Naf 1848. J. C. Godeffroy und Sohn. R.
M. Sloman." (Brsnh.)
Pole n.
Posen, 2. Mai. Eine Proklamation Mieroslawski's ;at das ganze Großherzogthum, und wie wir hören, nicht vergebens zu allgemeinem Ailfstand aufgerufen und Der Eindruck dieser Proklamation wird durch den moralischen Eindruck dieses ersten Sieges bis zum Fanatismus erhöht werden. Gestern war bereits der ganze Kreis Bnk im Ausstande, von hier sind viele Polen verschwunden und der Rest — wie man sagt — nur in Folge eines Befehls von Mieroslawski, für den Fall, daß man sie hier brauche, zurückgeblieben. Das polnische Nationalkomite hat sich aus der Stadt entfernt, aan sagt, nach den Lagern in Miloslaw, Wreschen und Pieschen, und Stefanski ist zum Diktator des Iroßherzogthums ernannt. Zugleich hat auch die Geistlichkeit einen Aufruf an daS Volk erlasten.
(Brest. Z.)
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Paris, 4. Mai. Die Nationalversammlung der französischen Republik wurde um 8 Uhr Morgens bei heiterem schönen Frühlingswetter, mit folgender von Herrn Dupont verlesener Rede eröffnet:
„ Bürger, Repräsentanten deS Volks, die provisorische Regierung der Republik beugt sich vor der Nation und qildigt der höchsten Gewalt, womit Ihr bekeidet seid. Erwählte des Vvlkeö! seid willkommen in dieser großen Hauptstadt, in welcher eure Anwesenheit ein Gefühl des GlückeS und der Hoffnung weckt, welches nicht getauscht werden wird. Träger der Volkssouvcränität, Ihr wollt unsere neue Konstitution auf den breiten Grundlagen der Demokratie begründen und Frankreich die einzige Verfassung geben, die ihm entspricht, eine republikanische Verfassung. Aber nachdem Ihr das große politische Gesetz proklamit habt, werdet Ihr Euch, wir wir, damit beschäftigen, die möglichste und kräftigste Mitwirkung der Regierung in den Verhältnissen sestzustellen, welche die Nothwendigkeit der Arbeit zwischen allen Bürgern bc- ründet, und welche die heiligen Gesetze der Gerechtig- üt und Brüderlichkeit als Grundlage haben müssen. Endlich ist für die provisorische Regierung der Moment ekommen, in Eure Hände die unbeschränkte Gewalt ab- zugeben, womit die Revolution uns bekleidet hatte. Ihr werdet wissen, ob für unS diese Gewalt etwas Anderes war, als eine moralische Macht mitten unter den schwie- rigen Verhältnissen, die wir durchgemacht haben. Treu unserem Ursprung und unserer persönlichen Ueberzeugung , haben wir nicht gezögert, die im Februar entstehende Republik auSzurufen. Heute weihen wir die Ar- veiten der Nationalversammlung mit dem Rufe ein, der sie stets vereinigen soll: Es lebe die Republik!"
Paris, 4. Mai. Die Nationalversammlung füllte ihre erste Sitzung mit den Wahlprüfungen auS, deren Verlauf im Einzelnen nichts besonders Bemerkenswerthes bot. Dazwischen erhob sich der Abgeordnete Berger und erlaß im Namen der Deputirten der Seine folgenden Entwurf: „Die Nationalversammlung, als treues Organ des Volkes, das sie erwählt hat, erklärt hiermit vor Beginn ihrer Arbeiten, im Namen des französischen Volks und Angesichts der ganzen Welt, daß die am 24. Februar proklamirte Republik die Regicrungsform Frankreichs ist und bleiben wird." (Stürmische Zustimmung.) „Im Namen des Vaterlandes beschwört die Versammlung alle Franzosen aller Meinungen, ihre alten Zwi- üigkciten zu vergessen und nur eine große Familie zu bilden." (Allgemeiner Jubel.) „Die Republik, die Frankreich will, hat den Wahlspruch: Freiheit, Gleichheit, Bruderliebe! Der Tag, der die Vertreter des Volkes in diesem Sinne vereinigt, ist für alle Bürger das Fest der Eintracht und der Bruderliebe." — In Folge dieser Verlesung erhebt sich nun eine lebhafte, begeisterte Diskussion, in der die Redner aller Seiten der Versammlung ihre vollständige unbedingte Zustimmung zu der Proklamation geben. Emanuel Arago ruft aus:
