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das Reich möglichst zu erleichtern. Es hat sich daher nicht überall auf den mechanischen Weg der Matrikularumlagen beschränkt, sondern Verhandlungen zu dem Zweck cingeleitet, die preußische Regierung zu bestimmen, daß sie außer ihrer eigenen Quote zu den 3 Millionen vorschußweise auch die­jenigen sämmtlicher Zollvereinsstaaten zahle, nm sich dafür aus den bei spätern Zollberechnungen sich ergebenden Ueberschüssen wieder zu decken. Nach einer vom Finanzminister bei Vor­lage des Budget gemachten Andeutung ist die preußische Re­gierung mit anerkennungswerther Bereitwilligkeit auf diese Vorschläge eingegangen, und somit wäre der größere Theil jener Summe (beinahe 2 Mill. Thlr.) in einer dem Zweck entsprechenden und die einzelnen Staaten nicht drückenden Weise beschafft.

Die Liquidation der von den einzelnen Staaten aufgewen­deten Kosten zur Verpflegung und zum Transport von Reichs, truppen bildet einen weiteren Gegenstand der Thätigkeit des Finanzministeriums, welches auch bei den nunmehr zu treffen­den Vorbereitungen zur Aufstellung eines gemeinsamen Zoll­tarifs mitzuwirken haben wird.

Das Justizministerium, dem Manche anfänglich gar keine Thätigkeit vorbehalten glaubten, hat deren reichlich ge­funden. Die vier Nummern des Reichsgesetzblattes geben davon Zeugniß. Von ihm geschahen die Vorlagen an die National­versammlung wegen Verkündung und Rcchtsgültigkcit der Reichsgesetze und wegen des Schutzes der Nationalversamm­lung. Dieses Letztere wird die Vertreter des deutschen Volkes vor der Wiederkehr verbrecherischer Angriffe schützen, und ihnen somit möglich machen, die Berathung der deutschen Verfassung zu vollenden. Eine allgemeine Handelsgesetzgebung ist vorbereitet so wie ein Gesetzentwurf, bezweckend kte prak­tische Durchführung des bei der ersten Berathung der Grund­rechte angenommenen Grundsatzes, daß alle von deutschen Gerichten erlassenen Urtheile in allen Einzelstaaten vollstreck­bar sein sollen. Auch die endliche Einführung der schon längst in Leipzig berathenen Wechselordnung würde, ohne den Widerspruch des Ausschusses für Gesetzgebung, den die 31a« tionalversammlung niedergesetzt, gefördert worden sein. Un­erwähnt wollen wir endlich nicht lassen, daß der Bundestag am 29. Juni eine Anzahl Beschwerden von Privaten hinter­ließ, welche vom Justizministerium allmählig erledigt worden.

Die schwierigsten Aufgaben lagen indessen dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten vor. Die Ver­tretung Deutschlands nach Außen war bisher nur mittelbar, hauptsächlich durch preußische und österreichische Diplomatie ge­schehen. Deutschland als solches hatte nirgends in Europa einen Gesandten. Im Frühling dieses Jahres geschah es zum ersten Mal, daß der Bundestag von der ihm durch die Bundes­akte eingeräumten Bcfugtiiß Gebrauch machte und Hrn. Banks nach Loudon sandte. Hier war also eine bisher nirgends gekannte neue, eine provisorische Gewalt in den völkerrechtlichen Verkehr cmznführcn. Dieß ist geschehen, lind die deutschen Gesandten sind in London, Paris, Brüssel, Haag, Kopenhagen, Stockholm, Bern, Turin empfangen, die entsprechenden Vertreter dieser Länder dagegen in Frankfurt beglaubigt. Die noch aus­stehenden Missionen sind vorbereitet; zunächst werden Gesandte nach Nordamerika und Konstantinopel abgeben, sowie ein Generalkonsul in die Donaufürstcnthümcr. Unter den Män­nern der alten Diplomatie finden sich der politischen Richtung wegen, welche sie zu vertreten hatten, nicht sehr viele, deren Dienste der neuen Zeit frommen können, und doch kommt nir­gend mehr als in diesem Geschäftszweige trotz allem, was man

