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Zustände festhalten wollen. Es tvfa aber auf die Dauer nichts helfen und sie thun wohl daran, sich nach neuen Erwerbs« zweigen umznsehen; denn die Zeit der Hofhaltungen und der Aufhäufung der Behörden ist vorüber. Glücklich die Stadt, welche günstig für den Verkehr liegt oder sonst von der Natur begünstigt ist. Wiesbaden kann der Zukunft ruhiger entgegen- sehen als Darmstadt oder Karlsruhe. Viele wollen, daß der Reichstag diese neue Eintheilung Deutschlands in die Hand nehmen soll; ich bin aber der Ansicht, daß freiwillige Ueber» einkunft, wie man sie in Thüringen beabsichtigt, daß die Macht der natürlichen Verbältnisse, daß der gesunde Sinn des Volkes das Richtige anbahnt, und daß dieses vom Reichstag zum Gesetz erhoben wird. Eine bessere Organisation des deutschen Heerwesens drängt allerdings am Meisten. Die Neugestaltung Deutschlands wird manches behagliche Gefühl, manchen theuren Zustand, manches Sonderinteresse verletzen; aber dem Strome der Zeit ist nicht Einhalt zu thun. Die Auflösung aller will­kürlich gemachten Verhältnisse, welche nicht auf gefüllter Grundlage beruhen, geht zum Erschrecken rasch voran, ich sage zum Erschrecken, denn der Wohlfahrt des Ganzen werden viele Familien und viele Städte zum Opfer fallen, da der Proceß über Erwarten schnell vor sich geht. Werden wir auch in Zukunft weniger Haupt- und Residenzstädte haben, so werden wir desto mehr Kreisregierungen bekommen, welche Leben in alle Theile des Landes bringen. Wenn wir auch heute noch nicht nöthig haben, über die künftige Hauptstadt des vereinigten Kattenlairdcs zu berathschlagen, so dürfen wir die unausbleibliche Bildung größerer Staaten doch einstweilen mit den Gefühlen unseres Herzens zu vermittel«« suchen.

Vom Fuße -eS Wester Waldes, 1. Juli. Nachdem sich unsre Presse der Zehntfrage bemächtigt hat, ist es wohl einem jeden wohldenkenden Nassauer, der Augen hat z«l sehen und Ohren zu hören, klar und deutlich geworden, daß die heil­losen Sturmpetitionen für unentgeltliche Aufhebung der Zehnten von hinterlistigen Machinationen ausgehen, durch welche eine gewisse Partei die zahlreiche Clasiè der Gutsbesitzer ihren wühleri­schen Bestrebungen zugänglich zu machen hofft. Wir wissen, daß damit dem Reichen viel, dem Mittelmann wenig, dem Armen, der keine Aecker besitzt, gar nichts geschenkt wird. Wir wissen, daß der nassauische Staat, um den dadurch bewirkten Ausfall a« Einkünften zu decken, zwei Simpel Steuern mehr erhebe«« müsse, daß also dann zu Gunsten der reichen Zehnt- pflichtigen die ohnedieß schon gedrückten Gewerbetreibenden und Besitzlose«« noch mehr gedrückt werden sollen; wir wissen endlich, daß damit das Heiligthum des Eigenthums angetastet, die Grund­lagen aller gesellschaftlichen Ordnung zerstört, der Communis- mus, d. h. allgemeines Rauben und Plündern eingeführt werden würde. Wohl aber muß gegen eine billige Entschädigung der Zehnten im Interesse der Landwirthschaft aufgehoben werden.

Damit aber diese Billigkeit vorzugsweise denjenigen zu Gute komme, die auf die Wohlthat einer billigen Ablösung Anspruch erheben können, d. h. damit dabei die Aermeren mehr bedacht werden, als die Reichen, so fragt es sich, ob nicht die Ab­lösung mit progressiver Scala etwa voin 7 fachen bis zum 25fachen Betrag das gerechteste AuskuuftSmittel wäre?

Im Namen der Redaction: Krebs.

Die Mondsucht unheilbar.

