diesen beiden uralten, verblühten Prinzessinnen hat Mar ein zarteS Verhältniß, er ist verliebt in sie!
DaS bin ich auch, lachte der Angegriffene.
Und du glaubst wohl noch, eS stände dir gut, daß du daS in der Gegenwart deiner armen Frau bekennst,
