M Wesen umfaßte, nicht mäßigen. Eine ruhige reifliche Ucberlegung der Verhältnisse Deutschlands führte ihn zu der Ueberzeugung, daß die Verfassungen der einzelnen deutschen Staaten durch das Erscheinen der Buu- destagsbeschlüssc und deren Geltendmachung in den verschiedenen Bundesstaaten, verletzt seien; und daß der dadurch herbeigeführte Zustand zwischen Regierung und Volk kein rechtlicher mehr sei, sondern ein Zustand der faktischen Gewalt, und daß dieser Zustand der faktischen Gewalt, herbeigeführt durch die von Seiten der Regierungen dem Volke gegenüber angenommene, gegen seine Rechte feindselige Stellung, dem Volke ein Recht gebe zum gewaltsamen Umsturz derselben. (Forts, folgt.)
Deutschland.
Karlsruhe, 16. April. Der Zustand der Ungewißheit hört endlich auf Die Masken sind gefallen. Der Nimbus, welcher manche dem Volke theure Namen umgab, ist verschwunden; statt der Republikaner, die begeistert durch die Kraft der öffentlichen Meinung ihre Zdec in daö Leben führen wollen, stehen vor uns die Anarchisten, welche mit Gewalt der Waffen ihren Forderungen Geltung verschaffen, alles Bestehende Umstürzen und den Bürgerkrieg entzünden wollen; man beklagt mit Recht manchen der Männer, die an die Spitze sich stellten, vorzüglich den reichbegabten Hecker, aber man verabscheut das Verbrechen, vor dessen Vollendung er nicht zurückbebte, nicht eingedenk des Eides, den er als Abgeordneter leistete. Die schweren Besorgnisse vor der gewaltsamen Schilderhebung des Volkes im Seekreise, vor der Vollziehung der Drohung, daß 10,000 bewaffnete Männer aus dem Seekreise nach Karlsruhe ziehen, die Republik ausrufen, daß Tausende der Unzufriedenen sich ihnen a »schließen würden, sind gehoben. Die Hoch- verrätherischen Plane von Hecker und Struve sind gescheitert an der Verfassungstreue und dem gesunden Sinne des badischen Volkes. Daß in Konstanz Heckers Aufruf zur Einführung der Republik und zum bewaffneten Zuge nach Karlsruhe keinen Anklang fand, ist schon früher aus den Zeitungen bekannt geworden. In Ueberlingen, wo Struve einen ähnlichen Versuch machte, hatte der Volksredner dasselbe Schicksal. Man weigerte die Theilnahme. Auf die Stockacher Versammlung hatte Hecker seine Plane gebaut. Der Stockacher Gemeinderath hatte den Muth und den Verstand, die benachbarten Gemeinden zu warnen und den Besuch der Bewaffneten sich zu verbitten. Als Heckers bewaffnete Schaar (sie bestand aus etwa 40 Leuten, die mit ihm aus Konstanz auögczogcn, und einigen Wenigen, die hinzu kamen) ankam, richtete sich zunächst der Unwille der Aufrührer gegen die Stockacher Gemeinderäthe; nur Hecker rettete ihnen das Leben; der Gemeinderath blieb fest und verweigerte ebenso wie in Konstanz die Theilnahme am Aufruhr. In Neustadt war eine Versammlung, die entschieden die republikanischen oder besser die anarchischen Bestrebungen ablehnte. Zn Villingen kamen Bürgermeister und Abgeordnete der benachbarten Orte zusammen und erklärten, daß sie an dem bewaffneten Zuge nach Karlsruhe nicht Theil nehmen würden. Nach den vorliegenden Berichten ist dies der herrschende Geist unter den Bürgern, die ihre Uebereilung bereuen und vor den Folgen der Anarchie zurückschaudern. In Donaueschingen war am 14. April vorzüglich Struve thätig. Es fehlte nicht an vielen Männern, an tobenden Schreiern, aber die erwartete Schaar aus allen Orten des Seekreises blieb auS; nur wenige Bewaffnete fanden sich ein; Die Kanonen, die man nach der Zusage einiger Städte erwarten zu können hoffte, wurden nicht gegeben; das Häuflein der Anfangs schwer Drohenden wird immer kleiner, und Struve muß einsehen, daß sein beabsichtigter Zug keinen Anklang findet. AnS Villingen wurde der würtembergische General ersucht , ungesäumt mit seinen Truppen einzurücken. Hecker warf sich mit seinem kleinen Häuflein nach Jestetten, wo er mit dem kühnen, von entschlossenen Männern umgebenen Weiß
haar aus Lottstetten sich vereinigen will. Die badische? und hessischen Truppen werden am Eingang des Kin zigihals vereinigt die Aufrührer empfangen. Der treff liche Gagern, General in holländischen Diensten, reich an Kriegserfahrung, an Muth und Energie, übernimm: das Oberkommando der badischen Truppen. Der gefürchtete Einfall der deutschen Arbeiter auS Frankrcich bei Breisach hat nicht Statt gefunden. Eine bedeutend militärische Macht in der Gegend wird jedem Ueber gange wehren. Nach zuverlässigen Nachrichten ist bc Geist der badischen Truppen gut, und die militärisch- Zucht ist wieder hergestellt. — In Karlsruhe hat man gestern für die Anziehenden Hessen keine Quartierbillets auSgetheilt, sondern die Einwohner eingeladen, die Sol daten freiwillig aufzunehmen; in ganz kurzer Zeit war für das Unterkommen des Militärs gesorgt. (D. Z.)
