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Nassauische Srifung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Äolkes!

Wiesbaden, Donnerstag, den 7. September. 18418.

Neue Bestellungen auf die „Nassauische Zeitung" nebst „Allgemeines Kirchen- und Schul blatt," werden pro Juli bis September ferner noch angenommen bei allen Postanstalten des Herzogthums für fl. 2. 12 kr. incl. Postpro Vision. In Wiesbaden bei der Expedition am Friedrichsplatz für fl. 1. 45 kr. vierteljährlich.

Inserate, welche bei der großen Verbreitung der „Nassauischen Zeitung" im Lande den beabsichtigten Zweck erreichen, werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

ja als ein feindliches Ausland, Deutschland gegenüber, behandeln. Die natürliche Folge dieses unglückseligen Treibens ist denn auch nicht ausgeblieben. Deutschland ohne Preußen ist noch viel weniger Etwas, als Preußen ohne Deutschland; aber auch selbst Deutschland mit Preu­ßen vermag, wenn cS vom Osten wie vom Westen und Süden sich feindlich trennt, nichts. Bei dem Auslande, namentlich bei Frankreich und England, hat der Ausruf deS einigen und mächtigen Deutschland einen andern An­klang gefunden, alS die Enthusiasten deö Vorparlaments ihn erwarteten: dort haben sie natürlich nicht so imponi- ren können, wie bei den allerdings geschwächten unb ohn­mächtigen heimischen Regierungen und bei dem sterbenden Bundestage. Das Ausland, für jenen Enthusiasmus wenig empfänglich, sah das mächtige einige Deutschland nicht, auf dessen BundeSgenoffenschast ein Werth zu legen wäre, u^.d in dieses abstrakte Deutschland sollte Preußen ja eben aufgehen.

Vor länger als zwei Monaten haben wir auf die Nothwendigkeit eines Bündnisses mit Frankreich hingewie­sen, unsre Stimme ward überhört: noch ganz vor Kur­zem haben wir daran gemahnt, daß Deutschland nicht England den Ruhm überlassen solle, mit Frankreich ge­meinschaftlich die gerechten Ansprüche Italiens auf staat­liche Unabhängigkeit zu unterstützen — vergebens, man folgt lieber dem dynastischen Interesse Oesterreichs , und sucht dabei unsre gutmüthigen Ideologen in Frankfurt zu überreden, daß Italien doch nicht frei wird, und daß cs nur zwischen österreichischer Herrschaft, oder französi­schem Einfluß wählen könne! So möge doch Deutschland sich serneu Autheck an stiern . LMuM, Wjib Mi LL durch die aufgezwungene Freundschaft Oesterreichs in Ita­lien niemals erlangen kann — es ist ein schlimmer Ein­fluß, der durch die Waffen behauptet werden muß, und dem die nun doch einmal unbewegliche Revolution stets die Spitze bieten wird.

Tritt nicht ein vo .ständiger Umschlag in der innern und auswärtigen Politik Deutschlands ein, so gehen wir einer schlimmen Zukunft entgegen. Es ist eine betrübende Thatsache, daß Deutschland weder eins, noch einig ist, ohne sich eines zuverlässigen Bundesgenossen erfreuen zu önnen. Mit Rußland kann es nicht gehen, Englands Politik leidet keine neue Größe, Frankreich haben wir, damit Oesterreich keine Einbuße an seinen Quadratnicilen erleide, zurückgewicscn. Welche Aussichten für einen Krieg, nachdem daâ „winzige" Dänemark im Stand war, uns Schach zu bieten ! Ein solcher Krieg ist und jedoch näher, als manche vielleicht glauben möchten. Erinnern wir an Das, waâ wir bald nach den Juni-Ereignissen in Paris ausgesprochen, daß nämlich früher oder später eine Restauration in Frankreich eintreten würde. Je drückender und unnatürlicher der jetzige MilitärdespotiS- mus gegenwärtig dort ist, um so mehr haben wir Aus­sicht, daß unsere Voraussage in Erfüllung gehen, und der künftige französische Regent zur Befestigung seines Thrones dem Kriegsruhme, auf Kosten Deutschlands, opfern wird. Wir sind nicht so feig, um einen französischen Krieg zu furchten, wohl aber besorgen wir, daß England begierig die Gelegenheit ergreifen werde, um die mißliebige Re­publik Frankreich, wie das nicht minder mißliebige, mäch­tige Deutschland für immer unmöglich zu machen.

