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deutschen Lande getrieben habe. Nach solchen Opfern dürfe man nicht undankbar sein. Ein großer Tbeil Deutschlands wünsche den Frieden; in den Herzogchü- lnern werde er ersehnt; diese Sehnsucht müsse mit der Ehre und Wohlfahrt der Nation vereinbart werden. Das bezwecke jedoch der Majoritätsantrag nicht, welcher vielmehr auf ein Zerreißen der deutschen Einheit hiuausgchc. Der Redner, welcher gegen die Trennung der holsteinischen von den schlcöwigschcn Truppen und" gegen die Aufhebung der durch die provisorische Regierung erlassenen Gesetze sich ausspricht, beantragt mit den Abgeordneten Dropsen, Michelsen und Neergaard, die Neichövcrsammlung möge beschließen: 1) Die Vollziehung des Waffenstillstandes zu Malmö vom 26. August k. I., soweit solcher nach der gegenwärtigen Sachlage noch ausführbar ist, nicht länger zu hindern. 2) Die provisorische Centralgewalt aufzusordern, die geeigneten Schritte zu thun, damit auf den Grund der, tänischcrscits amtlich erklärten Bereitwilligkeit über die nothwendigen Modifi cattonen des Vertrags vom 26. August d. Z. baldigst eine Verständigung eintreie. 3) Die provisorische Cen- tralgewalt aufzufordern, wegen schleuniger Einleitung von" Friedensunterhagdlungen das Erforderliche wahrzunehmen.
v. Maltzahn, aus Preußen, welcher heute seine Jungfernrede hält, tritt aus Besorgniß für das Vaterland gegen den Mehrheitsantrag in die Schranken. Wenn auch der Beschluß vom 5. September Moltkes Rücktritt zur Folge gehabt habe, was jedoch (gegen Eisenmann gewendet) nicht wohl möglich gewesen, da solcher bereits am 4, geschehen, so sei es doch That- fache, daß die deutschen Gesandten an auswärtigen Höfen seitdem mißliebig angesehen würden. Den Waffenstillstand anlangeud, müsse jeder derartige Vertrag so gefaßt sein, daß der Status quo nach dessen Ablauf, wie bei seinem Abschlusse, wieder hergestellt werde. Dieser Fall aber trete mit Dänemark erst zu Ende des Winters ein. Der Redner beantragt: in Erwägung, daß der Waffenstillstand in wesentlichen Punkten als unausführbar sich darstellt, theilweise aber schon aus- geführt ist. beschließt die Reichsversammlung: 1) daß der Waffenstillstand von Malmö weiter nicht beanstandet werde; 2) die Centralgewalt aufzufordern, über die der dänischen Krone zuzustellende Notisieation und über die mit der dänischen Regierung einzugehcnden Friedensunterhandlungen der Nationalversammlung geeignete Vorlage zu machen.
v. Hermann aus München: Unbedeutende Ursachen haben in der vorliegenden Frage zu großen Verwickelungen geführt. Vor allem ist hierunter die Art der Ausstellung der Vollmacht ohne Vorbehalt und Genehmigung des Neichsverwesers und der National- -»ersauimltMZ-W-»*rst»hei!; -de« z^mr^g der Umstand, daß man einen Bevollmächtigten in der Nähe der Unterhandlungen geschickt hat, leider aber nicht so nahe, daß er alle Vorgänge hätte mit ansehen können. Wie konnte das Ministerium einen Vertrag annehmen ohne Nennung des Reichsverwescrö als Pasciscenten, was dec Würde des Reiches angemessen gewesen wäre? In diesem Falle war das Urtheil nicht in suspenso zu lassen, sondern cs mußte der prcuß. Regierung gesagt werden, daß der Waffenstillstand nicht ohne Ab- änderung genehmigt werden könne. Wäre nur erst der Vertrag ins Reine gebracht worden, die preuß. Staatsmänner hätten ihn gewiß modiffcirt. Hier handelt es sich lediglich um die Eitelkeit einiger Minister. Oder soll etwa der König von Preußen des ungeschickten Vertrags wegen angefochten werden, den einige seiner Unterhändler geschlossen haben? Gerade in der Nichtratification liegt die Ehrenrettung Preußens. Man hat gesagt, daß auch die Nachfo.ger des abgetretenen Ministeriums mit Gewissenhaftigkeit zu handeln hätten. Man kann aber auch mit dem besten Gewissen Mißgriffe machen, und mich die Nachfolger- werden dies thun. (Heiterkeit.) Sie wissen, daß ich für die Nichtgcnehmigung dcS Waffenstillstandes bin. Doch ist noch eine Ausgleichung möglich. Welche Mo- disicationen