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sich über ganz Deutschland erstreckt; sie reden mit der Würde, welche eine Selbstständigkeit bezeichnet, die nicht seit heute oder gestern ihr Eigenthum geworden, sondern welche sie längst in sich trugen, und die sie vor dem Uebermuthe bewahrt eine unverhofft erhaltene Macht zu mißbrauchen. Und wie inhaltschwer ist ihre Rede! Wohl haben die einzelnen Staaten des einigen großen Deutschlands das Recht und wegen der dringenden Zeitumstände setzt auch die Pflicht an der Gestaltung Ler neuen Ordnung in ihrem Inneren zu arbeiten. Manche werden kaum umhin können, selbst solche Einrichtungen zu treffen, die nachher auch in das große Ganze eingreifen sollen und muffen. Das mag wohl vorläufig geschehen und auch vorläufig Kraft haben, aber nur so lange, bis die das Ganze ordnende Versammlung zu Frankfurt über diese Dinge ftlbst die allgemein gültigen Verfügungen getroffen hat; dann muß sich alles Einzelne dem allgemein angeordneten unterordnen und sich nach ihm, wo es nöthig ist, verändern. Der Satz ist gewiß wahr und nothwendig, wenn es ein großes einiges Deutschland werden, sein und bleiben soll. Darum, ihr einzelnen Staaten, vorgesehen, daß es nachher nichts Wesentliches zu ändern gibt! Aber auch ein Beispiel genommen, wie man mit der Würde der besonnenen Kraft zu handeln und zu reden hat!
Als die große Bewegung Deutschland durch- schütterte, da wünschten wir, die wallonischen, flämischen, friesischen, skandinavischen, flavischen, helvetischen und longobardischen Stämme möchten die Gelegenheit ergreifen, dem germanischen Bruderoder besser SSaterffamm die Hand zu bieten; aber leider war die Hingebung an die naturgemäße Bewegung in Deutschland selbst nicht ohne unvernünftigen Widerstand, und langgenährtes Sonder- iMereffe zog nicht nur bei den andersredenden Stammesgenossen die Hand zurück, sondern es suchte selbst Theile des bisherigen Ganzen loszu- reißen. So muß denn der Deutsche, der es so wenig zugeben wird, daß sich ein Stück von seiner Union trenne, als die nordamerikanische Union je das eigenmächtige Ausscheiden eines ihrer Staaten duldet, Versicherungen geben, daß er es mit der Freiheit innerhalb des Staatensystems von Deutschland ernstlich und wahr meint. Sprache und votksthümliche Entwickelung sollen überall ungehindert sein, sie sollen es auch, wo man deutsch redet. Es wäre Unsinn in jeder Beziehung, wollte mau bem Westerwälder befehlen: rede künftig hochdeutsch. Der Westerwälder redet seine Sprachform und soll sie
reden, so lange man deutsch redet, damit die lebendige Sprache, die das Bild des Innern ist, nicht aussterbe und der inwendige Mensch nicht ver- trockene durch äußerlichen Kram. Das innerste Gefühl des Menschen ist verwachsen mit der Muttersprache wie mit der Religion. Ein gewaltsamer Wechsel oder auch nur ein Zwang in diesen Dingen ist für einen wahren Menschen unerträglich und muß ihn zum heftigsten Widerstand reizen, wie denn auch die Geschichte der Revolutionen nicht arm ist an solcherlei Ursachen.
Die Achtung vor menschlicher Berechtigung, die wir an unserem Reichstage anerkennen müssen, hat ihn darum keinen Augenblick zaudern lassen, wie er sich aussprechen solle und die 2. Erklärung ist ohne alle Debatte angenommen worden. — So können wir mit Zuversicht den weiteren Beschlüssen dieser Versammlung entgegensehen, die auch dadurch wieder ihren tüchtigen Geist bekundet, daß sie zum Lenker ihrer großartigen Thätigkeit einen H. Gagern erwählt hat. —
Betrachtungen über Eisenindustrie, worin die Aeußerungen der Johann Wilhelm Buderus Söhne, welche sie in dem Inserate in Nr. 6 deâ Lahnbote» aussprachen, auch ihre Begründung finden werden.
(Fortsetzung)
Dem überwältigenden Eindrücke der erstaun- licherr politischen Ereignisse möge es in Rechnung gebracht werden, wenn wir, bevor wir uns der Eisenindustrie Nassau's zuwendeu, noch einen Blick auf deutsche Industrie im Allgemeinen werfen und damit ihrem Märtyrer, dem unvergeßlichen Friedrich List, in Anwendung seiner Lehren auf unsre jetzigen Verhältnisse eine kleine Spende des Dankes darbringen.
Wie die Erfahrung die beste Lehrmeisterin der einzelnen Menschen ist, so sehen wir sie auch ganze Völker, oft nach der Irrfahrt von Jahrhunderten, dem Hafen der Selbsterkenntniß und des Heiles zuführen.
Deutschland hat in einer langen, harten Schule endlich begriffen, daß nur dann der Wohlstand der Nationen mit ihrer Intelligenz, Moralität und Thätigkeit in gleichem Verhältnisse stehen kann, wenn diese Güter durch bürgerliche Freiheit, öffentliche Institutionen und Gesetze, äußere Politik, so wie nationale Einheit und Macht gehalten werden und sich entfalten können.
