der geschehen, aber der Zusammenhang des Staatsschatzes mit dem Privatvermögen des königlichen Hauses war immer unerforschlich geblieben, was mit den leitenden Prinzipien des ganzen vergangenen Rcgie- rungssystemS untrennbar zusammenhing. Wenn man aber die jetzt angegebenen geringen Baarvorräthe deS Staatsschatzes nichtsdestoweniger unbegreiflich finden will, so ist zu bemerken, daß sich die noch Vorgefundenen 8'L Mill, nur auf die im Metall enthaltenen Summen beziehen können, der unzweifelhaft außerdem vorhandene Vorrath anStaatöpapieren aber nicht darunter begriffen ist. (D. A Z.)
[] Wiesbaden. Das hiesige Wahlcomite hat folgende Männer als Abgeordnete in die deutsche Nationalversammlung zur Wahl vorgeschlagen:
Ministerialrath PH. Bertram für den 1. Wahlbezirk; (Dillenburg, Herborn, Marienberg, Rennerod und Hachenburg.) LegationSrath M. Eagern für den 2. Wahlbezirk; (Selters, Montabaur, Hadamar, Wallmerod; Conrektor Schulz für den 3. Wahlbezirk; (Weilburg Runkel, Limburg, Diez;) Medicinalrath Z ars für den 4 Wahlbezirk; (Nastätten, L. Schwalbach, Wehen, St. Goarshausen, Braubach und Nassau.); Regierungsdirector H e h n e r für den 5 Wahlbezirk; (Königstein, Höchst, Idstein, Usingen und Reichelsheim. Procurator Hergenhahn für den6 Wahlbezirk; (Wiesbaden, Hochheim, Rüdesheim und Eltville.)
— Der Gewerbeverein hat beschlossen, eine Kreditkasse auf Actien ins Leben zu rufen, aus welcher jeder Gewerbetreibende Vorschüsse bis zum Betrag von 100 fl. gegen 4 Prozent Zinsen uud die Verschreibung irgend eines Pfandes erhalten können. Die Aktienabnehmer erhalten 3 Prozent. — Der Gewerbeverein hat ferner die Beiträge seiner Mitglieder von 3 fl. auf 2 fl. jährlich, die Verkaufsgebühren für Mitglieder des Vereins von 5 auf 3 Prozent, für Nichtmitglieder von 77» auf 6 Prozent herabgesetzt.
$ Weilburg, 13 April. ES sind schon mehrere Stimmen laut geworden, die Herrn Conrektor Schulz hierselbst zum Landtagsabgevrdnctcn vorgeschlagen haben. Wir sind der Meinung, einem Manne von solcher GeisteSgabe sei der Wirkungskreis eines LandstandS zu eng und wir würden deßhalb viel lieber sehen, wenn derselbe einen Sitz in der deutschen Reichsver- sammlung einnehme. Schulz ist bekanntlich mit einem scharfen Verstand begabt, besitzt dabei ausgebreitete Kenntnisse und eine herrliche, wohltönende Stimme unv ergeht sich beständig in Fantasien. Die Reichsversammlung aber halten wir für den geeignetsten Ort, Fantasiebilder loszulassen, denn dort kommt es weniger auf die That, alö auf schöne Ideen an. Auch hat Herr Schulz sich schon in den Zeiten deö Drucks als ächter Volksmann bewährt und jetzt tritt er mit doppelter Entschiedenheit auf, so daß er jüngst den Bauern gepredigt haben soll, sie dürften nicht eher ruhen, als bis sie silberne Knöpfe trügen. Ein so ächter, redlicher VolkSmann würde eine Zierde des deutschen VolksratheS bilden und uns Nassauern gewiß alle Ehre machen.
Man hat zwar Herrn Schulz öfters vorgeworfen, er sei unpraktisch, allein mit Unrecht, denn woran die Klugheit Anderer scheiterte, das weiß er durchzusetzen und zu bewerkstelligen. Hat er unS doch mit einem Nassauischen Plutarch beschenkt. Bisher hatten wir ein solches Unternehmen für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten, da wir gar nicht begreifen konnten, woher die 22 Männer kommen sollten, die würdig wären, einen Plutarch zu schmücken. (mirabill dictu!) Schulz hat sie aufzufinden gewußt.
