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glaubt, wie es befohlen ist, den läßt die Spanische In- - quisition verbrennen, und die heilige Einfalt trägt ihr Bündclchcn Reiser zu Johannes Huß Scheiterhaufen, um sich ein Verdienst damit zu erwerben. In einer Zwangsvcrfassuug gibt cs endlich entweder gar keine Gesetze, sondern Gesetz ist jedesmal, was der Großherr spricht; oder die Gesetze werden doch gegeben, ohne daß daS Volk darum gefragt würde, ob es damit auch ein­verstanden sei; das Volk gehorcht, und wer nicht ge­horcht, wird in daS Loch geworfen, in daS Zuchthaus gesteckt, an den Galgen gehenkt, auf das Schaffet ge­schickt und auf das Rad geflochten.

DaS sind die Grundzüge der Zwangsverfassung, die in nicht wenigen Ländern der Erde noch heute wirklich besteht, freilich in dem einen Lande etwas gelinder, in dem andern etwas strenger; ihr wesentliches Kennzeichen aber ist immer das, daß daö Volk lauter Pflichten hat und keine Rechte, und die regierenden Herren lauter Rechte und gar keine Pflichten. Ob aber der regierende Herr bloß Einer sei, wie in der Türkei der Großherr, oder ob der regierenden Herren Viele seien, wie in der weiland Republik Venedig cs der Fall war, darauf kommt cs gar nicht an; Venedig hieß wohl Republik, und hatte doch eine Zwangsverfassung, nicht viel besser, als die Türkische.

Ein Zeugniß Karl Zeuners in Nordamerika, über

die Nichtswürdigkeit des heimlichen deutschen Gerichts, mitgetheilt von Wilhelm Schulz. (Forts.)

II. Karl Zeuner.

Das jetzige großherzoglich hessische Ministerium, auf- gehetzt durch den bekannten badischen Gesandten am Bundestage, Freiherrn von Blittersdorf, ist mit einer leichtfertigen Injurienklage gegen den badischen Abge­ordneten Karl Welcker aufgetreten, weil er sein redliches Theil dazu beitrug, den Schleier zu heben, der nur allzu lange die Verbrechen der geheimen deutschen In­quisition und der Censur verhüllte. Vor ganz Deutsch­land wurde der Beweis geführt, daß die Blutschuld eines augenfälligen Justizmords auf jenem hessischen HofgerichtsratHS Georgi lastet, welchen man dem von einigen Regierungen wie blödsinnig behandelten deut­schen Volke als Stütze der guten Sache angepriesen hatte. Um ihrer eigenen Ehre willen waren also die hessischen Behörden verpflichtet, gegen den Schuldigen einzuschreiten.

Doch was geschah?

Als einst Alcibiades eines Verbrechens beschuldigt wurde, schnitt er seinem Hunde den Schwanz ab, der des Thieres schönste Zierde war. Die Athenienser staun­ten über die Thorheit des Alcibiades und um seiner schlauen Thorheit willen vergassen sie sein Verbrechen. Als vor aller Welt bewiesen war, daß sich die hessi­schen Behörden des schreiendsten Unrechts schuldig mach­ten, wenn sie über die Blutschuld eines Georgi mit unverantwortlichem Stillschweigen weggingen, da stellten sie sich selbst beleidigt und führten den Hocuöpocus einer Injurienklage auf. Auch das hessische Ministerium Alcibiades-Du-Thil wollte durch eine schlaue Thorheit ein schreiendes Unrecht vergessen machen; es wollte zugleich das deutsche Volk und die badischen Gerichte zum Besten halten. Denn man muthet diesen Gerichten zu, die Ausdrücke des gerechtesten Unwillens über Verbrechen und Schandthaten mit verächtlicher Gefälligkeit zu Injurien zu stempeln und macht sich damit selbst der gröbsten Beleidigung derselben schuldig, indem man sie für fähig hält, daß sie in irgend einer Weise als Hehler und Begünstiger des Justizmords mitwirken könnten. Doch die badische Justiz wird sich schwerlich sehr geschmeichelt fühlen, daß sie von der j hessischen Behörde auf ein Gericht faule Fische zu Gast gebeten wurde.

Die feige Politik der Gewalthaber fürchtet vor Al­lem jeden starken, unbeugsam sesten und männlichen

Charakter. So wurde ein Weidig gequält, bis ihn ein schauerlicher Tod für immer verstummen ließ. So he fte man wohl auch, daß jene Männer, die aus einen heiß geliebten Vaterlande in einen fremden Weltthe, hinausgestoßen wurden, für immer beseitigt und ver schollen seien. Man hat sich verrechnet. Die Schänd, der geheimen deutschen Justiz ist bis in den ferner Westen Nordamerikas gedrungen; und auch von dort her erheben unsere wackeren Landsleute ihre Stimme um ernste feierliche Verwahrung einzulegen gegen di- Fortdauer der Schmach, die noch auf ihren mißhande, ten Brüdern im deutschen Vaterlande lastet.