Deutschland hatte seinem mächtigsten Gliede, Preußen, vertrauensvoll die gebührende Stelle anweisen sollen, die Preußen gewiß unter jeder Bedingung angenommen hätte, und für Preußen wäre es dann eine Lebensfrage gewe­sen, Alles daran zu setzen, seinen ehrenvollen Platz zu verdienen. Preußen war alsdann gezwungen, sich mit der französischen Republik zu verbinden und so in Deutsch­land, wie in Frankreich, das Princip der Freiheit dauernd zu erhalten. Leicht möchte das Alles jetzt schon zu spät sein, und es bleibt sehr die Frage, ob sobald wieder ein großer Kurfürst oder ein Friedrich erstehen pirb, der aus Deutschland wenigstens ein Preußen wird retten sönnen.

Uebersichten , Grörterungen und Aktenstücke.

D»r Waffenstillstand deS ßrv#cn einigen

- Deutschlands mit dem hochmnthigcn, winzigen Dänemark.

Die Stellung Preußens.

Die Berliner Nachrichten bringen folgenden beoch- tungöwcrthen Artikel: Wie Friedrich W:!helm III. nach dem Tilsiter Frieden seinem Volke zurufen durfte: „der Friede mußte so abgeschlossen werden, wie es die Um­stände geboten", so können wir ein AehnlicheS bei diesem Waffenstillstände unS selbst sagen. In der That sind wir nicht ohne alle Berechtigung, diesen Waffenstillstand fast für eine größere Unbill, alö jenen Frieden anzusehen. Damals unterlag Norddeutschland der furchtbaren Ueber« macht deS mit Süddeutschland verbundenen Frankreichs, zudem war der berühmteste Feldherr, der seine Epoche be. annt hat, Napoleon, unser Sieger. Diesmal (doch führt das große einige Deutschland mit seinen 45 Mil- honen gegen das „hochmüthige, winzige" Dänemaik einen fünfmonatlichen Krieg, und darf nicht einmal die Bedin­gungen des Waffenstillstandes verschreiben, ja es hat nicht einmal, wozu es keiner Flotte bedarf, das Festland Dänemarks, Jütland, erobert.

So Unmöglich ein solches Ereigniss auch erscheinen mag, so niederbcugcnd es für Deutschland ist, so bat es ^ E doch in keiner Weise überrascht. Wir haben bereits im April, mitten im Rausche' über das herrlich erstehende Deutschland, uns doch so viel Nüchternheit bewahrt, um die auswärtigen Angelegenheiten Deutschlands, wie seine inneren, als eine Calanntät zu bezeichnen. Die sonst so bedächtigen Deutschen ließen sich urplötzlich vom Enthu­siasmus beherrschen; man setzte die Einheit voraus, die erst geschaffen werden sollte, kleinliche StammeSeifersüch' relei einerseits, und ^ater um die Formen des künftigen StaatSwesenü andererseits, zerspalteten das Volk in Par­teien, während die neuen Regierungen, vielleicht gerade mit wegen ihrer Neuheit, nirgends einen recht entschiede­nen Anhang hatten. Aber nicht nur die erst zu schaffende Einheit, auch die Großmacht, die doch erst aus der Be­thätigung hervorgehen konnte, wurde bereits als fertig vorausgesetzt; und man beeilte sich, die Formen eines einigen mächtigen Reiches, den Monarchen und seine Mi­nister, nebst der imposanten Neichövcrsammlung hinzustel­len, ohne an daS Wesen zu denken, ohne sich zu beküm­mern, ob denn die solide Grunbl ge, die Einheit des VolkSwillenS und die Uebereinstimmung mit der Regierung vorhanden sei!

