Weihung aus dem Kloster entfloh, die Kutte mit dem Degen vertauschte und so singend und träumend in die Welt hinauslief. Dieser unbesonnene Streich zog ihm den Fluch seiner Aeltern nach, die ihn von nun an als ihren Sohn vcrläugneteu. Er sollte fortan keine andere Familie, als die der Menschheit, keinen andern Vater, als Deutschland haben. Und diese liebte er, mit Leib und Seele.
Frühzeitig also von der Familie verstoßen, hätte Hutten Talente genug gehabt, um sich reichlich zu ernähren. Er hatte einen Degen, eine Feder, Geist und Muth, Dinge, die zu manchen Zeiten schon Gefährten des Glücks waren. Allein Hutten war kein Günstling FortunaS. Er sollte durch die Schule des Unglückes, deS Elends und der Erfahrung; er mußte durch das Feuer der Noth hart gebrannt und gestählt werden; er, der adeliche Jüngling, 9icffe eines Ministers, mußte zum Proletarier werden, um an sich selbst das Unglück deS Volkes kennen zu lernen. Und als Hutten sich erkannte, erkannte er ganz Deutschland in sich. — In Italien, wo er Schiff- hruch litt und sich schwimmend rettete, wurde er von Räubern überfallen und seines letzten Pfennigs beraubt. Um sein Leben zu stiften, sah er sich genöthigt als Lanz- kuccht sich in Venedig anwerben zn lasten, wo er bald darauf krank ward und nie mehr ganz geheilt wurde.
Je mehr jedoch Huttens Körper unter der Last der Arbeit und der Entbehrung sich beugte, desto kühner war der Schwung seiner Seele, die nichts niederzudrü- cken, nichts zu trüben vermochte. Nach langen uns mühevollen Trübsalen in der Fremde, nach so vielen harten Erfahrungen, kehrte Hutten wieder in sein Vaterland zurück und wußte sich hier bald seinen Platz zu bezeichnen. Gleich bei seinem ersten Auftreten erscheint er als Mann in der ganzen Kraft dieses Wortes. Sein Wahlspruch war und blieb: Durch Wahrheit zur Freiheit, durch Freiheit zur Wahrheit. „Uc- berall auf seinen Reisen — bemerkt ein Schriftsteller — sah er die Wahrheit entstellt, entweiht, verfolgt und unterdrückt; überall sah er das Wort zur Lüge geworden, für das ein Mensch, die offenbarte Liebe, zum Heile der Menschheit sich an das Kreuz Magen ließ; überall regierten Priester und Fürsten im Namen der Gewalt, des Betruges und der Lüge, statt im Namen des Rechts, der Vernunft und der Wahrheit. Die Religion der Liebe sah er zur Dirne herabgewürdigt, das Ebenbild Gottes, den Menschen, zum Zugvieh erniedrigt und Deutschland, sonst so groß und so mächtig, einst berühmt durch seine Kaiser und Dichter, Deutschland, sein Vaterland, sah er doppelt elend, weil es in sich zerfallen, keinen Haltpunkt der Einheit, noch der lebendigen Zukunft in seinem eigenen Herzen sanb/__(Forts, folgt.)
Paul und Klärchen.
Der Frühling war gekommen im holden Blüthenkleid Und mit ihm neue Wonne und Licbeseligkeit,
Da fassen Paul und Klärchen im Abenddâmmcrschein, ~ Des Dorfes schönstes Pärchen, vertraulich und allein;
Und wie sie beide scherzen in Liebeètändelei,
Zwei liebergoff'ne Herzen, von Liebespein nicht frei, Und sprachen von der Ebe beglückendem Verband:
Da faßt der blüh'nde Junge das Mädchen bei der Hand — Der Augenblick ist günstig, er hält sich länger nicht, Mit ungeschmückter Rede der Sohn des Landes spricht: „Ich steh' im Lebenslenze so einsam, so allein, Drum wünsch'ich bald mein Liebchen als Gattin Dich zu frei'n, Liebst Du mich, gutes Klärchen, fürwahr so treu und heiß, Wie Du mir oft versichert, so gib mir Schwarz auf W c iß,
Daß Du mein Weib willst werden, getreu mir bis zum Tod." Sie küßt ihm rasch die Wange: ,,Da hast Du Roth auf Roth!"
„Als Bürgschaft meiner Treue," spricht Paul erwiedernd leis, Die reine Stirn' ihr küpend: „geb' ich Dir Roth auf Weiß."
Dies innige Gelöbniß vereinigte das Paar, War dieses Ehebündniß an Förmlichst sonderbar?
