Wissens- und Cultusfreiheit , Associations - und Vcr- fjmmlunßSrc^t, freies Aufenthalts- und Niederlassungsrecht in ganz Deutschland, Recht deS Waffenbesitzes. Keine deutsche Regierung kann fortan ein eigenes stehendes Militär haben, dagegen ist jedes Land zur Organisation der Landwehr verpflichtet; keine Regierung wird fortan eigene Gesandte im Ausland haben. DaS deutsche Parlament besteht aus zwei Kammern, einer Fürsten- kammer und einer Volkskammer. Beide Kammern haben gleiche Rechte, jede namentlich das Recht der Initiative. Beide Kammern halten ihre Sitzungen öffentlich. In beiden entscheidet die Stimmenmehrheit; Einhelligkeit der Stimmen ist zu keinem Beschluß erforderlich. Beide Kammern zusammen haben das Recht der Gesetzgebung und Beschlußnahme in allen Bunbessachen, wobei übrigens die Partikulargesetzgebung der einzelnen Länder fortbesteht. Die Kammer der Fürsten wird, vorbehaltlich etwaiger Abänderungen, welche von ihr selbst beantragt würden, zusammengesetzt, wie es der bisherige Bundestag war. Sie wird von den Fürsten selbst oder deren Gesandten besucht. Letztere dürfen nicht zur Jn- struktionseinholung verbunden werden. Die Kammer der Volksabgeordneten wird vom Volke selbst in Dop- pelwahlen, nicht von den einzelnen Ständekammern, gewählt. Auf 50,000 Seelen kommt ein Abgeordneter; 'derselbe wird auf 3 Jahre gewählt. Das Parlament tritt alle Jahre zu einer Sitzung von höchstens 3 Mo- naten an einem bestimmten Tage, dem 15. November, zusammen; das Parlament hat jedoch in dringenden Fällen das Recht, sich zu verlängern. Zum Vollzug seiner Beschlüsse erwählt das Parlament ein Bundeö- Haupt aus den Fürsten auf 3 Jahre. Der Bundesfürst umgiebt sich mit verantwortlichen Ministern; unter ihm stehen die Bundesbeamten, daS deutsche Heer, die deutsche Flotte. Zum Schutz der deutschen Bundesverfassung so wie der einzelnen Landesverfassungen wird ein Nationalgerichtshof bestellt, bestehend aus 25 auf 15 Jahre gewählten Räthen, wovon 8 von der Fürstenkammer, 8 von der Volkskammer und die übrigen 9 von jenen 16 ernannt werden. Der Nationalgcrichtshof bildet zugleich auf Anrufen das Schiedsgericht bei Streitigkeiten, die zwischen einzelnen Bundesstaaten unter sich, oder zwischen einzelnen Bundesregierungen und deren Landständen entstehen."
Breslau. Die hiesigen Einwohner haben am 17. d. erwirkt : Beseitigung deS Militärs und der Polizei, Volksbewaffnung und Befreiung der wegen angeblicher Majestätsbeleidigung vor einigen Wochen verhafteten Gebrüder Hoffmann ES war eine Revolution, aber eine besonnene, ruhige, auf sogenannt gesetzliche m Wege.
Wien, 18. März. Leider herrscht in den Ortschaften Fünf- und Sechshaus, Simmering, Meidling u. s. w. vor der Mauthlinie die gräßlichste Unordnung, die von der Fabrikbevölkerung zur Plünderung benützt wird. Militär und Nationalgarde mußten viele Plünderer erschießen und niederstechen, und stündlich werden Banden dieses Raubgesindels eingebracht, die bei der Ueberfüllug dër Gefängnisse in Speichern und im Liguorianerkloster untcrgebracht werden, dessen Bewohner das Weite gesucht haben. Die Zahl der Eingebrachten soll sich auf 1200 belaufen. Mehrere , abriken sind gänzlich zerstört worden.
Italien.