Bei allen diesen niederschlagenden Ereignissen hat Preußen nichts gethan, alS sich ruhig von dem übrigen Deutschland schmähen zu lassen und daneben Gut und Blut seiner Bürger zu opfern, ohne zu des Krieges Fort­führung die Zustimmung durch daS gesetzliche Organ des VolkSwillenS, die Nationalversammlung, einzuholen. Zum ersten Male in der neuesten Geschichte hat Preußen im Rathe der Großmächte seine Stimme schweigen lassen, und wo eS dort handelnd auftrat, geschah cd nur im Namen und Auftrage Deutschlands, gleichwie sein Feld­herr im dänischen Kriege nur Deutschland verpflichtet ist. Eine solche Stellung Preußens wäre an sich eine ehren­volle, wenn sie grundgesetzlich, und nicht bloß zufällig, vor Allem, wenn sie anerkannt wäre. Unter den gegen­wärtigen Umständen in einem, von Parteien zerrissenen, halb anarchischen Deutschland, dessen staatliche Bedeutung noch immer vorherrschend eine abstracte, ideale ist, hat sie keinen Werth und keinen anderen Sinn, als die Ohn­macht Deutschlands auf die Schwäche Preußens zuriick- zuführen, statt daß ein mächtiges Deutschland aus einem freien, starken Preußen hätte erstehen sollen und können. Die Jesuiten, die von allen ihren Sitzen verjagt, nur noch auf den zeilhcrigcn Innsbrucker Hof und in weiterer Ferne auf das einst so furchtbar beherrschte Po- len bauen können, übereilte Republikaner, welche nicht bedenken, daß jedes Volk die Verfassung erhält, die cd ernstlich erhalten will, und endlich der so kleinbürgerliche Sinn der Klcinstaate-Bürger, jene traurige Erbschaft des weiland römisch-deutschen Reiches, haben sich theils be­wußt, theils unbewußt, die Hand gereicht, um Preußen heradzudrücken, das sie denn auch förmlich als Ausland,

und Verfügungen aufgehoben sein sollen, wodurch der provisorische Negierung, die von der Centralgewalt an­erkannt worden, und kraft welcher Anerkennung. schles- wig-holsteinische Abgeordnete hier sitzen, plötzlich der Charakter einer ungesetzlichen Gewalt gegeben wird? 2) Ist es gegründet, daß Moltke, jener Mann, auf welchem^die Anklage der Herzogthümer schwer lastet an die Spitze der neuen interimistischen Regierung ge- stellt, und somit die Ruhe jenes Landes gefährdet, werden soll? 3) Ist es gegründet, daß bei der Aus­führung des Waffeastillstaudes die schleswig'schen Trup­pen von den Holsteinischen getrennt, und so die Tren­nung der Herzogthâm.-r ungebahnt werden solle? 4) Ist es gegründet, daß der Waffenstillstand auf volle sieben Monate abgeschlossen worden, wodurch den deut­schen Waffen die gelegenste Jahreszeit zur Erzwingung eines vortheilhaften Friedens genommen ist? 5) Sind jene Zugeständnisse unter Geuehmigung bed Reichömi- nifterium des Auswärtigen erfolgt? Am 9. Juni ist in der Nationalversammlung beschlossen worden, daß in Schleswig-Holstein die Sache, die Ehre Deutsch­lands gewahrt werde; die Ehre, die Ehre Deutsch­lands ! (Anhaltender Beifall.) Auf dem Grund des Gesetzes vom 28. Juni wird von einer Anzahl Mit« glieder der Versammlung der Antrag gestellt, die Na- lionalversammlung wolle diesem Waffenstillstände ihre Genehmigung versagen, und den Beschluß vom 9. Juni, wonach der Krieg mit Dänemark energisch beendigt werden müsse, zur Wahrheit machen. Waitz bean­tragt, die bezüglichen Aetenstücke an einen Ausschuß zur ^rujnug u^^.Jtk^^^^[^^^^ ^u».