Während das Possenspiel einer Injurienklage >.noâ nicht zu Ende ist, empfange ich, durch die zufällig ver spätete Vermittelung eines deutschen Landsmanns, ei Schreiben von Karl Zeuner auö Cincinnati in Ohn Dieses Schreiben verbreitet neues Licht über Sündei und Greuel, die man so gern in Vergessenheit bcgra bett möchte, um sich die Gelegenheit zu weiteren Schänd thaten auch für die Zukunft offen zu halten.

Karl Zeuner, aus Butzbach im Großherzogthum Hes sen, ein einfacher Handwerker und Schüler des vor ihm hochverehrten Weidig, hatte wie kein Anderer bu tausendfachen Leiden einer vieljährigen Untersuchungs hast mit heldenmüthiger Ausdauer ertragen. Als end lich die erstinstanzlichen Urtheile gegen ihn und sein politischen Mitgefangenen gefällt waren, wurde auü ihm völlige Begnadigung verheißen, jedoch um den Prei der Verleugnung seiner Gesinnung und Ueberzeugung Mit dankbarer Anerkennung der Milde, die sich in de- Handlungsweise des Großherzogs von Hessen kund tha' wies jedoch Zeuner, ebenso bescheiden als fest, die ih dargebotene Gnade zurück.

Hinter sich hatte er fünfjährige Kerkerqualen; vo sich hatte er die Aussicht auf vielleicht lebenslängliche Gc sangenschaft oder im besten Falle aus Verbannung au. dem theuren Vaterlande. Aber er wankte nicht, uni wie einst Luther, so sprach auch er:

Gott helfe mir! Ich kann nicht anders.

(Forts, folgt.)

Deutschland.

Usingen, 12. April. Der Ortövorstand und da Konnte von Wernborn haben an den Standesherrr Grafen von Waldbott-Bassenheim, folgend. Schrift, Beschwerden und Forderungen ihrer Gemeinde betreffend, übersandt:

„Der ewig denkwürdige 4. März, an dem Nassau die Frei heit sich mit edlem Muthe erkämpft, hat auch die Saiten u. serer Herzen äußerst wohlthuend bewegt und in un« den Mur entflammt, uns aus unserer Sklaverei zu erretten und zur Er iangung unserer Freiheit Gut und Blut daran zu wagen,

Wir waren bisher unter allen Sklaven D-ulsch.andè die gre­iften und gedrücktesten, denn kein Volk in ganz Deutschland war mit Abgaben und Frohnden aller Art belastet und bedrückt, w früher das Baffenheimer. Und gegenwärtig seufzen wir noch un ter einem Joche, das nicht zu ertragen ist und uns gänzlich z- vernichien droht.

Nicht genug, daß wir einen enormen Fruchtzehnten bisher ent richten mußten, — die Habsucht und List Eurer Ahnen, sowi- Eurer eigenen und Eurer Ahnen nichtswürdigen und betrügerische Beamten eine seitè, und die Gulmüthigkeit und Einfältigkeit ur serer früheren Ortsvorgesetzten andererseits, haben uns noch an­dere, schwere Lasten, von denen unsere Voreltern nichts wußten, und gänzlich befreit waren, aufgebürdet.

Ist es nicht eine unerhörte Ungerechtigkeit, daß beim Auèzehn ten unserer sämmtlichen Früchte aus dem Felde von einem Jahr zum andern, ja sogar von eincip Acker zum andern fortgezählt wird -

Ist es. ferner nicht die größte Ungerechtigkeit, daß Eure reicher Ahnen, von Habsucht zerrieben, ihren armen Sklaven von Wern, bocn den Kartoffel- und Heuzrhntcn aufbürdeten und dieselben jährlich für beide Zehnten 90 bis 100 Gulden, außer Entrichtung von 36 Zentner Heu in Natura an den Rentmeister Schaub, zu Cronderg, abgeben müssen, während unsere Voreltern davo, nichts wußten und die beiden Hessenmüller, die doch über iZ Mor gen Wiesen haben, von Entrichtung des Heuzehntenè gänzlio befreit waren?

Wo kommen denn jene 36 Zentner Heu hin?

Ist es weiter nicht eine große Ungerechtigkeit, daß man t auf unsern in der Eranèberger Gemarkung liegenden Grundstücke; gelegenen Grundzinsen auf unsere besten" in hiesiger Gemarkun liegenden Grundstücke gelegt hat, wodurch diese Grundstücke V im Werthe gesunken sind, daß bei der Versteigerung derselbe;