zu erscheinen, weil Diez in der letzteren Zeit durch sein Betragen dies verschuldet habe.
t Braubach, 23.Dez. Vorgestern wurden hier 8 Ge- meinderäthe gewählt; die Stimmen zersplitterten sich übrigens so, daß nur 2 Mitglieder die absolute Stimmenmehrheit er« dielten; es waren dies die Herren G. Schmidt, Buchbinder, und Friedrich Behr, Kaufmann.
Ein Mißtrauensvotum gegen den Reichstagsabgeordneten Herrn Regierungsrath Schepp, wurde dieser Tage von dessen Wähler» auch hier unterzeichnet.
Eben so ist in demselben Sinne eine Adresse an Herrn Dr. Leisler, Landtagsdeputirten, vorbereitet und unterschrieben worden, bis setzt aber noch nicht an den Addreffaten ab- gegangen.
Lebende Musterbilder zur Verunsittlichung des Volks.
Von der Lahn, den 16. Dezember.
Wenn man in Nr. 229 der Nassauischen Allgemeinen, Donnerstag den 7. Dezbr., die Eingabe des Pfarrers S. zu L. an die Ständeversammlung in Wiesbaden liest, so weiß man wirklich nicht, was man dazu sagen soll, und ist die eingeklammerte Schlußbemerkung der Allgemeinen: „Dieser Wunsch reicht beinahe an den Beschluß einer Volksversammlung in Nastätten, welcher dahin ging, den Fürsten Win- dischgrätz steckbrieflich zu verfolgen", nicht ganz richtig; denn dieser Beschluß konnte nur von ganz unwissenden, kurzsichtigen Menschen, um mich auf glimpflichste Weise auszudrücken, gefaßt werden, da Windischgrätz nicht bei Nacht und Nebel durchgebrannt und auf der Flucht war, sondern drohend an der Spitze eines zahlreichen und tapferen Heeres stand. — Mit dem Anträge des Pfarrers S. hat eö aber eine ganz andere Bewandniß; denn er stammt aus einer Familie, die bis jetzt lauter gescheite Männer, ja sehr gescheite Männer, aufweisen kann. — Was macht man nun? Erklärt man den Pfarrer S. für den einzigen Hirnverbrannten in seiner Familie, oder gibt man seinem Anträge eine andere Deutung? — Wohl Letzeres am besten; denn für's Erste will er sich nur bei seinem begründeten Bürger vereine einen immer größeren Namen machen, und das glückt ihm, da es ganz und gar den Anschein hat, als sei kein Mensch in dem Vereine, der einsehen könnte, daß der Pfarrer S. mit all seinem Gewäsche noch gar nichts bewirkt hat, daß er hiermit noch keinem armen Manne ein Stückchen Brod in's Hans schaffte, daß er dadurch den gläubigen Herzen seines Vereins moralisch und materiell nur schädlich war; für's Zweite steckt aber auch in dem unverschämten Anträge eine tüchtige Portion Tücke, weil der Herr Pastor gern sehen wollte, ob auch in der Ständever- sammlung einer wohl so dumm wäre, seiner Eingabe Gehör zu geben, etwa zu beantragen, daß dem Reichstage die Forderung gestellt würde. — Angenommen aber, diese Forderung würde an den Reichstag gestellt, was würde der alte ehrwürdige Reichsverweser sagen, wenn man ihn zum Vollzüge aufforderte? — Wahrscheinlich weiter nichts, als: „kann ich Soldaten aus der Erde stampfen? rollt mir das Geld aus den Rockärmeln heraus?" — Das hat vermuthlich der Herr Pastor nicht überlegt, oder doch wenigstens seinen Vcreinsleuten nicht gesagt.
Warum aber stellt sich der Herr Pastor nicht an die Spitze seines Vürgervcreins und wirbt noch mehr Andere dazu, um einen Kreuzzug gegen Windischgrätz zu machen? Glorreiche Beispiele, wie daS von Peter dem Einsiedler, vulgo Kuckuckpeicr, Li den Kreuzzügen (jedoch ohne weitere Vergleichung), hat man ja.
