gegen die Last deS Kummers den sie lindern soll; wenn aber ein Engel die vielen Segenswünsche, die die Herzen der Geber durchwogt, die vielen Gedanken innigen Mit, leidS, die sie beseelt, in seine krystallne Schale saßt und vor den Thron deS Allerbarmers trägt, dann wird der Thautropfen der Milde zum Meer, das Korn der Barmherzigkeit zur üppigen Saat heranwachsen , dann wird Segen aus dem kleinsten sprießen und hundertfältige Früchte tragen und tausendfache Stimmen deS DankeS, taufend Zähren der Rührung werden dem Geber sagen: „Geben ist seliger, denn nehmen".
Eines Wortes hat eS nur bedurft, gesprochen aus Räumen, wohin der Mangel noch nie gedrungen, gespro« chen von einem Munde, der den Wermuth deS Lebens noch nie gekostet und überall antwortete der Wiederhall deS dort so oft und unverdrossen geübten Wortes: „Geben ist seliger, denn nehmen".
Darum wiegt auch dort im Saale um die Büste der edlen Frau die zu neuem Leben erwachte Blumenwelt die jungen grünen Ranken. Darum schmücken dort die dunkel und hell glühenden Kelche der Azalea, die kleinen Blüth- chen der Erica, die prachtvollen Rosen der Camelia daS Bild der hohen Frau; darum drängen ihm zu Seiten aus dem frischen Grüns zwei Statuen die weißen feingeschnittenen Glieder: die Armuth, die vertrauensvoll ihr naht, und ein Engel des DankeS, der ihr und allen, die ihrem Rufe gefolgt die einfachen Worte sagt: „Geben ist seliger, denn nehmen".
Auf langen den Saal durchziehenden, mit Blumenvasen und frischen Blüthen geschmückten Tafeln, auf Etageren liegen mit eben so viel Geschmack als Sorgfalt geordnet, die Gaben, reich und anspruchslos; die fertig gekauften Gegenstände, durch die der Mann sich mit der Wohlthätigkeit abfindet, neben der mühevollen Arbeit der Frau; das farbenschillernde Geschenk deS Reichen neben der unscheinbaren Gabe, erkauft mit dem Groschen der Wittwe; der edle Wille zu helfen, macht sie alle gleich.
DaS Verzeichniß der Geschenke zählt viel Nummern, ein würdiges Aequivalent für die Masse abgesetzter Loose, für deren Zahl, wie eS sich von selbst versteht, nur die Mildthätigkeit der vielen Menschenfreunde, nicht die Zahl der zu verloosenden Gegenstände den Maaßstab geben, die Grenze ziehen konnte. *)
Indessen find die Geschenke, welche von dorther gespendet wurden, woher der Aufruf zur Mildthätigkeit ergangen, so reich, daß der große Werth deS GewlnnsteS die geringere Wahrscheinlichkeit deS Gewinnens bei wei.
*) Es find 1430 Gaben elngesendet und über 19,000 Loose ab« gesetzt.
tem aufwiegt. Den Glanzpunct der Gaben bildet eine prachtvolle Bronceuhr mit zwei Broncecandelabern, ihm reihen sich an, eine Chatelaine von Gold, viele Schmuck fachen, herrlich gearbeitete Tischchen, Stühle, Nâhcassetten, Sophapolster, Tüchertaschen. Glockenzüge, Stickereien u.; den Luxusartikeln gegenüber eine Reihe nützlicher Gegen- stände und zwei prachtvolle Carcellrlampen ein Geschen! deS — Erbprinzen.
Schon vor zwei Jahren hat sich bei einem ähnlichen Ausrufe die Mildthätigkeit unserer Frauen bewährt, Heuei scheint fit sich selbst übertroffen zu haben, wir bedauern nur, daß die größere Menge der mildthätigen ringS im Lande zerstreuten Geberinnen nicht die ganze Masse der Geschenke in ihrer geschmackvollen Anordnung beseht» und die mit einem Mal in die Augen springende Gewißheit erlangen kann, zu welchem großartigen Ganzen ßt mitgewirkt haben.
Dieser Anblick müßte sie in dem edlen Wollen unl Wirken bestärken, zu dem sie die Erkenntniß deS WorllS geführt: „Geben ist seliger, denn nehmen".
M i s c e l1 e n.
Ein seltener und höchst trauriger Zufall hat sich auf iw Eisenbahnstrecke zwischen Lehrte und Wolfenbüttel ereignet. E« junger Mann , welcher obige Stricke fuhr, wollte sich eine ® garre anzünden und schnitt die Spitze derselben mit einem Fedn- Messer weg, wobei er sich einen Finger unbedeutend verletz«! die Wunde nicht achtend, nimmt er ein Zündhölzchen, um W Cigarre anzubrcnnen. Beim Streichen des Hölzchens sprich ein Stückchen Phosphor von demselben ab und fliegt zum UnglM grade in die beschriebene Schnittwunde; ehe noch eine Pierttl- stunde verflossen, ward der ganze Finger schwarz; ein in demselben Coupd befindlicher Wundarzt, welcher der traurigen O schichte zugesehen hatte, gab ihm den wohlgemeinten Rath, M nur augenblicklich den Finger abnehmen zu lassen, was jungen Mann aber höchst bedenklich schien. Als der Zug jedoli in Schöppenstedt ankam, war bereits die ganze Hand schmäh und furchtbare Schmerzen gesellten sich hinzu. Jetzt erst ciilM sich der Unglückliche, die Hand sich abnehmen zu lassen, um nW nachher noch den Arm einzubüßen. Dieser Zufall ist gewiß her der erste, und wäre es wünschenswerth, wenn fatfefunW Männer ihre Meinung aussprächen, ob wirklich der Phosph ein so schnelles Unglück herbetführen, oder ob dieser Zufall »W leicht mit andern Umständen verknüpft gewesen sein kann.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. Boezeü
Theater zu Wiesbaden.
Dienstag, den 27. April. Dorf und Stadt, Schauss in 2 Abtheilungen und in 5 Acten von Charlotte Birch-Pfeiff
Dkack und Berlaa der 2. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
