96
Bestätigt sich das Gerücht, daß die Magyaren bc- beabsichtigen an unsere National-Versammlung Abgeordnete zu schicken, so würde durch einen Bund mit diesem kernhaften Volk, ein mächtiger Damm gegen den Norden errichtet. Nicht die gleiche Sym- -pathie für den innigen Anschluß an die deutsche Sache hat sich in Hannover kund gegeben. Der Minister Stüve — anscheinlich wie sein Herr Englands Interesse berücksichtigend — hat beiden Kammern offen das Mißfallen über den Fünfziger-Ausschuß und den von den Vertrauensmännern ausgearbeiteten Entwurf der deutschen Reichsverfassung offen erklärt und seine in der übelsten Laune ausgesprochene Aeußerung wurde mit Beifall ausgenommen. Besonders wurde das neue projectirte Zollsystem heftig getadelt. Sehr begreiflich, weil es England nicht gefallen könne. Am Schluffe des Vortrags wurde noch gesagt: „die französische (erste) konstituirende Versammlung verhandelte doch mit dem König, wenn gleich nicht mit der Ehrfurcht, welche die Monarchie
fordern sonnte. Davon ist jetzt nicht die Rede mehr. Jetzt soll die Volkssouverainität Alles sein, Regierung und Stände nichts mehr." Wir loben dieses offene Geständniß. Es ist besser als Heuchelei, nennen cs aber nicht Reaction, weil eine vorhergehende Action nicht statt fand. Fragen wir, was der Erfolg sein wird — Eist Blick auf Wien und Berlin gibt die richtigste Antwort.
Die heimliche Entfernung des Kaisers aus Wien am 17. d. M. kann nicht wohl als ein folgenreiches Ereigniß betrachtet werden. Es ist vielmehr zu hoffen, daß er von Jnnsbruk (in Tyrol), wo er am 19. Abends eintraf, nach der Residenz zurückkehren werde, wenn der anarchische Zustand, der ihm Besorgnisse erregte, aufgehört hat. Dazu ist Hoffnung, weil seine Entferming nicht Erbitterung gegen ihn, sondern das Verlangen, einen gesicherten Rechtszustand wieder herzustellen, sich unter der bemittelten Klasse der Einwohner der Hauptstadt allgemein kund gegeben hat.
Bekanntmachungen.
Da nunmehr unser neuer Landtag eröffnet und durch ihn' Jedermann die vollste Gelegenheit gegeben ist. MUn- sche oder Beschwerden zu betreiben, so hat das unterzeich- ».»te Sicherheits - Comitö beschlossen, seine seitherigen regeln mäßigen Sitzungen in dem Lokale des Schützenhofes bis auf Weiteres einzustellen.
Das Comits bleibt übrigens nach wie vor bestehen, und ist stets bereit, sobald es erforderlich wird, in seine Wirksamkeit für Freiheit, Ordnung und Recht wieder einzutreten. Es werden daher alle diejenigen, welche allenfalls mit demselben zu verhandeln haben sollten, ersucht, sich dieserhalb entweder an den Präsidenten des Comits's Dr. Hergenhahn oder an den Vice - Präsidenten Dr. Leisler sen. zu wenden.
Wiesbaden, den 22. Mai 1848.
Das Sicherheits-Comitö.
Vorräthig in der Frtedrich'schen ^Buchhandlung, Webergaffe in Wiesbaden:
Dorner, D. A I., Ueber Reform der evangelischen Landeskirchen im Zusammenhang mit der Herstellung einer evangelischen Nationalkirche. Preis 36 kr.
Ideen zu einer Volkswehr von einem vormaligen Offizier. „ Preis 6 kr.
Das rothe Büchlein oder der Freischaarenzug nach Luzern im März und April 1845 und die grausameBehandlung der wehrlosen Flüchtlinge und Gefangenen. Preis 36 kr.
Der Untergang des Sonderbundes und die Austreibung der Jesuiten durch die siegreiche eidgenössische Armee. Nach den bewährtesten Quellen bearbeitet vom V erfa ss er des „rothen Büchleins." Preis st. 1. 12 kr. Taschenliederbuch für die deutschen Wehrmänner Preis 12 kr.
Nachruf an Louis Philipp. Preis 9 kr. Glaubensfreiheit. Ein Wort zum Frieden Deutschlands an alle Konfessionen. Von Al. Schöpper.
Preis 9 kr.
Maß-, Gewichts und Münz-Einheit. Polit.
Flugschrift von Dr. Mayr. Preis 24 kr.
Militärische Stärke und Schwäche von Frankreich. Von H. I. Pairhons, französ. General. Frei in's Deutsche übertragen von F. v. Kausler, Obrist. Preis st. 1. 12 kr.
Verlag der Friedrich'schen Buchhandlung in Wiesbaden. — L. Friedrich, verantwortl. Redacteur. Druck der 8. Ender r'schen Buchdruckern zu Wiesbaden.
