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feit 1815 eine einzige edle Sache, die wir nicht be­kämpft, eine einzige schlechte, die wir nicht unterstützt, eine einzige große politische Missethat, die wir nicht ent­weder angestiftet, oder an der wir uns nicht betheiligt hätten? — Rußland ist, seit cs zu einer Macht ersten Ranges sich emporgeschwungen, durch ein wahrhaft bc- klagcnswerthes Geschick, dem cs selbst zuerst als Opfer gefallen, eine Ermuthigung für das Verbrechen, eine Drohung für alle heiligen Interessen der Menschheit geworden!

Dieser abscheulichen Politik unserer Fürsten haben wir es zu danken, daß daS Wort „Russe", im offiziellen Sinne, einen Sklaven, einen Henker bezeichnet!

(Fortsetzung folgt.)

D c u t s ch l a n ö.

Berlin, 22. März. Heute fand He feierliche Be­erdigung der blutigen Opfer der Hartnäckigkeit des Königs der „lieben Herliner" statt. Die Leichen waren sämmtlich nach der neuen Kirche gebracht und die mit Blumen und Schleifen geschmückten Särge vor derselben in drei Reihen aufgestellt worden. ES waren 189 Särge mit Bürgerleichen. (Die gefallenen Sol­daten, etwa 400 an der Zahl, sind noch nicht beerdigt.) Von hieraus setzte sich um 2 Uhr der Zug unter Glo­ckengeläute und dem von einem Posaunenchor geblasenen Choral: „Jesus meine Zuversicht" in Abtheilungen von 20 — 25 Särgen in Bewegung. Eine Kette von Mit­gliedern des Handwerkervereins, Studirenden und Bür­gern hielt die freie Bahn bis zum Ort der Bestattung, dem Friedrichshain, in einer Weglänge von etwa andert­halb Stunden geöffnet. Dem Zug ging ein Trauer- Musikkorpö voran, andere Musikkorpö waren an ver­schiedenen Punkten aufgestellt. Den Särgen, welche von Gefährten oder Verwandten der Gefallenen getra­gen wurden, gingen die Angehörigen der letztem theils voraus, theils folgten sie nach. Dieselben waren in Trauerkleidung, mit grünen Kränzen in den Händen. Man sah hier Greise und Kinder) Mütter mit Säug­lingen und kräftige Männer, welche ihren Schmerz in reichlichen Thränen ausströmen ließen. Mehrere im Zuge trugen Arme in der Binde, oder hatten den Kopf, wegen der Wunden, die sie erhalten, verbunden. — Ein rührend feierlicher Moment trat am Opernplatze èin. Der weite Raum hier war unübersehbar mit Menschen angefüllt, doch in dem Augenblicke, wo die Spitze des Zuges sichtbar wurde, herrschte eine laut­lose Stille. Da stimmte von der Treppe des Opern­hauses der Dom-Chor, der daselbst ausgestellt war, den Choral: „Jesus meine Zuversicht!" an. Die sanften, schönen Klängedrangen durch die tiefe Stille, die über der Volkömasse schwebte, und bewegten die Brust mit Wehmuth und Erhebung zugleich! — Einen unbe­schreiblich mächtigen Eindruck gewährte cs, als die Rei­hen der Särge von der Abendsonne beleuchtet, die Höhe vor dem Landsberger Thore hinaufgetragen wurden, unb, ein Jeder im Stande war, den mächtigen Zug wenigstens theilweise in seiner unabmeßbaren Länge zu übersehen. Auf der höchsten Spitze der Anhöhen war eine aus vier langen unterirdischen Straßen bestehende Gruft gegraben, in welcher die Särge nebeneinander bcigesetzt und mit Blumen bekränzt wurden. Die Geistlichkeit nahm ihren Platz auf der zwischen diesen vier Straßen stehen gebliebenen Terrasse. Prediger Sydow sprach die Leichenrede, der Bischof Neander segnete die Leichen ein und das Schützenkorps gab die übliche Ehrersalve.

Der ganze Trauerzug hatte die Länge einer Meile und währte vier Stunden. Die Spitze desselben war vielleicht schon an der Gruft angelangt, als daS Ende noch in der Entwickelung begriffen war. — Der König stand, während der Zug am Schloß vorüber ging, ent­blößten Hauptes auf dem Balkon und weinte — Kro- kodillsthränen!