Preußen machen könne, um eine Ausgleichung herbeizuführen, darüber habe ich Hrn. Camphausen befragt, und ihn zu der Erklärung willfährig gefunden, daß die prcuß. Regierung anerkenne, sie habe den Vertrag nicht für sich, sondern im Namen der provisorischen Centralgewalt abgeschlossen. In Betreff der Nichterwähnung unserer Ratification und der Abänderung gewisser Artikel sollen nur Modalitäten bei der Ausführung eintreten. Zur Ausführung dikfcs Vertrags erwog ich bie Stimmungen dieses Haufes. Ich habe keine Hoffnung dafür gefunden. Ich trete daher von diesem Standpunkte zurück und stimme sur den Majoritätsantrag. Die Frage, wie sie vorliegt, ist nur eine Ministerkrisis, ist sie vorüber, so hat die Sache ein Ende, und man kann-die Waffenruhe ein - treten lassen. Die Ehre der Regierungen iftjn diesem Falle nicht betheiligt. Was in Preußen sich knud gibt, ist eine zu weit getriebene Tugend. Ich glaube überhaupt an keinen Krieg deutscher Stämme. Wir repräsentiren dieselben; und haben wir denn eine fo große Feindschaft gegeneinander im Leibe? Wer einen solchen Krieg anfinge, dem würde die Centralgewalt als Bundesgenosse die Herzen und die Geister aller derer, welche Einheit und Freiheit wollen, entgcgcnstcl- len. (Beifall.) Man würde es bald bereuen, den Krieg angefangen zu haben, und einsehen, daß man den Feind bei sich selbst hat. Den Waffenstillstand, der in ungeschickter Weise geschlossen worden, schließen wir geschickt, und wenn die Dänen sich nicht scheuen, den Krieg fortzuführen, so werden die Deutschen ftch auch
nicht fürchten, ihn fortzusetzen. Man spricht von einem europäischen Kriege. Das glaube ein Anderer! Man macht wohl grimmige Gesichter, doch zum Losschlagen kommt es noch nicht. Bricht dcr Krieg mit Dänemark aus, so liegt darin eine neue Kräftigung der Nation. Dann müssen wir den Krieg wollen, aber auch die Freiheit. Nehmen wir ein Beispiel an Dänemark. Selbst durch die Vertheidigung seines Un- rechts hat es sich Achtung zu verschaffen gewußt. Rüsten sie sich, daß nicht ganz Europa ruft: „Ihr Deutsche seid ein Kinderspott!" (Beifall.)
v. Schmerling: Ich habe nicht die Eitelkeit, mein Benehmen als Beispiel Anderer aufzustellen. Doch wäre es zu wünschen gewesen, mein Vorredner hätte erklärt, in welcher Eigenschaft er gesprochen, ob als Abgeordneter oder als Mmistcrcandidat. Es ist mir eine neue Erscheinung, daß der Bevollmächtigte Preußens bereit ist, einem Abgeordneten anscheinend officielle Erklärungen zu geben. Man hat getadelt, daß tm Waffenstillstandsvertrag der deutsche Bund als handelnde Person ausgetreten, ohne zu bedenken, daß für Dänemark kein Reichoverweser bestand, weil dessen Regierungsantritt der dänischen Krone nicht notifieirt war. (Stimmen: „Das ist Ihre Schuld!") Einem Feind, mit dem man im Kriege begriffen ist, schickt man keine Notificationen zu. Darum mußte die Vollmacht in der gegebenen Art ertheilt werden. Der Redner vor mir hat die Behauptung ausgestellt, als ob diplomatische Verhandlungen gleich freundschaftlichen Gesprächen abgemacht würden, wie wenn die Commu- nication zwischen Frankfurt und Berlin jener -zwischen Frankfurt und Sachsenhausen gleich stände! Ich bin der Ueberzeugung, daß das Reichsministerium seine Pflicht gethan haben müsse, denn die Herren, welche es sich zur Aufgabe machen, jeden Schritt zu untersuchen, würden auch nichts Besseres zu thun gehabt haben. Beifall auf der Rechten; Zischen auf der Linken.) Vertagung. Schluß der Sitzung 2 'H Uhr Nachmittags. ____________
Nassauisches
D Kammer - Verhandlungen.
44. Sitzung.
Wiesbaden, den 16. September.
Haupinhalt:
In der heutigen Sitzung wurde zuerst das Zehntab- lösungSgesetz in seiner Schlußredaction verlesen und genehmigt. Darauf wurde in der Berathung des Gemeindegesetzes fortgefahren, und berathen die §§ 46, 47, 48, 49, 50, 51 , 52. Die Abstimmung über den H 02 wux'tc auf di« nächst« Silang verschoben Am. Schluß der Sitzung wurde eine neue Wahl des Vorsitzenden vorgenommen und wiederum Wirth gewählt.
