.'s Von der Lahn, 19. Mârz. — Der Vorschlag des Weilburger Conntos, die Geistlichen von den landständischen Wahlen auszuschließen, bat im ganzen Laude Aufsehen gemacht. Abgesehen von der Praxis und der Erfahrung von Staaten wie diejenigen von Nordamerika und Belgien, auf welche das Comité gewiß Gewicht gelegt haben wird, muß es sich wohl von der Ansicht haben leiten lassen, daß es für die Kirche eine gebieterische Nothwendigkeit erscheint, nach Jahrhunderten dauernder Unterwerfung unter den Arm der weltlichen Gewalt sich einmal in unbedingter Freiheit aus ihrem eigensten und tiefsten Leben zu entwickeln; denn daß das religiöse Leben zum Theil durch die Schuld des Staates verkümmert und krank ist, möchten wohl nur Wenige läugnen. Wenn nun der Staat zum religiösen Leben sagt: sei frei, sei ganz frei, wie es bereits bei andern mächtigen und blühenden Völkern der Fall ist, entfalte dich ganz nach deinen innern Bedürfnissen, so sollten nach unserem Dafürhalten die Männer, welche als Hauptvertreter und Förderer des religiösen Lebens gelten, dies dankbar anerkennen, und nun rasch zur zeitgemäßen Gestaltung des kirchlichen Lebens schreiten, sei es nun in Synodal-, Pres- byterial- oder andern Formen. Hier eröffnet sich ihnen eine weite glänzende Aussicht parlamentarischer Thätigkeit. Ist die Kirche dann auch neugeboren, dann bringt uns die Zukunft vielleicht eine höhere, freiere Verbindung beider selbstständig ausgebildeter Seiten des Volkslebens; denn auch wir fordern aufs Wärmste die lebendigste Jncinanderbildnng des Diesseits und Jenseits. Wie aber jetzt die Dinge noch stehen, müssen wir eine entschiedene Trennung der beiden Organe der Haupterscheinungen des Volksgeifteè und ihrer Vertreter fordern. Der Staat muß einmal ganz und gar aus der theologischen in die politische Anschauung, sowie die geistlichen ihre Staatsdiener- schaft einmal vergessen müssen. Es hat uns in diesen Tagen geschmerzt, daß wir neben der Predigt auf Aufstellung des Civilstandsregisters mußten Gewicht legen hören. Von solchen ungeistlichen Nebengeschäften wollen wir eben unsere Geistlichen befreien.
st Wied-Selters, 18. März. — Bei der Ausführung einer jeden Sache muß man die örtlichen Verhältnisse ins Auge fassen. Wenn man im Herzogthum Nassau die allgemeine Volksbewaffnung einführen will, so hat man vor Allem
zu berücksichtigen, daß unser Land ganz und gar aus zwei hohen, stattlichen Gebirgen besteht, von tiefen, steil eingeschnittenen Thälern durchzogen, recht geeignet zum Volkskrieg, in welchem die Büchse die Hauptrolle spielt. Man sollte daher bei der Anschaffung der Gewehre vornherein hierauf Rücksicht nehmen. In unserer Gegend hat sich schon seit längerer Zeit eine große Vorliebe für das Volksschützenwesen gezeigt und auch bethätigt. Die vielen Jäger und Jagdliebhaber auf Taunus und Westerwald werden den Kern und die Lehrer eines sich schnell bildenden Schützencorps bilden. Wenn auch aus begreiflichem Grunde nicht mit den Tirolern, so werden wir doch mit den Bewohnern des Schwarzwaldes, Spessarts und anderer von der Natur gebauten Burgen des deutschen Vaterlandes wetteifern. Und wahrlich, Taunus und Westerwald im Rücken zweier Festungen, wie Mainz und Ehrenbreitstein, und eine so wichtige Straße ins Innere Deutschlands, wie die Lahn, ganz beherrschend, nehmen eine einflußreiche Stellung im Vertheidigungssystem unseres Vaterlandes ein. Ein jeder Bewohner des Taunus und Westerwaldes muß die besten und sichersten Stellungen in der Umgegend seines Wohnortes kennen, daß ein nahender Feind ihn nicht rathlos finde. Darum auf vor Allen, du vaterländische Jugend, schärfe deinen Blick gleich dem Adler, und stärke deinen Arm, daß er unter der schwersten Waffe nicht erzittere.
Z Vom Taunus, 18. März. — In freien Staaten ist das Schulwesen anders einzurichten als in unfreien. Daher werden unsere Schulen eine Umwandlung zu erfahren haben, welche dem Umschwung unseres politischen Lebens gemäß ist. Geschichte und Kenntniß des vaterländischen Staates werden fortan als Unterrichtsgegenstände auch in die Volksschule eingeführt werden. Es wird uns von andern Deutschen nicht mehr zum Hohn vorgeworfen werden, daß wir auf unsrem Schul- lehrerseminar so gut wie keine Geschichte lehren. Die Reallehrer werden sich nicht mehr über die Gleichgültigkeit der städtischen Bevölkerung gegen die Wissenschaft beschweren; denn der wiedererwachte Bürgersinn wird sich erinnern, daß deutsche Städte vor Jahrhunderten der Hauptsitz der Bildung, der Kunst und Wissenschaft waren, daß einfache Bürger in ihrer Pflege mit Fürsten und Königen wetteiferten. Die militärische Erziehung wird eine wohlthätige Umwandlung erfahren, in-
