rohe Haufen die ordentlichen Bürger zum Mitgehen gezwungen hatte, und diese für die Handhabung derselben soviel alS möglich Sorge trugen. Die Rentbeamten mußten sich größtentheils flüchten, da sich dieselben wegen deS lästigen Einzugs der alten Abgaben und der daraus entstandenen vielen Prozesse den bittersten Haß zugezogen hatten. Es sind nun sämmtliche Feudallasten, die den Odenwald so hart drückten, aufgehoben. Das von Baden, Baiern und Hessen gesandte Militär ist an einzelne Orte vertheilt; hat jedoch keinen anderen Beruf alS weiteren Unruhen vorzubeugen, da die Hauptsache jetzt geschehen und die Ruhe soweit wiederhergcstellt ist. Man freut sich allgemein dieser glücklich beendigten Revolution, denn der Odenwälder hat im Revoltiren keine Uebung, und bei dem so stark hcrvortretendcn Stand der Besitzlosen konnte nur daö Eigenthum Anderer in Gefahr gerathen.
Italien.
In Neapel schwur der König mit seiner Familie, mit seinen Ministern auf die neue Verfassung, in Turin rüstet man Konftitutionsfeste, Florenz beschäftigen ähnliche Freudcnsorgcn, Rom erwartet in froher Spannung das Morgenroth deö neuen konstitutionellen Lebens. Welch ein Kontrast in dem österreichischen Italien, ModenaS und Parmas nicht zu gedenken. Die lombardischen und venetianischen Städte umdüstert die tiefste Trauer. Hier findet der Völkerjubel in Sardinien, dem Kirchenstaate, in Toskana und Neapel kein Echo. Statt deS Hofdekrets, daS die Koncessionen brächte, um welche die Ccntralkonkregationen gebeten, Koncessionen, die sich weder zu einer Konstitution, noch zur Preßfreiheit verstiegen, sandte man von Wien ein Martialgesetz, ein ganz neu geschmiedetes, specielles Martialgesetz, noch schrecklicher, noch umfassender, als daS im Strafgesetzbuch enthaltene! Statt der Friedensboten von der Donau, die den wirren Knoten der drohenden Verwickelungen im Geiste der Zeit menschlich lösten, läßt man die Trommel rühren, unter deren Schall immer neue Regimenter in die italienischen Provinzen rücken. Wohin soll das führen? Um 5 Millionen zu hüten, deren überwiegende Mehrzahl, wie die Allg. Zeit, erst unlängst zuversichtlich behauptete, ganz zufrieden sein soll, bedarf man 120,000 Soldaten! Und im Schatten dieses grandiosen Bajonettenwaldes fühlt man sich noch so unsicher, daß man die Einfuhr von Sensen verbietet, daß man ein neues Armeekorps brauner Ackersoldaten in Marsch setzt, daß die Polizei einen Krieg gegen Hüte eröffnet, als ob die Telle in Italien aus dem Boden hervorwüchsen! Mailand ist ruhig, ruhig wie ein Kirchhof, auf dem eine Armee die Auferstehung der Geister verhindern soll, ruhig wie eine Bevölkerung, über deren Haupt die Damoklesschwerter der Martialtyrannei — eine Martialjustiz gibt es nicht — zweischneidig hangen.
Metternich zählt auf die Tapferkeit der österreichischen Bataillone, die freilich von ganz anderem Schrot und
I Korn sind, als-die neapolitanischen Hasenpanierhelden. Aber frommt Tapferkeit, frommt Kampflust, wenn der Krieg nicht auf dem offenen Blachfelde, wo man die Schlachtlinie frei entfalten kann, wenn er im Weichbilde der Städte, im Labyrinthe enger Straßen sich entzündet, wo jedes HauS sich zur Festung improvisiren kann, wo die Gegner unsichtbar, unerreichbar sind, das Verderben geflügelt auS der Luft kommt? Paris, Brüssel, Warschau bewiesen schon im I. 1830, daß keine Armee sich gegen einen Volksaufstand in Großstädten halten könne.
Die österreichischen Heersäulen in Italien stehen auf einem Vulkan. Im Lande stehen gegen sie im verbissenen Groll 5 Millionen, die sie verhöhnen und verachten, an der Grenze gegen Sardinien lagern 30,000 Mann Piemontesen, auf das erste Signal bereit, in die Lombardei zu marschiren und mit dem Volke gemeinschaftliche Sache zu machen. Die österreichischen Heersäulen werden nicht bewirken, was sie bewirken sollen; sie werden, sie können den erwachten Volksgeist nicht unterdrücken, sie werden, wenn er sich in Verzweiflung erhebt, unrühmlich fallen. Das sieht Jeder ein, der unbefangen die traurige Sachlage beurtheilt, der in der alten und neuen Geschichte ein untrügliches Evangelium des Weltgerichts, der Völker- und Fürstenschicksale erblickt.
Man zögere nicht länger. Man sende Friedensboten in die Lombardei, sonst wird man auf gar vielen Seiten 150,000 Mann brauchen, und auch in den übrigen Provinzen Sensen und Hüte fürchten müssen! Man wende jetzt einen Blick auf LouiS Philipp, der vom König von Frankreich zum Usurpator eines GrasentitelS herabsank, man blicke auf Guizot, der, mit dem Fluche seiner Feinde und Freunde belastet, vermummt auS Frankreich flüchten mußte! Man hat Beide verehrt, vergöttert, wohlan denn — man lerne von ihnen; ihr politisches Ende enthält bessere Lehren, als ihr politisches Wirken. (Deutsche Ztg.)
— In Berlin hat am 13. März, AbendS 8 Uhr eine wahre VolkSschlächterei stattgcfunven. Die Cavallerie sprengte plötzlich im Galopp auf den Schloßplatz unter eine Masse ruhiger Spaziergänger und harmloser Arbeiter und hieb ohne vorherige Warnung scharf ein. Männer, WUber und Kinder fielen als Opfer. Entsetzen und Verwirrung ergriff Alles; wen Klinge und Huf verschonte, suchte sein Heil in der Flucht. Auch in andern Straßen, wohin daS Volk sich theils geflüchtet, theils dichte Schaaren von Spaziergängern waren, wurde eingehauen. Keine Ursache war gegeben, ^um dieses kannibalische Würgen zu rechtfertigen. Die Erbitterung ist unbeschreiblich. — Morgen Näheres.
— In der Metzgergasse Nro. 26 ist ein Laden mit vollständigem Logiâ vom 1. April an zu vermiethen. Näheres bei
H. Profitlich, Nro. 27,
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