nach dessen Namen und sagte: So lange ich hier bin, sollst du Karoline heißen. Die eigensinnige und eifersüchtige Bettina nahm das Kind, trug'S fort, und da Creuzer ihr beim Wiederkommen begegnete, rief sie: Weg aus meinem Wege, fort! — und seitdem bekam sie nie wieder eine Antwort von der Stiftsdame. — Zwei Monate später sagte Güirde- rvde zu Bettinen, die ihre Freundschaft in Frankfurt suchte: „Nein, komme nicht näher, kehre um, wir müssen uns doch trennen!"
Häßlich, wie Creuzer war, war es Bettinen unbegreiflich, daß er ein Weib interessiren könne; aber sie war jedenfalls gegen diesen achtungswürdigen Mann schonungslos. Sie hatte großes Unrecht, ihre Kränkung der geliebten Freundin im Freunde derselben unverdeckt hinzustellen. — Günderode sollte für ihn keine Liebe fühlen, weil das eifersüchtige Kind ihre Liebe allein haben wollte. — Bettina war damals 18 Jahre alt. —
Als das Stiftsfräulein im Juni 1806 zum letzten Male in's Rheingau ging, schickte sie Bettinen deren Papiere zurück. Karolinen habe, sagte die Überbringerin , bei der Neberreichung derselben heftig das Herz geklopft.
ES vergingen 14 Tage, da kam Fritz Schlosser zu Bettina und wollte einige Zeilen mit zur Günderode nehmen. Bettina bat ihn schnell abzureisen, da er sie vielleicht nicht mehr antreffen könnte und beschrieb ihm scherzend, wie sie sich umbringen werde im rothen Kleid, mit aufgelöstem Schnürband, dicht unter der Brust die Wunde. — Ihr Bruder Franz wollte sie einige Tage später mit ins Rheingau nehmen; es vergingen aber darüber mehrere Tage, und zuletzt war BettinenS Lust zur Reise in tiefe Trauer verwandelt.
In Geisenheim erfuhr Bettina daS traurige Ende ihrer Freundin. Man erzählte ihr, daß sich eine junge Dame, die schon sechs Wochen in Winkel wohne, bei St. Bartholomä in den Uferweiden erstochen habe. Sie ging an dem Rhein lange spazieren; dann lief sie nach Haufe und holte ein Handtuch. Am Abend suchte man sie vergebens; am andern Morgen fand man sie am Ufer; sie hatte daS Handtuch voll Steine gesammelt und sich um den Hals gebunden, wahrscheinlich, weil sie sich in den Rhein versenken wollte, aber da sie sich in's Herz stach, fiel sie rückwärts um und so fand sie ein Bauersmann
am Rhein liegen an einem Orte, wo eS am tiefsten war. Er riß ihr den Dolch auS dem Herzen und schleuderte ihn in den Rhein.
(Schluß folgt.)
—»sW«.—
Mahnung.
Deutscher Muth erbebe nicht!
Ob deS Feindes Banner wallen, Der Geschütze Donner schallen, Manches Aug' im Tode bricht — Deutscher Muth , erbebe nicht!
Deutsches Herz, verzage nicht!
Ob auch Irrthums Nacht und Grauen Liegt auf deiner Heimath Gauen — Sei getrost ! Bald wird es Licht!
Deutsches Herz, verzage nicht!
Deutsche Kraft, ermatte nicht!
Scheint die Selbstsucht auch zu siegen Kämpfe fort, — sie muß erliegen! Wie die Schlange Dich umflicht, Deutsche Kraft, ermatte nicht!
Deutscher Sinn, o wandle nicht!
Wo der Wind auch her mag wehen, Was auch wird um Dich geschehen — Steh' getrost, voll Zuversicht!
Deutscher Sinn — o wandle nicht!
Deutsche Hoffnung, sinke nicht!
Wirf den Anker aus in Stürmen!
Wie sich auch die Wellen thürmen — Einer ist, der sie bespricht.
Deutsche Hoffnung, sinke nicht!
Deutsche Lieb' erkalte nicht!
Leuchte fort mit Deinem Strahle Segnend durch der Heimath Thale! Schmäht Dich auch der Bösewicht — Deutsche Lieb', erkalte nicht.
F r e i h e i t s t r c u e, wanke nicht! Manche wollen sie verlassen;
Können ihren Geist nicht fassen, Uns, ihr Brüder, irr' eö nicht. — F r e i h e i t S t r e u e, wanke nicht!