Rom, 13. März. Die Jesuiten verlassen Italien! Der Papst hat dem Jesuitengeneral Root- Han erklärt, daß bei der Stimmung des Volkes, bei denn gänzlichen Mißkredit des Ordens, sowie bei der bevorstehenden Ertheilung einer Verfassung zur Vermeidung von Ercessen rathsam, ja unbedingt nothwendig sei, daß der Orden den Kirchenstaat verlasse. Der General sah dies um so mehr ein, da ihm gleichzeitig von dem König von Neapel angekündigt ward, die Jesuiten auS diesem
Königreich abzuberufen. Es wird denselben nun nichts übrig bleiben, als ganz Italien zu räumen.
—. Nach einem Schreiben aus Bern vom 21. März hat der Staatsrath von Tessin an den Vorort berichtet, daß die ganze Lombardei in vollem Aufstand und die österreichischen Behörden aus den an der Schweizergrenze liegenden Städten verjagt seien.
F r rt n f r c i ch.
Paris. Der National begrüßt das neue regcnerirte Oesterreich mit lebhafter Sympathie; „Metternich, ruft er aus, ist besiegt worden und mit ihm der Despotismus des Nordens. Polen wird sich wieder erheben, und die Polen werden Hand in Hand mit den Deutschen und Franzosen die Russen und ihren barbarischen Despotismus nach Asien hinüberdrängen. Auch Italien ist frei, das ihm fortwährend an die Kehle gesetzte blutige Messer fällt aus den Händen der Henker. — Ja, von Oesterreich, von dem freien Oesterreich aus wird die Quelle der Freiheit für ganz Deutschland, für Polen und Italien strömen." — In gleichem Sinne ist die Sprache der andern Journale. — Alle sehen in der Wiedergeburt Oesterreichs die sicherste Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens.
t^r* Das gestern mitgetheilte Gerücht, der König von Preußen sei als Opfer der Blutrache gefallen, welches hier mit der Ankunft eines Kuriers aus Berlin in Verbindung gebracht wurde und deßhalb allgemeinen Eingang fand, scheint sich nicht bestätigen zu wollen. Im Gegentheil soll auf telegraphischem Wege in Köln die Nachricht eingetroffen sein, daß Friedrich Wilhelm am 22. d., geschmückt mit den deutschen Farben (deren Träger sonst für H o ch v e r r ä t h e r galten) durch die Stadt geritten sei. — Daß erwähntes Gerücht übrigens solchen willigen und allgemeinen Glauben fand, ist nach den in Berlin vorgefallenen Mordscenen nicht zu verwundern, und beweist obendrein noch die Wahrheit des bekannten Satzes, daß der Mensch gerne glaubt, was er wünscht.
— Mitbürger! Wohl ist die Entrüstung gegen ein so lange bestandenes Unterdrückungssysten gerecht! Wohl fühle ich's, daß sich durch die Rückerinnerung an jene verhaßte Zeit ein unbegrenzter Haß auf Personen entladet, die nie daran dachten im Menschen, sei er Bettler oder Fürst, das Ebenbild Gottes anzuerkennen. Und dennoch bin ich tief betrübt, daß sich deutsche Männer auf solche Weise, wie es jetzt schon mehrmals geschehen, für erlittene Schmach zu entschädigen suchen; obgleich auch mir jene Zeit nur Dornen trug, die mir sogar jetzt aufs Neue von Solchen wieder gesäet werden, von denen ich dieses nie geahnt hätte.
Des Menschen edelste Himmclsgabe ist die Liebe, sie versüßt alles, ja sie macht selbst ein oft uns zugefügteK Unrecht vergessen! —
In jedes Menschen Brust wird sie bei der Geburt von dem Schöpfer tief eingeprägt; laßt sie, meine Brüder, bei jeder Handlung, die Lenkerin sein, und ihr werdet dann im eigenen Bewußtsein den süßesten Lohn finden.
Es wäre wahrlich schade, wenn unsere so schön errungene junge Freiheit zu einem Fratzenbild umgestaltet würde, dessen trüber Blick weit in die Gauen Deutschlands, vor dem wir, mit einem hochherzigen Fürsten an der Seite, groß dastehen, dunkele Schatten verbreitete !!
Ich rufe dies Euch als ein Euch liebender Bruder zu. G e o r g B ö h n i n.g. -
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