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genüberstehe: daß der Besitzende das Beste­hende liebe. — Die plötzlich eingetretenen Ver­änderungen haben uns alle aus dem langen und langweiligen Schlummer geweckt. Wir befinden uns in dem aufgeregten Zustand, in dem man sich nach einer langen Nacht durch das Wehen frischer Mor­genluft versetzt sieht. Viele fühlen sich durch die Veränderung selbst schon befriedigt, aber alle Beson­nenen, Ueberlegenden werden doch zugeven: daß, nach vollendeter Umgestaltung der Verhältnisse, auch wieder Ruhe eintreten, den neu erworbenen Zustän­den Dauer und Festigkeit gegeben werden müsse. — Einst auf diesen Punkt an gelangt, wird man aber nicht die Ansichten, Meinungen, Wünsche der Gelehr­ten sondern — die wirklichen thatsächlichen, aus eigenen Erlebnissen hervorgegangenen Erfahrun­gen ganz zuverlässiger, seit langer Zeit von allen Nachbarn als wahrhaft anerkannten Männer zu ver­nehmen wünschen, welche mit der Lage und den Be­dürfnissen der Gewerbs- und Landleute durch vieljäh­rige Geschäftsverbindungen ganz vertraut sind. Von solchen Männern kann man lwren, wo es bisher ge­fehlt habe und wie in Zukunft zu chelfen sei und solche Männer findet man gerade unter den wohl­habenden Bürgern und Bauern, die es sich um den Erwerb und die Erhaltung ihres Eigenthums haben sauer werden lassen und dasselbe ungeschmälert auf ihre Nachkommen zu übertragen wünschen. — Man schließe den Geistreichen und Willenskräftigen nicht darum von der Wahl aus, weil er arm ist, aber man schließe auch den rechtschaffenen, wohlgesinnten, ver­ständigen Gewerbsmann und Bauern *) nicht darum aus, weil er reich ist, aber vielleicht etwas weniger laut oder weniger schön zu sprechen versteht. — Man lasse sich nicht durch wohlwollende Gedanken verlei­ten, sondern folge lieber den Erfahrungen der Nach­barn und lasse, wie in Baden, alle Staatsbür­ger ihre Wahlmänner aus den ihnen wohl­bekannten Familien mäßig besteuerter Bau­ern und Gewerbsleute, diese aber die Lan­de sdeputirten wieder, ohne Rücksicht auf Stand oder Vermögen, unter den Gebil­detsten, Verständigsten, Rechtschaffensten aller Staatsbürger auswählen! — Ge­schieht dieses, dann werden wir auch in dieser Be­ziehung die Sorgen beschwichtigen, der Hoffnung uns hingeben dürfen.

9) Volle Religionsfreiheit ist ein nur das tiefste, heilige Innere eines jeden Einzelnen berüh­render Gedanke und liegt außer dem Kreis der Be­trachtungen, welcheri diese Blätter gewidmet .sind.

Uebereinstimmende und abweichende Ansichten der Landleute über die einzelnen hier besprochenen Punkte

*) Anmerk. Bon den 100,000 Familien, die Nassau be­wohnen, beschäftigen sich 65,000 mit Landbau, 28,000 mit Gewerben und nur 4,300 werden als Arme unterstützt und 2,700 als Beamte und Lehrer besoldet.

werden gerne ausgenommen und eben jetzt auch gerne gelesen werden.

Den 6. März 1848. W. A.

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Politische Wochenschau.

Die deutsche Reform ist auf ihrem Siegeszuge von Westen nach Osten nun an den äußersten Grenzen Deutschlands angelangt und hat fast unglaublich zu sagen Wien unv Berlin erobert! — Der Mann „der seit 50 Jahren die Geschicke des Kaiserhauses leitete" Oesterreichs böser Genius, der geschworne Feind der Freiheit — ist von der Seite seines Herrn auö der alten Kaiserburg durch den zornigen Ruf eines sonst so gutmüthigen ruhigen Volkes gescheucht und land« flüchtig geworden, und ganz Oesterreich, das wie ein augehalftertes stummes Thier seither in dem Rade des Despotismus keuchte, hat die Fesseln weit von sich weggeschlcudert und jauchzt und jubelt nun in der frischen stärkenden Luft der Freiheit dem neuen Morgen entgegen! DaS ist ein Leben und Drängen jetzt in der schönen Kaiserstadl am Donaustrande! Die durch das höllische System der Entzweiung seit­her auseinander gehaltenen Nationen, die dem Zepter Oesterreichs gehorchten, fallen sich jetzt brüderlich einander in die Arme, glauben an eine große Zu­kunft und werden sie erringen und sichern.—So war also auch hier im Stillen von den Argusaugen des höllischen Dämons unentdeckt unter dem Drucke der ungünstigsten Verhältnisse die Frucht der Freiheit ge­reift und der erste Ruck eines sich wie im Schlafe nur einmal bewegenden Volkes hat sie vom Baume ihm in den SchooS geschüttelt! Glückliches Oester­reich und glückliches Deutschland, daS seine österrei­chischen Brüder mit aller Fülle und Wärme deutscher Gemüthlichkeit sich wieder erobert hat! Der morali­sche Aufschwung des Bürgerthums, des intelligenten Volksiheils, der hier Berlin beschämt und plötzlich überholt hat, ist für uns von der allerfreudigsten Ueberraschunz gewesen. — WaS unsern süddeutschen Bewegungen den friedlichen Verlauf, den anständigen Charakter gesichert hat, ist die conftitutionelle Schule der Bürgerschaft; was ihr Mangel bedeute, ist Berlin jetzt eben zu seinem Schaden innè geworden.— Oester­reich hat in seiner Geschichte keine größere Tage auf­zuweisen, als die Tage des 13. 14. u. 15. März und die Ehre des Freiheitssiegcs gebührt vorzugs­weise den Studenten.

In Berlin, das sich so gern die Metropole der Intelligenz, d. h. wo man den Verstand mit Löffeln gegessen habe, nennen hört, haben die Geburtswehen der Freiheit doppelt so lange gedauert, als in Wien, nämlich statt der welthistorischen drei Tage, sechs, und sie sind mit einem der gräßlichsten und blutigsten Acte, mit einem zwölsstündigen Straßenkampfe zwischen dem Volk und Militär beschlossen worden. Ein so furchtbarer Wechsel der Empfindungen, wie am 18.