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Nun jedes Ding will gute Weile haben. Hoffen wir, daß der heilige Geist am Pfingstfest auch über unsere Volksvertreter gekommen sei, daß die wahren Vaterlandsfreunde unter denselben, und deren glauben wir manche zu finden, bald ihre Stellung gehörig erkennen und festhalten, und sich von einer Minderzahl nicht bethören lassen, welcher eS nach den seitherigen Beweisen ihrer Gesinnungen nicht um Reformen, sondern ums Zerstörenzu thun ist, welche nach einer Popularität streben, welche ihr leicht schlechte Früchte bringt, und welche eingedenk sein soll, daß die Geschichte eine strenge und gerechte Richterin ist.
Kirchliches.
Der Jahresbericht der deutsch -katholischen Ge- meinde zu Wiesbaden vom 2ten Sonntag nach Pfingsten ist gedruckt an die Glieder derselben vertheilt worden.
Es wird unter andern darin gesagt, der glorreiche politische Umschwung der Dinge im Vaterland konnte nicht verfehlen aufdie hiesigen kirchlichen Zustände wohl- thuend zurück zu wirken, wie der DeutschkatholieiSmuS seiner Zeit umgekehrt da« Seinigedazu beigetragen hatte, die Geister auf die großen Erscheinungen der nächsten Tage vorzubereiten. Religionsfreiheit gehörte vor allen Andern unter die ersten dringensten Forderungen. Es zeigte sich, daß der Geist der deutschkatholischen Kirche das religiöse Bewustseyn des jetzt lebenden Geschlechts sey, das keinen Haß, keine Trennung, keine Ausschließung um deS Glaubens willen mehr wolle und kenne, wo sie nicht künstlich und kümmerlich dem noch ungebildeten Theile deS Volks von einem fanatischen Priesterthum eingeimpst und ausgenöthigt werden.
Sodann wird noch bemerkt, daß es von dem un« bezweifelt edlen Willen der Regierung nun noch ab* hänge, die grundgesetzlich ausgesprochene Religions- fteiheit durch ausdrückliche Aushebung der noch bestehenden Beschränkungen und durch völlige Gleichstellung derselben mit den bisher allein berechtigten Konfessionen deS Landes inS Lebcu zu rufen.
Bereits sey schon vor vier Wochen eine Petition bei dem Staats - Ministerium deshalb eingereicht worden, worauf bis jetzt eine Entschließung nicht erfolgt wäre.
Zuletzt wird noch erklärt, daß ohne gleichmäßige Verwendung des (gesummten) KirchengutS zur Befriedigung ,des religiösen Bedürfnisses aller gleichbelasteten, folglich auch aller gleichberechtigten Bürger des deutschen Vaterlandes die ausgesprochene ReligionS- freiheit ein leerer Schall und Name bleiben werde. Soll dieser fromme Wunsch in Erfüllung gehen so müßte entweder das gesammte Kirchen- und Pfarrgut für Vermögen des StaatS erklärt, und alle darauf haftende Lasten und Kosten von demselben bestritten werden. Wird man Frankreichs ganz vereinzelt gebliebenes Beispiel nachahmen? das möchte bezweifelt werden. Noch weniger ist daran zu denken , daß andere Konfessionen zum Vortheil der Deutschkatholiken gutwillig zu dieser Verschmelzung deS Kirchenguts und gänzlichen Abhängigkeit von den Staatsregierungen einwilligen werden. Sonach bliebe noch übrig, in den geeigneten Fällen bei den Gerichten auf Theilung des Vermögens im Rechtswege anzu- tragen.
Es hat Sensation erregt, daß Johannes Ronge, den kirchlichen Boden verlassen und den politischen betreten hat, unbeachtet Christus Ausspruch „mein Reich ist nicht von dieser Welt." Es ist zu bedauern daß auf dieser Bahn sein Einfluß auf die deutschkatholische Kirche aufhören muß und durch diesen auf Karakterlosigkeit schließenden Schritt, die Feinde die Verdächtigung der neuen Lehre, sie hege und fördere politische Tentenzen, triumphirend jetzt als gegründet finden werden. Noch mehr ist es zu verwundern, daß er so kurzsichtig ein Eomitö zu dem er sich al« Mitglied wählen ließ, nach Berlin übersiedle» wollte, das aber wie jetzt schon verkündigt ist, nicht dort geduldet werden soll. ES wäre ungerecht diesen isolirten unpolitischen Schritt zum politischen Treiben und Werben, als allgemein gebilligt zu betrachten.
Fr. W. E.
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