Tagesgeschichte.
Deutschland.
Nassau. D Wiesbaden, 15. Sept. Wir wohnlen gestern Nachmittag der Prüfung der 5. und 6. Classe der Gpmnasialschüler bei, und wenn wir mit Freude die Gründlichkeit bemerkten, mit welcher Geographie und Geometrie durchgegangen wurden, so staunten wir über das Weglassen der Religion, Geschichte, iodien und lebenden Sprachen. Können die Herren Lehrer, die, beiläufig gesagt, der Prüfung volle Auf- mcrlsamkeit schenkten, mit den betreffenden Schülern im Ganzen zufrieden sein, und finden sie es daher auch für überflüssig alles Erhebliche im Stunden-Kata- log zu berühren, so muß sie die gänzliche Nichtbeachtung ihrer mühevollen Strebungen von Seiten 0er höchsten Behörden, der Geistlichkeit und der Eltern nicht allein tief kranken, sondern auch ein Nebengruno sein, warum die erwähnten wissenschaftlichen Gegenstände nicht zur Sprache, resp, zur Prüfung gebracht wurden. Wir hofften auch hier einige Abgeordnete zu finden, sahen uns aber getäuscht. Diese totale Vernachlässigung eines der wichtigsten Institute Nassaus, ist nicht allein betrübend, sondern in der That unverzeihlich, und kann nur einen verderblichen Einfluß auf Lehrer und Schüler üben, dessen Folgen in nicht gar ferner Zukunft Früchte tragen dürften. Etwa unterbliebene Einladungskarten an die Eltern begründen keine Entschuldigung indem jene, nicht üblich — wenn auch anzurathen sind. Die Schüler setzten bis letzt ihre Eltern oder Vormünder von dem Zeitpunkte der Prüfung in Kenntniß, und das genügte; ob aber die Lanvesbehörden davon offieiell zu unterrichten sind, wissen wir als Fremder nicht. Leider findet man abcr pit dem Monate Maerz mehr Muße zum Besuche politischer Verhandlungen, die oft nur zu eitlen Zwecken abgehalten werden, als Zeit zum Betreten von Prüfungslocalen, die alle sechs Monate aus einige Stunden nur Gelegenheit geben, sich von den Kennt Nissen, den Fortschritten der Jugend zu überzeugen, und wo Eltern oft auch den Beschluß faßen konnte», entweder ihre Kinder der Wissenschaft zu erhalten oder dieselben einer anderweitigen Beschäftigung »u "bitweisen. Mögen diese Zeilen so wohlwollend ausge- nommen werden, als sie herzlich gemeint sind und auch auf Institute des Auslandes Anwendung finden, denen auch eine beachtungswerlhere Theilnahme von retten der betreffenden Staatsbehörden, der Eltern und Vormünder zu wünschen ist. Dem Lehrcr-Collegmm aber unseren hochachtungsvollen Gruß •
Oesterreich. Wien, 9 Sept. Die „Allg. Oc- sterr. Ztg." enthält folgenden Artikel: Es verbreitet sich das Gerücht, Erzherzog Ludwig sei heute in Schönbrunn eingetroffen. Sollte sich dasselbe bestätigen, was wir kaum glauben, so können wir uns nicht verhehlen, daß die Folgen dieses Schrittes bcsorgiußcrrcgend sein würden. Unser Publikum hat die letzte Vergangenheit noch in zu gutem Andenken, als daß es die Entfernung des Erzherzogs nicht allein wünsche», sonder» auch anstreben werde. Die Zeit ist noch viel zu kurz, in welcher die Intriguen der Camarilla auS dem Munde des Volkes einigerinaßen verschwunden sind. Die Ankunft des Erzherzogs wird aufs Neue den Glauben an Reaction Hervorrufen und die Ruhe der Stadt gefährden. Wir können daher im Interesse der ganzen Ration nur wünschen, daß sich dieses Gerücht nicht bestätige.
— In Folge der Beschlüsse des Wiener Reichstages (über den Kudlich'schen Antrag) ist eine kaiserliche Verordnung über die Aufhebung des Unterthä- nigkeitsbandcs und v-e Entlastung des bäuerlichen Besitzes erschienen, deren beide ersten §§. lauten: „Die Unterthänigkeit und das schutzobrigkeitliche Verhältniß ist sammt allen, diese Verhältnisse normirenden Gesetzen aufgehoben, — Grund und Boden ist zu entlasten; alle Unterschiede zwischen Dominiäl- und Rustiealgrün- den werden aufgehoben." Für alle aus dem persönlichen Unterthansverbande, aus dem Schutzverhältniffe, Dein obrigkeitlichen Jurisdienonsrechte entspringenden Rechte tritt keine Entschädigung ein; für solche Arbeitsleistungen und Abgaben, welche der Besitzer eines Grundes als solcher Dem Gutsherrn zu leisten hatte, soll eine billige Entschädigung ein treten. — Bis zur Einführung der Lanvesbehörden führen die Patrimonial- behörden die Gerechtigkeit und die Verwaltung provisorisch fort.