Verschiedenes.
AuS den von Louis Blank in Paris geleiteten Arbei
terberathungen, stellt sich Folgendes als wahrhaft praktisch und bcachtcnswerth heraus: Erstens die Errichtung von Centralbureaus, welche Arbeitgebern und Arbeitsuchenden Gelegenheit verschaffen, Einer drs Andern Bedürfnisse kennen zu lernen und zu befriedigen. Zweitens die Gründung solcher Spargesellschaften, welche ihren Mitgliedern die Vortheile der günstigeren Jahreszeit und deS wohlfeileren Ankaufs der häuslichen Ver- zehrungögegenstände auch für die ungünstigere und arbeitslosere Jahreszeit sichern und drittens endlich die Erbauung von Wohnhäusern, deren einen mäßigen Zinsfuß übersteigende Erträgnisse nicht wie bisher, den Kapitalisten, sondern den, diese Häuser bewohnenden arbeitenden Klassen zu gute kommen.
Auch in Grätz sind dm 5. Volkstumulte auS gebrochen, und Brand und Eigenthumsverletzung bezeichneten die Spur. Ein Mauthgebäude wurde in Brand gesteckt um eine Gesällenwache, die auS dem Fenster feuerte, bei verschlossenen Thüren zu verbrennen. Bäckerläden wurden vom Pöbel geplündert, welcher auch gegen die Fleischer heranzogen, die sich jedoch mit geschwungenen Beilen, unterstützt von der Nalionalgarde, kräftig vertheidigten Die Unzufriedenheit mit dem neuen Preßgesetze, womit dieser VvlkShaufe freilich in keiner Berührung steht, daè aber von den Leitern der Bewegung, den Studenten, zur Schilderung benutzt worden, war der nächste Grünt dieser Ausschweifung, in Folge deren die Entfernung ves Bürgermeisters, sowie des Gouverneurs veilangt worden ist. Um den Unordnungen zu steuern, ist das Stand recht publicirt worden.
Um den vielen Anforderungen um Gewehre, welch täglich aus allen Landestheilen an uns gelangen, cm gegen zu kommen, bringen wir hiermit zu öffentlicher Kenntniß, dafi die uns von herzoglicher Zeughausdirektion zur Verfügung gestellten Waffenvorräthe längst vergriffenen sind, daß übrigens mit Fabrikanten m Lüttich Kontraste zur Lieferung abgeschlossen, und bereits mV Birmingham Unterhandlungen angeknüpft sind.
Sobald auf diesen Wegen Waffen angekommen, wer den wir eS ebenfalls durch die öffentlichen Blätter bekannt machen. Wiesbaden, den 15. April 1848
DaS SicherheitS-Comite.
— (Zur Nachricht.) In der gestern Abend statt* gehabten Generalversammlung der Mitglieder des hiesigen Lesezirkels ist beschlossen worden:
1. die Abonnenten - Gesellschaft konstituirt sich zu ei nein Lese-Verein;
2. Die Leitung der Geschäfte übernimmt ein aus 7 Mitgliedern bestehender Vorstand.
Der Lesezirkel besteht nun seit Einem Jahre.
Die gediegensten Zeitungen, politischen wie bellet« stiften Inhalts, Flugschriften u. s. w. aus dem ganzen Deutschland, sowie die beliebtesten humoristischen und satyrischen Blätter liegen im Lesezimmer (Gasthaus zu- Rose) offen und bieten die nützlichste Belehrung und Unterhaltung. ES mag hier, mit Hinweisung auf unsere so wichtige Gegenwart, der Wunsch Platz finden daß eine möglichst zahlreiche Betheiligung an diesem, ci ner gründlichen politischen Bildung überaus förderlichen Unternehmung, erfolgen möge.
Die fernere Aufnahme von Mitgliedern geschieht durch eigenhändigen Eintrag in daö im Lesezimmer aufgelegt- Aufnahmebuch.
Wiesbaden, 12. April. Der Vorstand.
„ Dienstvorschriften für die Volkswehr der Stadt Wies, baden" sind zu haben in der S tein'schen Buchdruckerei, Mauergasse Nr. 2. — Preis 1 fr.
Verantwortlicher Redacteur : Lippe. — Druck der I. A. S t e i n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.