In Nro. 15 bringt uns der Lahnbote vom Rhein ein Recept gegen die Wassersucht, das aber jeder Vernünftige sogleich für ein Hirn- gespinnst erklären rairb. Welche Charlakanerie, wenn ein Salbader, der weder zum geistlichen noch politischen Redner geboren ist und keinem daS Wasser reicht,sich erdreistet, ein Recept gegen die Wassersucht langer Predigten zu schreiben! Eine solche Marktschreierei läßt sich nur von einem Mondsüchtigen erwarten. Wer ein ordentliches Recept schreiben will, darf kein Wasser im Hirn haben. Sonst b«£t eS: Arzt, bös dir selbst! Auch ist das Wasser im Kopfe noch viel gefährlicher, als ini Magen. Dieser kann es doch auSspeien, zu jenem aber führt kein Ab- zuaskanal. Da hilft weder Vomitis, noch Elirir, noch Maulaussperren. Wenn indessen auch der Mondwechsel einen zu starken Einfluß auf den Mondsüchtigen hat, als daß die Mondsucht gründlich geheilt werden konnte, Präservativ - Mittet gibt eS doch immer. So ist es ja eine bekannte Sache, daß Nachtwandler, wenn sie auf ein mit Wasser benetz- teS Tuch, welches man ihnen vor daS Bett gelegt hat, treten, wieder in's Bett zurück kriechen, sobald sie an den Füßen die Kälte spüren. Gegen den Schwindel und daS Fabeln ist vor Allem Ruhe zu empfehlen. Bei ruhigem und besonnenem Nachdenken wird man eS, eine so seltene Gabe auch ein vorzügliches Retnertalent immerhin fein mag, zugeben müssen, daß es in jedem Falle unter Geistlichen mehr zu finden ist, als bei irgend einem Ankern. Es gibt freilich gewisse Leute, die friich genug, eigentlich frech, austreten, das Maul weit genug aufteißen. auch bald wieder verstummen, ja, die Regel LutberS buchstäblich befolgen; aber doch nichts weniger sind, als gute Redner. Oder kennen sie etwa mit den paar- Brocken Latein, welche sie dem Beassfeak abgesäbelt haben tinö Jedem verwerfen, womit sie aber noch nicht einmal einen Hund aus dem Ofen locken können, ihre Reden schmücken und würzen?! ®er sich außer einem Theologen über die Tüchtigkeit eines Canzel- -.rebiieré ein kompetentes Urtheil anmaßt, ist ein Quacksalber, wozu er stch nur im Zustande des Hellsehens oder der Verrücktheit hergeben kann. So unheilbar übrigens die Mondsucht an sich ist, folgendes Re­cept möchte doch dem Receptschreiker nichts schaden, ibn wenigstens warnen, seine Recepte zu veröffentlichen: Rec. Hbr. 4 Nieswurz und Tracii ni. 3 si tacuisses, jdtHosopUus mansissee. Alles durch einander

gekocht und tüchtig umgerührt, alle 1'/- Stunden einen starken Eßlöffel zu nehmen, und Morgens nüchtern 30 Stück PiUen.iii wilden Kastanie» zu verschlucken.

Einladung.

_ Nachdem der RegierungSenlwurf über die Ablösung der Zehnten veröffentlicht worden ist, so halten wir eS im jnterene cer Sache für angemessen, daß eine Verständigung über die zu ergreifenden Maaß» regeln unter deujenigen Grundbesitzern zu Stande kömmt, welche Ab» fchaffung aller auf dem Grund und Boden ruhenden Lasten von der Nassauischen Volkskammer verlangt Haven. Wir machen daher an alle Gemeinden, welche mit uns Abschaffung dieser Lasten verlangen, die Einladung, mindestens einen Abgeordneten zu der von uns auf Mon­tag, den 10 juli, MorgeiiS 10 Ubr zu Lindenbolzvauien beiLimburg beabsichtigten Versammlung zu schicken, welcher Abgeordnete zugleich Vollmacht von den Wablmänneru einer jeden Gemeinve besitzt, Kraft welcher er Anträge und Protestationen jeder Art an die Volkskammer zu stellen, ober daS Mandat der von ihnen gewählten Volksvertreter zurück zu ziehen, ermächtigt ist.

Limburg, den 28. Juni 1848.

gez.

Schmitt, Schultheiß von El'chbofen,

Egen elf,

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Heringen,

Staat,

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Kirberg,

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Bretz,

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Linker,

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Christmann,

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Mensfelden,

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Hofmann,

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Nauheim.

Druck und Verlag von L. T. Lanz.