Preußen. Berlin, 12. Sept. Wenn man den, von Beckeraths Freunden gcäußertcn Vermuthungen folgen kann, so ist derselbe nicht gesonnen, sich der Bildung eines neuen Ministeriums zu unterziehen. Sollte sich dies bestätigen, so könnte man Beckeraths Handlungsweise nur billigen. Hr. Mewissen soll bereits seinen Eintritt in das Ministerium ciilschiedcu abgc- lehnt haben.
— Ein Mauer Anschlag verlangt von dem künftigen Ministerium; 1) Erfüllung der gerechten Forderungen des Volkes; 2) Freiheit! Freiheit! gegründet auf Gesetz und Ordnung; 3) kräftige und würdevolle Ausübung der in dessen Hand gelegten Macht, um Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten, ohne welche Grundpfeiler keine Freiheit möglich ist.
— Hr. Held vertheidigt sich in einem riesengroße", „Ich und meine demokratischen Feinde" überschriebene», Llauer-Anschlag gegen die wider ihn erhobenen Ver- DäipféjnnTTrnr TT-vn-sMfypartet untren geworden sei unv sich von einer hohen Person gegen die Demokraten habe gewinnen lassen.
— Von gestern bis heute sind 96 Personen an der Cholera erkrankt.
Potsdam, 13. Sept. (Unruhen.) Gestern Abend bis spät in die Nacht haben wir auch hier einen Aufstand gehabt, der mehr durch seinen Charakter, als durch die unmittelbaren Erfolge desselben Bedeutung gewinnt. Ein hiesiger Democrat hatte eine Dankadresse für die Soldaten" an den Depulirten Stein, wegen seines Antrages, entworfen, welche besonders unter den in de» Sonnn und casernirten Füseliren des zweiten Garde- Regiments zahlreiche Unterschriften gefunden hatte. Darüber war eine Militäruntersuchung eröffnet, in deren Folge mehrere Verhaftungen unter den Solva- ten, staltgefunden hatten. Abends hatten die Füsilire ves genannten Bataillons Stubenarrest erhalten, brachen jedoch aus, überwältigte» die Wache und zogen nach Potsdam, wo sie wiederholt den Bürgern ein Hurrah brachten. Dann wälzte sich ein Menschenstrom von Arbeitern, Soldaten und anständig gekleideten, zum Theil bewaffneten Personen und Straßenjungen nach dem Militärgefängniß der Garde du Eorps-Caserne, um die gefangenen Soldaten zu befreien. Indeß war fast die ganze Garnison unter die Waffen gerufen, und die Bürgerwehr wurde durch wiederholtes Schlagen des Generalmarsches beordert, sich schleunig zu versammeln; diese erschien jedoch äußerst sparsam, und unter den Erschienenen herrschte meistens die Stimmung, daß sie sich nicht berufen fühlten, hier einzugreifen. Indeß war auch schon Dad Gefängniß von einer Chaine deS ersten Garde-Regiments zu Fuß besetzt. Als der Tu- mult immer ärger ward, wurde zum Laden coinman- dirt. Ehe es indeß zu Thätlichkeiten gekommen war, brachen vie Garde du Corps hervor und machten von der blanken Waffe Gebrauch. Die Wuth unter den Tumultuanten wurde nun gränzenlos. An mehreren Stellen wurde das Straßenpflaster aufgerissen, eiserne Stangen aus den Pfeilern am Geländer des Canals abgebrochen und mehrere Barrikaden gebaut. Das geschah in der Nähe des Polizeigebäudes; der Polizeidi- rector, der die Menge durch Zureden beruhigen wollte, wurde durch Beleidigungen genöthigt sich zurückzuziehen. Ein unterer Polizeibeamter wurde verwundet. Der Unfug nahm immer mehr überhand, ohne jedoch einen andern politischen Charakter anzunchmcn, als daß sich einerseits reactionäre und demokratische Richtungen ver- rielhen, und daß sich andererseits zwischen der Bürgerwehr und dem Militär von der Infanterie eine Neigung zum Frieden und zur Vereinigung zeigte, welche jeden ernstlichen Zusammenstoß zwischen beiden Gewalten, selbst wenn cs zum Aeußerften gekommen wäre, verhindert hätte. — Die ganze Stadt war in Bewegung.