Donaueschingen, 15. April, halb 8 Uhr AbendS. Die KarlSr. Zeit, bringt folgenden Bericht: Die augen scheinliche Gefahr, welche uns in der letzten Zeit h fortwährender Spannung erhalten hatte, ist gottlob vor über: vor einer Stunde sind die ersehnten Hilfstrupper aus Würtemberg eingerückt. Alles athmet wieder auf. Jeden Augenblick mußten wir Brandstiftungen, Plün- derung und Gewaltthätigkeiten der ärgsten Art gewärtigen; die Hilfe unserer deutschen Brüder hat uns davon befreit. '
Im Ganzen waren 600 Mann Freischaaren hie? versammelt. Um 5 Uhr, als die erste Nachricht von dem Anrücken der würtembergischen Truppen kam, zöge: zuerst zwei Abtheilungen ab; um 6 Uhr folgten andere Haufen nach; der Rest blieb fast bis zum Einzug der Würtemberger und zog dann in geordneten Reihen, unter Trommelschlag nach Pfohren ab, von woher eben noch ein von Konstanz her nachrückendcr Haufe Frei schaaren im Anzug begriffen war.
Man hatte geglaubt, die Befreiung unserer Stad- werde nicht ohne Kampf stattfinden, da die Freischärler zum Widerstand entschlossen schienen; allein es kam^nicht dazu. Eine RAtcrabtheilnng rückte zuerst bis ân di. steinerne Brücke vor, wo sie jedoch, dâ sie den Fein- bereits im Rückzug begriffen sah, Halt machte.
Hecker, Kaiser und Au waren an der Spitze der ab ziehenden Schaar. Bürgermeister Raus zog nicht mit ab; er ist sogleich nach dem Einzug unserer Befreie: verhaftet worden.
Schon im Laufe des Tages waren vier Mitglieder des politischen KomiteS zurückgetretcn, so daß dasselb- nur noch aus Rosina und Au bestand. Auch die Offiziere der Bürgerwehr hatten sämmtlich ihre Entlassunc gegeben, waS übrigens für den Augenblick die Anarchi- noch vergrößerte.
Gestern und heute waren alle Kommunikationen ge- sperrt gewesen. Auch in Stockach hätte Hecker die Post gezwungen, ihm die Briefschaften rc. zu überliefern, und ein Theil wurde zurückbehalten. Wo er mit seinen Bewaffneten erschien, übte er unbedingte Herrschaft. Die erlittene Erfahrung wird dem Volke im Gedächtniß bleiben !
Mannheim, 17. April, 3 Uhr Nachmittags. Die Katastrophe naht schneller, alö ich bei meinem Schreiben vom heutigen Morgen ahnen konnte: Bürger. blut ist geflossen! —In einer Bierkneipe entspann sich zwischen mehreren der berüchtigsten Individuen von hier, worunter einige entlassene Zuchthaussträflinge, und einem hiesigen Bürgerssohn ein politischer Wortwechsel, der damit endete, daß einer der Republikaner dem Letzteren mit einem Beile in's Genick hieb, daß er wie todt zusammenstürzte. Andere Leute, die Frieden stiften wollten, erhielten mehr oder minder schwere Wunden. — Alsbald entstand in der ganzen Stadt die höchst! Aufregung, die Freunde der Republik scharten sich zusammen, der Tumult ging aus einer Kneipe in die andere und erst nach dem ernstlichen Auftreten einiger entschlossener Bürger (ihre Zahl war jedoch sehr klein) gelang cs, 6
