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enthält in dieser Bedeutung eine Unwahrheit. Reaction gegen einen jetzt theilweis bessern und künftig noch besser zu hoffenden Zustand ist ebenfalls gegen den klaren Sinn der Erklärung. Also sagt der Ausdruck nichls. Er widerspricht ohne durch Gründe zu widerlegen. Die von Einigen in der Versammlung gebrauchten verletzenden Ausdrücke können dieser nicht zum Vorwurf gereichen.
Achten wir die Meinung von jedem Bürger, und widerlegen sie, uns mitgetheilt, wenn wir andern Sinnes sind, nicht mit Fäusten, sondern mit Gründen.
Anders gestaltet sich aber die Sache, wenn die Wenigen, welche eine radikale Umwälzung wünschen, diese laut predigen und Anhänger in Stadt und Land werben. Dieß ist nicht freie Meinungsäußerung, sondern der Anfang einer That, welche einen Schritt weiter schreitend, nichts anders als eine Aufforderung zum Aufruhr erscheint. Wie alsdann zu verfahren ist, kann an der zu Karlsruhe am 7. d. M. auf Befehl der Volkskammer vollzogenen Verhaftung von Fickler ersehen werden.
Wer irgend noch den geringsten Zweifel an der Aufrichtigkeit der gegebenen Zusagen begt, der beherzige die Proclamation des Herzogs an die Nassauer vom 9. d. M., welche wir nicht mittheilen, weil sie zur Kenntniß aller Bürger kommen und die Unzufrieden beschämen wird. Fr. W. E.
Ein Mann ein Mann, ein Wort ein Wort.
Die einzelnen Ereignisse in den fetzigen Tagen folgen so rasch auf einander, und sie sind so bedeutungsvoll, daß man nicht weiß, welches man zunächst näher ins Auge fassen soll. Diese Ereignisse, zum Theil folgerecht eines das andere ergänzend , erweiternd, vorragend, zum Theil als strenge Gegensätze austauchend, sind ein Ergebniß der aufgeregten Anspannung des Geistes, so daß man Personen in dieser Anspannung nach sich straks entgegenstehenden Ertremen greifen sieht, und sie ihre eigene Jnconse- quenz zum Theil nicht einsehen. So wie bei großen Natureigniffen, z. B. bei Ueberfluthungen, Alles übereinander geworfen wird, und nur bei zurückkehren
der Rühe sich die Schichten ablagern, die uns scharf abgegrenzt ihren Charakter, ihre Bestandtheile zeigen, so überrumpelt sich gleichsam für den Augenblick noch das Gute und Nichtgute, und cs mag noch eine zeitlang dauern, bis das Beste wahr erkannt werden kann.
Die großen, für das Herzogthum Nassau so wichtigen März-Tage sind vorüber. Was'sie uns gebracht, steht in großartigem Umrisse vor unserer Seele, zum Theil scharf ausgeprägt, zum Theil wie ein cometartiger Dunst, aus dem sich ein Körper zu bilden scheint. Hoffnungen, Wünsche, Forderungen, Aengstlichkeiten und Furcht, Besorgnisse und Ahnungen durchkreuzen sich in unsern Gemüthern, und jeder um das Wohl des Vaterlandes aufrichtig besorgte Rechtschaffene meint die Sehnen feiner Kraft doppelt anspannen zu müssen, um sein Scherflein, doppelt so groß als in Tagen gewöhnlicher Ruhe, zum allgemeinen Besten beizutragen.
Die Geschichte der letzten Tage, von Anfangs März bis jetzt liegt bunt durcheinander, und ich will es nicht versuchen, solche als ein zusammenhängendes Ganze hier vorzuführen. Nur auf eine Thatsache, mir wichtig genug scheinend darauf zurückzukommen, will ich aufmerksam machen.
Ein Mann ein Mann, ein Wort ein Wort! Dieses alte deutsche Sprüchwort zeugt von deutscher Ehrlichkeit und Treue: es sagt, daß der Deutsche auch Verbindlichkeiten ohne schriftliche Do- cumente anerkennt und ehrt. Wer ein gegebenes Wort nicht hält, obgleich er cs halten kann, den hat noch immer die Verachtung der Welt getroffen; denn Versprechen macht Halten.
Als durch fremde Ereignisse aufgemuntert, die Wünsche des Nassauischen Volkes eine klare, bestimmte Forderung wurde, wußte man, der Erfüllung dieser Forderung auf eine oder andere Weise gewiß, diesen einzelnen Wünschen keinen mehr beizufügen. Man stellte sie als ein Ganzes, gleichsam als ein Ultimatum zusammen, und cs ist bekannt, daß selbst die Bemühungen der ruhigeren Charaktere kaum die Ungeduld der unruhigeren beschwichtigen konnte.
Wie, wenn ein fürchterliches Ungewitter den Tag in eine durch Blitze erleuchtete Nacht ummantelt,
