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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

No. 96. Samstag den 24. April 1852.

Die Flucht.

Nach dem Englischen der MrS. Edward Thomas.

(Fortsetzung.)

Daher war sie aus'S Höchste erstaunt und erregt, als fit gerade zu einer Zeit, wo sie mit ihrer Mutter Vorbe­reitungen zu einem Aufenthalt auf dem Kontinent wäh­rend deS Winters traf, den folgenden Brief von Lord LindSford erhielt:

„Emilie!

Ich fühle eS, daß eS einer weit kräftigeren Entschul- digung, als ich in Worte zu fassen vermag, bedarf, wenn ich eö, nach meinem unmännlichen Betragen, wage, mich an Sie zu wenden. Ich bin jetzt unglücklich, sehr unglück­lich — ich bin zu lange mit dem Unglück vertraut gewesen, um vor dem neuen Kummer zurückzuschrecken, den Ihr Zürnen wir erregen könnte. Vernichtet werde ich nur dann fein, wenn Sie sich unerbittlich zeigen sollten. Doch noch herrscht nicht gänzliche Verzweiflung in meinem Herzen; ein Funke von dem Vestalischen Feuer der Hoffnung glimmt noch in der Asche, eS kann angefacht werden zu schönem Glanze, wenn Sie mich anhören, Mitleid, Gnade für mich haben. O Emilie, ich weiß eS nur zu gut, was ich wage, wenn ich Sie beschwöre, von einem so entheiligten Tempel, wie mein beflecktes Herz ist, Besitz zu nehmen; aber ich bin zu sehr dem Ernste zugewandt um durch Schmeicheln die nackte Wahrheit zu verhüllen, ich bin zu begierig nach einem glücklichen Erfolg, um mit beurtheilendem Blicke den rauhen Weg zu messen, den ich durcheilen muß, um zu dem Ziel meiner Wünsche zu ge­langen, bevor ein anderer, mehr begünstigter Mitbewerber wir den Preis raubt, nach dessen Erlangung ich wie um mein Leben ringe. v

Uno kenne ich nicht die liebenswürdige Einfachheit Ihres Wesens, die Versöhnlichkeit Ihres Herzens f Darf

ich nicht.durch [Die edlen Eigenschaften, mit denen Sie so reich auSgestattet find, mich ermuthigt fühlen, das wunde Herz Ihnen zu Füßen zu legen, das Sie allein heilen können? Weiß ich nicht, daß, arglos wie Sie sind Sie einen unerschöpflichen Schatz christlicher Milde für die Fehler Anderer haben? Weiß ich nicht, daß Sie ver­zeihen können und wollen und dem Irrthum vergeben, der geblendet durch thörichte Leidenschaft, thöricht genug war, die buhlerische Schönheit, welche die Sinne flüchtig bethölt, der dauernd fesselnden Anmuth vorzuziehen?

Emilie, meine ewig theure Emilie, wollen Sie meine Gattin werden? Wollen Sie die schreckliche Leere meiner Seele ausfüllen? Wollen Sie die Wolke vor meiner Sonne entfernen und wieder Llcht und Freudigkeit um mich ver­breiten? Werben Sie meine Bitten, mein Flehen zurück­weisen! Werden Sie alles zurückweisen, waS ich Ihnen anbieten kann? Mag eS sein! Aber werden Sie auch Die abweisen, die ich nun als Fürbitlende für mich nenne? — meine beiden hülflosen, mutterlosen Kinder, sie flehen für ihren Vater, für sich selbst—. Bedenken Sie dies, bevor Sie mich für immer der Verzweiflung preiSgeben! — Ein Wort von Ihnen, und Sie bringen Freude dahin, wo jetzt Leid und Trostlosigkeit herrscht. Nie werden Sie wieder eine solche Gelegenheit haben, Gnade zu erweisen. Nur einmal ist ein solches göttliches Recht auch dem besten Herzen gestattet, nur einmal. Verschmähen Sie dieses Recht nicht. Sprechen Sie, da ich noch lebe, sprechen Sie, ich beschwöre Sie bei Ihrer Hoffnung auf die Seligkeit"!

Welch ein Brief! — Und sie erhielt ihn von dem Manne, den sie so lange angebetet, so unaufhörlich be­dauert, um dtffenlwilltn sie alle Anderen zurückgewiesen hatte! —

Es war eine schreckliche Versuchung! Sie rief sich alle prophetischen Worte ihrer »Mutter in's Gedächtniß