Die Republik ist da — und wir proklamiren sie nicht mehr, wir begrüßen sie nur. Barbès fügt hinzu: Die Republik ist am 24. Februar vom Volke begründet worden — Niemand kann sie mehr in Frage stellen, wir sind hier nur die Diener des Volkes, und so haben wir auch nur seinen Willen mit dem Ruse zu begrüßen: Es lebe die eine, untheilbare, demokratische und brüderliche Republik! worauf sich die ganze Vcrsammmlung erhebt und diesen Ruf mit Einstimmigkeit wiederholt. Um d'A Uhr erscheint General Courtaiö auf der Tribüne: „Bürgervolksvertreter! sagt er, das Volk verlangt die Mitglieder der provisorischen Regierung und der Nationalversammlung zu sehen und aus ihrem Munde die Proklamation der Republik zu hören." — Die Abg. der ehemaligen Linken erheben sich gegen dies Verlangen, ohne Zweifel, weil sie sich erinnern, wie man in der ersten großen Revolution diese Nachgiebigkeit gegen die Launen der Pariser Bevölkerung mißbraucht hat. Aber ihre Vorstellungen sind erfolglos. Wie ? ruft Einer aus, die heldenmüthige Bevölkerung von Paris läßt Euch durch den Mund des Oberkommandanten der Nationalgarde bitten, die Republik zu proklamiren, und man will zaudern? Kann es ein französisches Herz geben, das dem braven Pariser Volke diesen Beweis von Achtung und Zutrauen verweigern wollte? Solchen Gründen war natürlich nicht zu widerstehen, und die ganze Versammlung begab sich auf den Säulengang deS Palais Bourbon. Der Concordeplatz, die Champs-clysees, die Quais, der Tuileriengarten waren mit einer dichtgedrängten Menschenmasse bedeckt, die die untersinkende Sonne beleuchtete ; im weiten Kreise blinkten die Gewehre der Nationalgarde, ein ungeheurer Subeiruf des Volkes empfing die Versammlung, unter dem Donner der Kanonen profiamirte Ledru-Rollin die Republik, alle Militärmusiken fielen ein, die Fahnen der Legionen und der Regimenter wurden geschwungen, Nationalgarde und Truppen präsentirteu, alle Tambours schlugen den Gc- neralmarsch und die ungeheure Menschenmenge brach in den Jubelruf auS: Es lebe tie Republik!
Paris, 5. Mai. Nationalversammlung. Die Sitzung wird um 1 Uhr eröffnet. Audry de Puyraveau präsi- dirt. Das Protokoll der gestrigen Sitzung wird verlesen und mit den Wahlprüfungen fortgefahren. Diese Operation wird wieder mit derselben Schnelligkeit wie gestern betrieben, fast alle Wahlen genehmigt. Lamartine ist anwesend, obwohl etwas hinkend und sehr angegriffen, gestern Abend war er ernstlich unwohl und man zweifelte, daß er heute daS Bett würde verlassen können. Die zum Bericht vorbereiteten Wahlen sind beendigt; cS soll zur Wahl eines Präsidenten geschritten werden. ES erhebt sich eine lebhafte Debatte über die Art und Weise der Abstimmung, die endlich dahin gelöst wird, daß alle Deputirte, deren Wablprotokolle noch nicht ein- getroffen sind, an der Wahl. Theil nehmen können. ES wird mit großer Majorität entschieden, daß die Wahl eines Präsidenten nur provisorisch für einen Monat Statt finde. — DaS Skrutiu beginnt mit Namensaufruf und kann bei der Langsamkeit dieser Operation vor Postschluß unmöglich beendigt sein. Man glaubt, daß Buchez gewählt wird.
(Buchez ist durch eine große Sammlung , die histoire parlamentaire, auch in Deutschland bekannt; die Tendenz, die durch dieses Sammelwerk hinvurch geht, ist der reine JakobiniSmus der Robespierre-St. Justfchen Schule, mit einer guten Dosis Katholicismus verquickt. Jedem Leser deS sonst sehr brauchbaren Werkes ist die Wuth der Herausgeber gegen Girondisten, Föderalisten, Protestanten rc.: und die Vergötterung der „ sainte Montagne" ohne Zweifel im Gedächtniß. Doch scheint B. in diesem Augenblick nicht zu den Ultras gerechnet zu werden.)
Es tauchen jetzt auch schon Verfassungsprostkte auf; zwei bedeutende Namen sind bis jetzt damit aufgetreten — Cormenin und LamennaiS. ES wird sich Gelegenheit finden, darauf zurückzukommen. (D. Z.)