Das Verfahren von Windischgrätz soll hierdurch gewiß nicht gebilligt, nicht einmal bemäntelt werden. Es war der
Art, daß das härteste Herz dadurch gepreßt wurde. Dem- ohngeachtet bleibt der Antrag des Pfarrers S. nicht nur ein abenteuerlicher, von Vernünftigen unsinnig genannt, sondern auch ein, wie schon oben angedeutet, sehr selbstsüchtiger, wodurch er abermals sehr schädlich auf's Volk eingewirkt hat. Die Lahnbotin, mit ihrer guten geläufigen Zunge, hat den Herrn Pastor schon längst gehörig zu würdigen gewußt.
Nun noch eine Bitte. — Wenn der Herr Pfarrer S. auf irgend einen Artikel, der ihm etwa nicht angenehm ist, erwidern will, so thue er dies gefälligst nicht mehr durch die „Freie Zeitung", weil diese — Opposition gegen ihre Corre- spondenten nicht annimmt, dies wenigstens früher nicht that, sondern durch die „Nassauische Zeitung", die, wohk schon dem Einsender dieses zu Gefallen, dem Herrn Pfarrer ihre Spalten dafür öffnen wird, und es soll ihm auf Alles gehörig gedient werden. HH.
Tagesgeschichte.
Deutschland.
Oesterreich. Kremsier, 22. Dezbr. Strobach ist wieder zum Präsidenten deS Reichstags erwählt,. Durch Beschluß desselben ist dem Finanzminister ein Credit von 80 Millionen eröffnet. Der Reichstag hat sich aus 14 Tage vertagt.
Olmütz, 20. Dezbr. Der Kaiser hat an die Serben unterm 15. Dezbr. ein Patent erlassen, worin er die oberste Würde des Patriarchats wieder herstellt, und dieses auf den Erzbischof von Karlowic (Joseph Rajacic) überträgt. Ferner wird dem zum Wojwoden der serbischen Nation erwählte Ge» neralfelvwachtmeister Stephan Sublikac de Vilez unter Wiederherstellung dieser altgeschichtlichcn Würde bestätigt.
— In Olmütz ist eine Deputation ungarischer Magnaten angekommen , sie wollen den neuen Kaiser begrüßen. AlS sie in den Bahnhof einfuhren, lagen gerade die „ebenfalls heute angekommenen ungarischen Gefangenen dort, 760 Mann, durchgefroren, ausgehungert, kaum gekleidet, viele ohne Schuhe — ein jammervoller Anblick.
Preußen. Berlin, 22. Dez. Dr. Jacobi ist mit einer Geschichte der Coutrerevoluiion beschäfiiet ; er will darin nachweisen, wie in früher Zeit bereits vom Hofe und einer freiheitsfeindlichen Partei Machinationen angelegt worden seien, um die im März bewilligten Freiheiten wiederum zu verkümmern. Der A -geordnete D'Ester arbeitet einerseits an einem Rechenschaftsberichte über die Thätigkeit der Linken in der Nationalversammlung, andererseits an einer Bro- chüre: „Warum nennen wir uns Demokraten?" die tiefere Einblicke in die Zwecke der demokratischen Partei verspricht.
Berlin, 22. Dez. Die „Spener. Ztg." will wissen: Sobald Oesterreich seine Loösagung von Deutschland offiziell ausgesprochen haben wird, werden auch die österreichischen Truppen, welche jetzt die deutschen Bundesfestungen Mainz und Landau milbesetzt halten, dieselben räumen.
Berlin, 23. Dez. Der seitherige Oberbefehlshaber der Marken, General v. Wrangel, ist zum konimandirenden General der Rheinprovinz und zum Befehlshaber der dort aufzu stell enden Armee ernannt. Die Regierung scheint einen Krieg mit Frankreich für nicht ganz unwahrscheinlich zu halten. Zum Nachfolger Wrangels ist General v. Colomb, jetzt Kommandirender in Königsberg, ernannt. — Der Gesandte Frankreichs, Hr. Arago, wird Berlin verlassen und Hrn. Cremieur zum Nachfolger erhalten.
Berlin, 24. Dezbr. Dem Vernehmen nach ist bereits 1 Million bewilligt zum Ankauf von Pferden für die Ausrüstung des an der Westgränze aufzustellenden Armeecorps.
