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Auf mich haben Thränen immer tiefen Eindruck gemacht ; vergoß sie aber das Auge eines alten Man« »eS, so haben sie mich im innersten Grunde der Seele erschüttert; denn wenn nach all den stählenden Le­benserfahrungen und Prüfungen ein Greisenauge wei­net, so muß eS ein tiefliegender, die Seele durchzuk- kender Schmerz sein, der sie auspreßt. —

Stören konnte ich ihn jetzt nicht. Ich zog mich leise zurück, und ging den Weg hinan, der zum Gi­pfel deö Berges führte. Dort begegnete mir der Kü­ster meines Bruders, der zugleich Klingelbeutelträger in der Kirche, Glöckner und Todtengräber war.

„Was ich eben gesehen, beschäftigte mich lebhaft. „CaSpar," sagte ich, „ihr habt das Kirchenthor of­fen gelassen!"

Weiß wohl, Musje Wilhelm," sagte er. „Der Schmied ist noch drauf."

„Was macht denn der da?"

„Ei, weiß er denn nicht," sagte Caspar, „daß der Gottfried den Hollunderbaum groß zog und das schöne eiserne Kreuz schmiedete, daö darneben steht?"

„Ich hatte das Kreuz nie beachtet; entsann mich aber wohl, eS gesehen zu haben."

„Liegt vielleicht seine Mutter da begraben?" fragte ich.

„Nein," sagte Caspar, „es ist das Grab seines Schatzes."

Ein Bauer, welcher des Wegs kam, unterbrach die Unterredung, die sonst durch die sich in meiner Seele drängenden Fragen noch langehin reichliche Nahrung würde gehabt haben.

Die Männer gingen miteinander dem Orte zu und ich folgte in einiger Ferne, stieg wieder den Schutt­haufen hinan und stand bald unter meinem lieben Hollunderbaume, den Gottfried schon verlassen hatte.

DaS Kreuz fesselte jetzt meine Aufmerksamkeit. ES war aus Schmiedeeisen gefertigt, so zierlich ge­schmackvoll und schön, daß ich gar nicht begriff, wie ich es hatte übersehen können. Abgesehen von der besonderen Beziehung, verdient es die vollste Auf­merksamkeit. Man konnte nichts daran finden, das auf einen Namen gedeutet hätte. (Forts, folgt.)

Aphorismen über

Gesetzgebung und Rechtspflege.

Der Verfasser von „Welt und Zeit", be­kanntlich der berühmte und freiheitsliebende, seit meh­reren Jahren vrrstorbenen Advokat Jassoy in Frank­furt, hat unter seinen Papieren viele flüchtig hinge­worfene Gedanken, auf einzelne Blätter niedergeschrie­ben, hinterlassen, aus denen er wahrscheinlich ein eigenes Werk bilden wollte. Diese Gevanken, die den Namen Aphorismen führen, enthalte» manches Schlagwort für unsere gebrechlichen Institutionen, und manche Pille, die den alten Unrath aus unserer schwerfälligen Gesetzgebung wegfegen sollen.

Nichts berührt den Bürger und Landmann nä­her, als die ihn fast täglich in Anspruch nehmenden, seinen Kopf und Geldbeutel bestürmenden Institu­tionen der Rechtspflege; und glaubt deßhalb Einsen­der dieser Aphorismen den Lesern der „Volksbötin" im Interesse des Fortschrittes, der Aufklärung und Belehrung der argbethörten und hartgeprellten Mensch­heit einen Dienst zu erzeigen, wenn er von Zeit zu Zeit manche der obengenannten Aphorismen ober Gedan­ken, mitunter mit eigenen Zusätzen, vermehrt mit- theilt. —

Das ärgste Uebel unserer Zeit ist, daß darin zu viel regiert wird! Ueberall steigt die Beamtenzahl-, und doch vermehrt sich der eigentliche Regierungsstoff im Lande nicht. Am Ende wird man den armen Bauern noch Angestellte (und seien es blos Gerichts­vollzieher oder Steuerheber) mit auf den Acker ge­ben ! Einen ungeheuern Abstich macht freilich unser gesetzreiches und leider auch hie und da gesetzloses Deutschland gegen einen Staat wie die Schweiz. Da findet man eine höchst einfache, billige und der Verwaltung hinlänglich genügende Regierung für je­den Canton, da ist aber auch jedes Gesetz allen Bür­gern in's Herz und Gedächtniß eingegraben, weil eS aber von Allen gemacht und überwacht wird.--

Nirgends haben es die Staatsbeamten noch so weit gebracht, als bei uns Deutschen! In Frankreich findet oft ein Angestellter am 2. Januar ohne wei­ters seinen Posten durch einen andern besetzt, und muß ganz ruhig und bescheiden nach Haus gehen, um stch nach einer andern Stelle umzusehen. Von Pensionen in den unteren Stellen der Verwaltung weiß Niemand etwas. In Deutschland bezahlt man aber auch Dienste, welche nie geleistet wurden, und werden noch ganz brauchbare Leute in den Ruhestand versetzt wenn für die Begüilstigten Plätze fehlen. — Ich kann eS nicht glauben, daß die Geschäfte selbst und das Vertrauen in die Verwaltung durch den