dagegen sagen mag, so vieles auf Kenntniß der Personen und der allerwärts geltenden Formen an, die ein einzelner Staat für sich weder verletzen darf noch ändern kann. Abgesehen also auch davon, daß das Ministerium des Auswärtigen ein diplomatisches Personal von dem Bundestag nicht überkam, war hier auch in jeder anbern Beziehung Alles neu zu schaffen. Grade aber wegen dieser Neuheit glaubt sonderbarer Weise die öffentliche Kritik um so schärfer sein zu können. Aber schon jetzt hat sich die Meinung über den Werth des Waffenstillstandes von Malmoe wesentlich berichtigt. Hat doch seiner Zeit der Führer der äußersten Linken in der National­versammlung auf der Rednerbühne selbst erklärt, er könnte den Waffenstillstand vielleicht gutheißen, wenn nur Preußen ihn nicht abgeschlossen! lind hat doch der Schleswiger, Herr Franke, der erst kürzlich sein Vaterland bereist, vor einigen Tagen in der Nationalversammlung öffentlich bestätigt, daß neun Zehntheile der Bevölkerung von Schleswig-Holstein, wo­rauf ja allein alles ankommt, mit den Bestimmungen des Waffenstillstandes vollkommen zufrieden seien! Die Bemühungen des Ministeriums, für die Ausführung dieses Waffenstillstandes Modifikationen eintreten zu lassen, waren bis jetzt von Erfolg begleitet, und zu den Friedensunterhandlungen sind die Ein­leitungen getroffen. Nicht minder als die schleswig-holsteinische hat die limburger Angelegenheit und die italienische Verwick- lung die Thätigkeit dcS Ministeriums in Anspruch genommen, und diese letztere Frage wird nicht entschieden werden ohne Mitwirkung der deutschen Centralgewalt, sobald überhaupt außer den kriegführenden Mächten noch andere Großstaaten Antheil daran nehmen. Eben so wenig aber sind die Verhand­lungen mit der Schweiz jetzt schon zu beurtheilen. Wer dieß dennoch thut, gleicht dem Urthcilslosen, welcher gewohnt ist, demjenigen Recht zu geben, der gerade im Augenblicke das letzte Wort gehabt. Vielleicht wird sich in dieser Angelegenheit die neue Diplomatie dadurch von der alten unterscheiden, daß sie, statt länger zu reden, handelt.

Das Kriegsministerium war bisher nicht minder be­schäftigt. Hatte es auch in seiner Anordnung für den be­kannten 6. August dem Schwünge der Einheitsidee, da wo cs eine Form galt, etwas zu viel vertraut, so haben doch die Handlungen der Einzelstaaten seine Thätigkeit auf das kräf­tigste unterstützt. In Schleswig, in Frankfurt am 18. Sept., an der Schweizer Gränze und nunmehr in den ausgestellten fünf Lagern fanden sich die verschiedensten Truppen mit einer Raschheit ein, die vor Errichtung einer Eentralleitung undenk­bar war. Im Auslande hat diese Kampfesbereitzchaft ein heilsames Erstaunen hervorgebracht, im Jnlande aber hat bie Verträglichkeit und die wetteifernde Tapferkeit der verschiedenen Truppen in den Kämpfen gegen die Aufrührer am Oberrhem wie in Frankfurt die Ueberzeugung verschafft, daß trotz der verschiedenen Farben die deutsche Armee jetzt schon eine ein­heitliche ist und an Tapferkeit keiner nachsteht. Die von der Nationalversammlung beschlossene Erhöhung der deutschen Heereskraft auf zwei Prozente der Bevölkerung ist auf An­ordnung des Reichokriegsnnnisteriums in den Einzelstaaten in Ausführung begriffen; das Ministerium hat Sorge getragen, daß dieß auf die für Menschen- wie für Geldkräfte möglichst schonende Weise geschehe. Mit einem Heer von 900,000 Mann ist Deutschland im Stande, jedem Feinde die Spitze zu bieten.

Dem Kriegsminister aber im Verein mit dem Re i ch s - minister des Innern gebührt vor Allem das Verdienst der Rettung der Vertreter Deutschlands vor dem frevelhaften An-