Kommt einst für Euch die Stunde, so ahmet diesen nach, Und siegelt Mund auf Munde auch Euern Ehvertrag.
Wiesbaden ______Gustav Kieme.
Neueste Nachrichten. Deutschland.
Kolbing, 8. Mai, Abends 6 Uhr. So eben geht hier-die zuverlässige Nachricht ein, daß Fridericia seit heute früh 7 Uhr bis 12 Uhr von den Dänen mit 24 bewaffneten Schiffen hart beschossen worden, und dabei die Stadt an zwei Stellen in Brand gerathen ist. Die preußische Artillerie mit 8 Geschützen hat kräftig geantwortet und ein großes Geschützschiff (nach einer spätern Mittheilung drei Kanonenboote) in Grund geschossen. (Börsenh.)
Pole n.
Die Posener Ztg. berichtet u. A.: „Dr. Libelt ist, wie eS heißt, nach Litthauen abgegangen, um dort den Aufstand zu organisiren. Mieroslawski ist nach dem blutigen Abende von Wreschen am 2. d. Mts. nach Trzemeszno gezogen, ist dort zurückgeschlagen worden und hat nun sein Hauptquartier im Dorfe Skape, unfern der russischen Gränze, einige Meilen nördlich von Slupce aufgeschlagen. Er soll um sich her die beste MannSzucht halten, (so versichert uns ein deutscher Gutsbesitzer aus der Nähe von Wreschen, der sich am 2. genöthigt sah, mit seinen dreißig polnischen Leuten dem Kampfe bei- zuwohnen, hinterher jedoch seine und seiner Dienstleute Entlassung bis auf Weiteres ohne Schwierigkeiten von Mieroslawski erlangte.) Am 5. hat es in Obornik ein blutiges Gefecht gegeben (s. die gestrige Zeitg.). Gleich im Anfänge desselben fiel der feindliche Führer, Major Dobrzyccki, von einer Musketenkugeldurchbohrt. Er hatte eine Uhr und 450 Thr. bei sich, die als Beute unter die Füsiliere des 6. Regiments vertheilt wurden. — Am 5. ist inSchrimm ein zweimaliger Angriff auf die Stadt, von Seiten der bei Rocalin verschanzten Insurgenten, durch die Preußen siegreich zurückgeschlagcn worden.
Die Erinnerungsmünze von Christian Zollmann, Sohn zu Wiesbaden.
Zu allen Zeiten hat sich die Münzkunst merkwürdiger gefchichtlicher Ereignisse bemächtigt unb ju allen.Zeile» haben Regierungen und Staaten diese Sitte in Ehren gehalten. Auch der Senat zu Frankfurt will die großen Tage der jüngsten Vergangenheit und nächsten Zukunft dadurch verherrlichen, daß er 20,000 Stück „Zwei- gulvenstücke" prägen läßt, welche auf der Hauptseite den zweiköpfigen deutschen Reichsadler zeigen mit der Umschrift: „konstituirende Versammlung in der freien Stadt Frankfurt, 1 Mai 1848;" auf der andern Seite den Frankfurter Adler mit der Umschrift: „Berathung über Gründung eines deutschen Parlaments, 31. März 1848." Herr Graveur Christian Zollmann, Sohn dahier, der sich seit Jahren einen .frönen Ruhm in seiner Kunst in Deutschland erworben hat, erhielt von dem Senat zu Frankfurt den ehrenvollen Auftrag zür"Anfer- tigung der Stempel. Wie der begabte und fleißige Künstler seine Aufgabe gelöst hat, davon wird sich das Publikum bald überzeugen können.
Die Weidigstiftung und Wiederherstellung von Weidigs Grab zu Darmstadt..
Von der Ueberzeugung ausgehend, daß es'*^le heiligste Pflicht des freien Deutschlands ist, die Helden, die für diefe göttliche Freiheit gestorben sind, zu ehren und ihren Namen zu verewigen, fordern wir die ächten Volksmänner, die ächten Freunde der Freiheit, die ächten Freunde der Ehre Deutschlands auf, die Weidigstiftung und Wiederherstellung von Weidigs Grab durch Beiträge zu unterstützen. — Die Redaktion des Volksfreundes eröffnet hierdurch eine Sammlung für diese Stiftung, indem sie verspricht, über den Fortgang deS Unternehmens fleißig Bericht zu erstatten und das eingehende Geld so schnell als möglich an Herrn Karl Buchner zu Darmstadt, als den Vorsitzenden des betreffenden Comites, gelangen zu lassen.
Verantwortlicher Redacteur: Fr. Emminghaus. — Druck der J. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden,
