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(U Vom Westerwald, 18. April. — Für künftige Fälle mögen die Männer des Fortschritts sich Folgendes merken: Während sie schöne, große Ver'ammlungen halten, und sich über das Wohl des Vaterlandes berathen, sitzen diejenigen Herrn, welche nicht zu den Männern des Fortschritts ge­rechnet werden, still zusammen, und denken nur darauf, wie sie in wirklich entscheidenden Augen­blicken, etwa bei Wahlen, fest zusammen halten und den Ausschlag geben. Weil die Fortschritts­männer dieses nicht recht bedacht und sich darum nicht gehörig organisirt haben, sind die Wahlen hier mid da anders ausgefallen, als man es nach der bisher herrschenden öffentlichen Stimmung hätte erwarten sollen.

er Wiesbaden, 18. April. — Der Vater­landsfreund sieht sich mit Bangen nach staats­männischen Geistern um, welche in den Zeiten des Sturms dem schwankenden Staatsschiffe gute Steurer sein können. Wir müssen es uns gestehen, wir sind sehr arm an solchen Männern. Die Büreaukratie, welche bei uns mehr als anderwärts alles kräftige, gesunde Leben unterdrückt und nie- dergehalten hat, war der Entwicklung großer Cha­raktere, hoher, fernblickender Persönlichkeiten, sehr feind. Doch haben wir noch Männer, welche verdienten, jetzt mehr hervorgezogen zu werden. So denken wir zunächst an den Viccpräsidenten des OberappellatioWgerichts, Herrn Ler, welcher in diesem Winter im Augenblick der höchsten Re­action von der Regierung entfernt wurde. Der­selbe hat sich zu allen Zeiten durch freisinnige Ideen, durch einen ächt humanen Charakter, sowie durch Geschäftstüchtigkeit ausgezeichnet. Wenn derselbe auch in diesem Augenblick nicht wieder in seine frühere einflußreiche Stellung an der Regie­rung eingesetzt werden könnte, so sollte man sich wenigstens beeilen, ihm Sitz und Stimme im Ministerrathe zu verleihen, wo Männer willkom­men sein müssen, welche mit erprobter Geschäfts­tüchtigkeit die begeisterte Hingebung für die Ideen der Gegenwart, für den nachhaltigen Fortschritt der Menschheit verbinden.

w Von der Lahn. — Zu unserm großen Schmerze haben wir gehört, daß einige Gemein­den öffentliche Arbeiten, wie den Bau eines Schul­hauses, welche schon fest bestimmt waren, wegen des etwa bevorstehenden Krieges nicht in Angriff nehmen wollen, und daß sie in dieser Sinnesart sogar durch den Beamten bestärkt wurden. Wir

begreifen diese staatsmämtische Weisheit nicht. Will man denn mit Gewalt Hunderte und Tau­sende von Arbeitern brodlos machen und ungesetz­lichem Beginnen mit Gewalt in die Arme werfen? Wir beschwören die betreffenden Gemeinden, mit gesundem politischem Blick kleinliche und matther­zige Rücksichten zu vergessen und in der großen, ernsten Zeit auch groß und männlich zu handeln. Von den durch den Staat bestellten Beamten hätten wir aber etwas mehr staatsmännischen Geist erwartet.

V> Weilburg, 21. April. — Heute Morgen hatten wir dahier ein erhebendes Schauspiel; um sechs Uhr marschirte das erste Regiment aus, um sich nach Baden an die französische Grenze zu begeben. Wie ganz anders war dieser Ausmarsch als bei früheren Gelegenheiten, wie nahm die ganze Bevölkerung herzlichen Antheil! Der große Paradeplatz, von der Lahn und hohen Felsen um­kränzt, wie ihn keine Stadt schöner besitzt, war schon in der ersten Morgenfrühe von den Bewoh­nern Weilburgs erfüllt, welche den Vertheidigern des Vaterlandes Lebewohl sagen, ihnen die Hand drücken wollten. Jenseits der Brücke, im Ange­sicht des Schlosses bildete die Bürgerwehr Spa­lier und der Oberführer derselben, Herr Georg Wimpf, empfing die Abziehenden mit, herzlichen Worten, erinnerte sie an den Ernst der großen Zeit, ermahnte sie zur unerschütterlichen Treue an ihren Fürsten, ihre Führer, ihr Vaterland, rief ihnen den alten Waffenruhm der Nassauer in's Gedächtniß zurück, dankte den Officieren und Unteroffizieren für die freundliche Gefälligkeit, mit welcher sie die Bürgerwehr cmgeübt,^ drückte die Hoffnung einer baldigen, glücklichen Wiederkehr aus und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf das erste Regi­ment, in, welches unzählige Stimmen begeistert cinfielen. ' Ihm antwortete Herr Oberst Keim, indem er auf die acht und zwanzig Jahre freund­lichen Einvernehmens zurückwies, welche das erste Regiment in den Mauern Weilburg's zugebracht und indem er die feste Hoffnung aussprach, daß dies für alle Zeiten so bleiben werde. Er schloß nebst seinem Regiment mit einem dreimaligen Hoch auf die Bewohner Weilburg's. Der ganze Tag, ohnehin ein hehrer Festtag, war ein Tag stiller Feier und ernsten Sinnens für uns Alle. Mögen unsre Freunde bald wiederkehren! Mögen, wenn Krieg unvermeidlich wird, wie im letzten Schweizerkrieg mit der größten Schnelligkeit große Massen an die rechte Stelle geworfen werden,