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und politischen Perorationen sich der öffentlichen Auf­merksamkeit aufzudringen bestrebt gewesen ist. Wenn aber auch unsere Deputirten schon am L Mai in Frankfurt eintreffen können, so wird doch die Eröff­nung der Nationalversammlung vor Mitte jenes Mo­nats nicht wohl füglich statt haben können — falls nicht eine kleine Minderheit tumultuarisch zusammen treten und versuchen sollte, einer überwiegenden Mehr­heit daS Gesetz zu dictiren. — Wir wünschen also, so sehr wir auch den Verzug bedauern, uns schon ge­dulden zu müssen, bis die preußischen und östreichischen Deputirten eingetroffen seyn werden.—In Frankreich

hat ein großes, echt französisches Berbrüderungssest stattgefunden, aber der Riß, der durch das französische Volk geht, ist durch dasselbe doch nur Einen Augen­blick lang verdeckt worden. — Schon heute stehen sich die Partheien wieder schroff einander gegenüber. Aber bald wird auch dort die Nationalversammlung zu- sammentrctcn und ein Schritt zur Lösung der dämo­nisch verschlungenen Geschicke gethan seyn. In Eng­land dauern die Chartisten - Bewegungen fort; vor der Hand noch ohne Gewaltthätigkeiten; aber auch dort drängen und treiben die Dinge zu einem An- kömmniß, das nicht ausbleiben kann.

Bekanntmachungen.

Oeffentliche Bekanntmachungen.

I.

Die Nassauischen Truppen sind mit dem im Großher- zogthum Baden zusammengezogenen siebenten deutschen Armeecorps vereinigt worden. Sie sind dazu bestimmt, das Deutsche Vaterlaud gegen Einfälle bewaffneter Zu­züge aus Frankreich und der Schweiz zu sichern und den Bürgerkrieg, der den Fremden unsere Gränzen preisgeben würde, in seinem Keime zu ersticken.

Das zweite Regiment nebst Artillerie liegt gegenwärtig in Mannheim; die zweite leichte Compagnie des ersten Bataillons ist im Bahnhof zu Heidelberg geblieben. — Nach den heute eingetrossenen Berichten ist sowohl für die Einguartirung als die Verpflegung der Truppen auf das Beste gesorgt, und der Gesundheitszustand gut.

Das erste Regimeut ist heute von Wiesbaden auf der Eisenbahn nach Heidelberg befördert worden.

Zur Beruhigung der Familien der ausgerückten Mann­schaft wird die Regierung stets sowohl über den Stand der Truppen, als über deren Gesundheitszustand und die sie berührenden Ereignisse genaue Berichte veröffentlichen.

Wir warnen, unverbürgten Gerüchten Glauben zu schenken.

Wiesbaden, den 24. April 1848.

Herzoglich Nassauisches Staats - Ministerium. Hergenhahn.

II.

Die 5 Compagnien des 1. Bataillons vom 1. Regi­ment sind am 23., Nachmittags 12 1/2 Uhr, in Mann­

heim eingerückt. Das erste Bataillou des 2. Regiments ist darauf Nachmittags 2 1/2 Uhr nach Offenburg ab- marschirt. — Eine weitere Compagnie des 2. Regiments ist demselben nach Heidelberg gefolgt. Die Mannschaft des 1. Regiments, sowie die des 2. ist in den verschiede­nen Kasernen zu Mannheim einquartirt; die Artillerie liegt im dortigen Schloß. Das Gerücht, als frateruisirten die Soldaten des 2. Regiments mit dortigen Unruhestif­tern, und hätten die ganze Nacht hindurch mit ihnen gezecht entbehrt allen Grundes. Sämmtliche Mannschaft verläßt nach Zapfenstreich die Kasernen nicht mehr. Ein Sol­dat, Unkelbach von der 8. Compagnie, stieß aufrühreri­sches Geschrei aus; seine eigenen Cameraden verlangten, daß er aus ihren Reihen entfernt werde, weil er gezeigt habe, daß ihm der Eid, welchen er zur Aufrechthaltung der Verfassung geleistet und die Ehre des Regiments nicht mehr heilig sei. Er ist unter Escorte an das hie­sige General -Commando abgeliefert worden.

So eben (Nachmittags 4 Uhr) läuft noch die Nach­richt ein, daß das 1. Bataillon des zweiten Regiments die Freischaaren, welche Freiburg und die Höhen um die Stadt besetzt hatten, verjagt oder entwaffnet haben. Un­sere Truppen haben dem Feinde zwei Kanonen abgenom­men und den alten Ruf der Nassauer auf das Beste be­währt. Die Einzelheiten des Gefechts siud noch nicht bekannt, von unsern Truppen sollen jedoch nur wenige leicht verwundet sein.

Wiesbaden, den 25. April 1848.

Herzoglich Nassauisches Staats - Ministerium. Hergenhahn.

Verlag der Friedrich'schen Buchhandlung in Wiesbaden. — L. Friedrich, verantwort!. Redacteur. Druck der E. Ender s'schm Buchdruckerei zu Wiesbaden.