Wien, Oestreich, Deutschland sind frei! — Dieß läßt sich nach der hochherzigen Erhebung der Wiener mit Recht sagen. — Diese energische Erhebung der sprüchwörtlich gewordenen gemüthlichen Wiener — dieses Volkes, von dem man noch kürzlich allgemein zu behaupten wagte, es werde ruhig bleiben, wenn es nur „Knödel und Schauspiele" habe, wenn es nur Sonntags tanzen könne nach Lanner oder Strauß — dieses Volk hat es am ersten Tage seiner glorreichen Erhebung dahin gebracht, daß Erzherzog Albrecht, daß Metternich nach seiner Pfeife tanzen und ihrer Stellen entsetzt Wien verlassen mußten. Weitere Folgen dieser Erhebung sind die Zugeständnisse der Gewährung der Preßfreiheit und der Bürgerbcwaffuung, sowie einer freisinnigen Verfassung für das ganze Reich.
Möge der ehrgeizige König von Preußen sich ein Beispiel nehmen, auf welchem Wege noch Ruhm für ihn zu hoffen ist. Möge er die Bitten feines Volks um Gewährung der seit länger als dreißig Jahren vorenthaltene Rechten nicht mit blanken Waffen beantworten, oder in einer nichtssagenden Proklamation die Sache auf die lange Bank schieben und dabei noch von „Vorangehen" faseln. Jetzt ist eS Zelt zu gewähren oder zu — entsagen. Der König von Preußen hat seine Stellung und seine Zeit schlecht begriffen, sonst hätte gewiß nicht an drei verschiedenen Abenden (13., 14. und 15. März) die Kavallerie scharf einhauen dürfen — und wenn eS auch nur Pöbel gewesen ist, der ungestüm auf die Erfüllung seiner Forderungen drang; wenn auch die besonneneren Bürger sowie die Masse von Hoflieferanten, vom Hof-Juwelier bis herunter zum Hof-Seifenfabrikanten und Lichterzieher, sich der Bewegung noch nicht unmittelbar angeschlossen hatten , so mußte ihm doch durch die von allen Seiten einlaufenden Adressen, die nirgends vom sogenannten Pöbel ausgingen, der Wille des Landes hinlänglich bekannt sein, und er konnte die Gesinnung der Residenzler nicht für diejenige des ganzen Volkes nehmen, so wenig dieS bei Dresden, Karlsruhe :c. rc. der Fall ist oder war.
An Nassau's Wchrmänner.
Schon fünf nnd dreißig Jahr' entfloh'n, Seit Deutschland fremdes Joch gebrochen! Sein Herzblut strömte und der Lohn War Schmach, statt dem, was man versprochen! Ein schnödes Diplomatenheer
Gedachte früh'rcr Noth nicht mehr;
Es knechtete erkämpftes Recht Durch schlau gewob'nes Truggeflecht! —
Heil uns, es stand im Schicksalsbuch, Daß endlich sollt' die Kette brechen! Entschleiert ward verkappter Trug, Doch sah man nicht das Volk sich rächen. Vergessen war die früh're Schmach;
Ein Heer selbst, das in Kerkern lag, Weil es für Mensch enr echte stritt, Vergaß, wie schmachvoll einst es litt!!
Der folgenreiche vierte März
Er brauste an mit mächtigen Schwingen — Durchbebte jedes Wackern Herz,
Verletzte Rechte zu erringen.
Der Fürst erkannte seine Zeit
Und träufle Balsam auf das Leid, Erfüllt' bescheid'ne Wünsche gern: Hell strahlt er drum als Deutschlands Sterr!!
Groß steht drum Nassau vor der Welt
Mit seinem Adolph an der Spitze!
Ihn, der, erglüht, voran sich stellt, Als ihn durchzuckt der Wahrheit Blitze!
Er schaare Nassau's tapf re Reih'n, Nehm' seines Ahnherrn Rechte ein: Erkämpfe Adolphs Kaiserthron!
Geraubt durch schnöden Pfaffenhohn. —
Was uns sein Ehrenwort verheißt, Verwandelt Nassau's Schmerz in Wonne;
Sein männlich-ritterlicher Geist Strahlt aus der Freiheit goldner Sonne. Drum Waffenbrüder, wenn es gilt, Steht bis das Herzblut sprudelnd quillt!! Bewahret in des Kampfes Wuth Den angestammten Heldenmuth !!!
Georg Böhning.
Dee Volksfeeund
erscheint seit dem 10. März täglich, mit Ausnahme des Montags, und wird hiermit Jeder, der Antheil an den jetzigen Zeitereignissen, sowie an dem Wohl und Wehe unsers Vaterlandes nimmt, aufgefordert, sich durch passende Einsendungen, Vorschläge und Wünsche an unserm volksthümlichen Unternehmen zu betheiligen.
Der Preis des Volksfreundes bis 1. Juli d. J. ist in Wiesbaden ff. 1. 45 kr. Für Auswärtige kommt hierzu noch der Poftauffchlag.
Die Abnehmer des Volksfreunds erhalten unfehlbar vor dem 1. Juli ein wohlgetroffenes Bildniß unsers Volksmannes H e r g e n h a h n als unentgeltliche Beigabe.
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(5) Strohhüte werden zum Waschen und Umändern angenommen bei C. Reumann,
Häfnergasse Nro 20.
(4) Auf dem Heidenberge Nro. 47 ist im zweiten Stocke eine Familienwohnung, bestehend in 3 Zimmern, Küche, Keller und Holzplatz zu vermiethen und den 1. April auch später zu beziehen. (3) Diejenigen Abonnenten, welche den Dolksfreund abholen lassen, können denselben falls es ihnen! bequemer ist, auch in der Schreibmaterialienhandlung von G. PH. Lippe in der Goldgasse in Empfang nehmen. Ebenfalls sind daselbst einzelne Nummern zu 3 kr. zu haben.
Cours der Geldsorten.
Frankfurt, 16. März 1848.
ft.
kr.
Neue Louisd'or .
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11
5
Friedrichsd'or .
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9
51
Ducaten ....
5
37
20 Frank-Stücke .
9
35
Holländische 10 ft. Stücke .
10
2
Englische Souveräns . •
12
—
Laubthaler . .
2
43-/t
Preußische Thaler.
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Berichtigung. In Nr. 9. des Volksfreunds, Seite2, Spalte 1, Zeile 4 v unten soll es heißen: „Man mahnt hierin den König, nicht mehr rc."; ferner Seite 3, Spalte 1, Zeile 19 soll es heißen: „dessen Ursache die LeipzigerDeputation werden könne." Einige Bnchstabenfehler beliebe man selbst zu verbessern.
Verantwortlicher Redacteur: Lippe. — Druck der J. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.