—. Alle Leichen der Berliner Gemordeten sind bis

auf 33 erkannt worden. Auch fünf Frauen und zwei zwölfjährige Knaben befanden sich darunter; die eine Frau war erschossen worden, während sie ihren Säug­ling an der Brust hatte. — Am meisten zeichneten sich die Särge des Regicrungs-Refercndarius v. LenSky und des Studirenden v. Holzendorf aus. Der letztere, ein schöner kräftiger junger Mann, war mitten durch das Herz geschossen; eine dreifarbige Cocarde war auf die Schußwunde geheftet.

Berlin. Einer Gesandtschaft der Hallenser erwiederte der Berliner König am 22. Folgendes: „In den letzten Tagen habe ich meinen Charakter etwas verändert; ich war kein Freund vom Versprechen; was ich that, hatte ich selten versprochen. In den letzten Tagen hab' ich Vieles zum Voraus angekündigt, waS ich thun will. Aber vertrauen Sie, auch das große Versprechen will ich halten".

Mainz. Das hiesige Wochenblatt enthält folgende Erklärung: „ DaS Gerolle deS Freiheitswagens er­schüttert das Vaterland, Deutschlands Volk jauchzt, — die Donaustadt folgte dem schallenden Rufe der sturm­vollen 'ewig denkwürdigen Epoche. Darum jauchzen auch wir deutschen Artilleristen Oesterreichs und bringen ein „Hoch" unsern braven Waffenbrüdern in Wiew welche, die gerechte Forderung der Zeit anerkennend dem Gelingen nicht hemmend entgegentraten. Freudig schütteln wir das Unfreie ab und bieten den biederen freien Mainzern freien deutschen Gruß. Die öster­reichische Artillerie."

Mainz, 24. März. Heute sind auS Darmstad' 1000 Stück Gewehre für die hiesige Bürgergarde an­gekommen.

Karls ruhe, 18. März. Der neue BundeStagS- gefandte, Welcker, hat auf 6000 fl. feines GehalteS verzichtet und begnügt sich mit 4000 fl. oder dem Dop­pelten seiner bisherigen Pension. Welcker hatte gestern eine zweistündige Audienz bei dem Großherzog, welcher nun eine ganz andere Ansicht über die öffentlichen Zu­stände erlangt haben soll. (Oberrh. 3 )

Karlsruhe, 23. März. Gleich dem Markgra Wilhelm sind auch jetzt der Präsident deS KriegSmini steriumS, Gencrallieutenant von Freydorff, und die Ab- geordneten Junghanns, Weizel und Trefurt der öffent­lichen Meinung gewichen.

Dresden. Für die neuliche Besetzung der preu­ßisch-sächsischen Grenze soll das preußische KriegSmini- sterium eine Forderung von 85,000 Rthlr. bei unferm Finanzminister eingereicht haben. Diese Nachricht wird als verbürgt erzählt und ebenso bestimmt hinzugefügt, der König habe beschlossen, daß der entlassene Staats­minister von Könneritz, welcher ohne Wissen und Ge­nehmigung deS Königs das preußische Militär verlangt hat, für die Zahlung obiger Summe aus seinem Pri­vatvermögen einstehen solle.

Cöln, 24. März. Ein Beispiel, wie weit sich der Haß gegen den Prinzen von Preußen erstreckt. Dem Eapitän deS Kölner Dampfboots „Prinzen von Preußen" wurde in Coblenz zu verstehen gegeben, man würd- ihm die Radkasten seines Bootes zerschlagen, wenn er ferner noch diese Inschrift darauf tragen würde. Die­sem Nebelstaude abzuhelfen, trägt er nun statt der vorigen Inschrift auf jedem Radkasten eine große deutsche Cocarde.

Vom Thüringer Walde, 19.März. (Bremer Z.) I. Meyer 'zu Hildburghausen, der von dem Bundestage im Jahr 1832 für „mundtodt" erklärte Redakteur deS VolkSsreundes hat in einer Adresse an seinen Landes­herrn die politischen Bedürfnisse und Wünsche des Volks in einer Weise ausgesprochen, daß dieselbe unbedingt zu dem Besten gehört, was in dieser Beziehung neuerdings zu Tage gefördert worden ist. Unter andern bemerkenS« werthen Vorschlägen fordert er auch: Postporto-, Speditions- und Stempelfreiheit für alle im Bundesgebiet erscheinenden Zeitschriften. Denn — sagt er — „die tägliche Nahrung des Volksgeistes und der Volksbildung muß künftig so unbesteuert seyn, wie die