Den zu nt’envt-ifen. R e h spricht für schnelle Aufnahme des Beschlusses, v. Lichnowskp schließt sich dem Waitz'scheu Anträge an. „Thun Sie Alles,' verwei­gern Sie dem Waffenstillstände ihr Sanelion; allein folgen Sie nicht den, Eindrücke des Augenblicks. Die 24 Smuden werden keinen Nachtheil bringen." Francke spricht in demselben Sinne. Die Landes-Versamm­lung von Schleswig-Holstein habe sich permanent er­klärt. Helfe die Nationalversammlung nicht, so sei die Anarchie im Lande. Eisenmann beantragt, die Aetenstücke dem internationalen Ausschuß zu übergeben und die preußische Regierung in Kenntniß zu setzen, daß die Naiionalverfammlung die Gutheißung 'des Waffcustillstandcö sich Vorbehalten habe. Derselben Ansicht sind Engel und Beseler, wogegen Zim­mermann noch in dieser Stunde die Fortsetzung bed Krieges beschlossen haben will. Wigard, Blum und Genossen stellen den Antrag, daß über die Sisti« rung der Zurückziehung der Truppen vom Kriegsschau­plätze sogleich berathen, über die Hauptfrage jedoch Morgen Beschluß gefaßt werde. Präsident schlägt vor, daß zur Berichterstattung über diesen Gegenstand die Ausschüsse für internationale Angelegenheiten und für die Centralgewalt zusammentMe». Biedermann weist die Ungültigkeit des abgeschlossenen Vertrags nach. Reichsminister Schmerling empfiehlt Besonnenheit und Nnhe in dieser Frage. Es handle sich um einen deutschen Krieg, um die deutsche Einheit. Der Be­schluß der Sistirung sei eine Maßregel der erecutiveu Gewalt; das Zurückziehen der Truppen stehe nur im Zusammenhänge mit dem Waffenstillstände. Schoder zeigt, daß die Zurückziehung des Heeres eine Folge des Waffenstillstandes ist. Deutschland habe nicht das Geld, seine Truppen hin- und herführen zu lassen. Die Nationalversammlung solle erklären, daß das Ml« uisterium gegen ihre Ansicht handle, wenn cs die Zu­rückziehung der Truppen nicht sogleich fistiren würde. Bassermann: Eine Sistirung jetzt schon sehe einem Verwerfen des Waffenstillstandes gleich. Große Fol­gen seien damit verknüpft. Die Entscheidung müsse verschoben werden, bis man eine Entscheidung habe, auf Grund der Thatsachen, die man nur aus einem einmaligen Verlesen kenne. Der Waffenstillstand sei geschlossen und dessen Ausführung durch Preußen ver­bürgt. „Sollen wir durch eine Ueberkühnheit in Trüm­mer gehen?" Venedey: Kühnheit ist nothwendig in der guten Sache. Man habe gesagt, es handle sich um einen deutschen Krieg, um die deutsche Einheit. Eincö aber sei vergessen worden: die Frage bet Ehre des deutschen Parlaments. Seien Sie kühn; das Vo'k wird Sie anerkennen! (Bravo!) Nachdem die Discussiou als geschlossen erklärt worden, wird der ministerielle Antrag, „daß nach dem Drucke der Acten«

71 Sitzung der conffitiurenben National- Versammlung.

(Schluß des Berichts.)

Frankfurt, 4. Sept. Dahlmann richtet fol­gende Fragen an das Üh'idiömüm^ „0 3d es gegründet, daß vermöge der Bedingungen dieseo Waf- feustillstamdes die provisorifche sehleowig-Holstcuutche Regierung aufgelöst unb die von ihr erlassene Gesetze