Einzelbild herunterladen
 
  

286

Wohle des Ganzen entsprechend ist. Um kurz zu |cin, von dem deutschen Parlament hofft das Volk die Lo­sung der Frage: Soll das Vaterland ein freies, eint’ ges, mächtiges, herrliches Reich werten? — oder: Soll fortwährend die alte Schmach auf ihn lasten, ein Gegenstand des Spottes und der Verachtung dem Auslande gegenüber zu sein? Soll gar Anarchie und Bürgerkrieg über dasselbe hereinbrcchen und es eine Beute der eroberungssüchtigen Feinde, die auf allen Grenzen lagern, werden?

Wir brauchen hier nicht auSeinanderzusetzen, daß das Parlament das Recht habe, Deutschlands Geschick zu ordnen und zu bestimmen. Das versteht sich ganz von selbst, des Volkes Wille hat es dazu berufen. Wir schließen die Dynasten davon aus, denn nicht ihre, sondern die allgemeinen Interessen in Frankfurt zu wahren sind. Wir hoffen und erwarten von ihnen, daß sie ihre allenfalsigen Gelüste bezähmen, nicht — mit List oder Gewalt —in ein fremdes Land hmüber- greifen und durch solche unzeitige Uebergriffe nicht nur ihre Throne in Frage stellen, sondern zugleich auch die größte Verwirrung über das Vaterland bringen. Be­greifen sie jetzt ihre Aufgabe, dann blüht ihnen bald das schönste Loos: — Lenker eines freien Volkes zu sein. —

Der einstimmige, entschiedene Wille des deutschen Volkes — und gibt es ein höherer, stärkerer Rechtsgrund? — hat das Parlament für eine constituirende Ver­sammlung erklärt; und schwer möchte es ein jeder, der ihm Widerstand leisten wollte, büßen. — Bei unseren gegenwärtigen Zuständen, wo alles aus den Fugen ist, wo alle Bande, die freilich früherdurch eine erbärmliche Politik geschlungen waren, auf eine klägliche Weise zerrissen sind, wo ein seder eine radikale Verbesserung freilich vielfach nach der eigenen, individuellen Facon zugeschnitten — erwartet, ist die Aufgabe des Parla­ments eine riesenmäßige. Allein die Schultern der meisten Mitglieder können auch eine tüchtige Last tra­gen. Denn es sitzen darin — neben manchen obscuren Häusern — die Trefflichsten an Kopf und Herz aus dem ganzen weiten Vaterlande. Hoffnungs- und sehn­suchtsvoll sckaut auf sie das ganze Volk, weil es müde ist des bisherigen, unangenehmen, schwankenden Zustan­des und weil doch der bei weitem größte Theil es redlich meint mit dem Wohl des Vaterlandes. Ver­trauen kömmt also jenen Männern entgegen, und ihre Hauptaufgabe ist es nun, dieses Vertrauen zu recht­fertigen.

Einstimmigkeit der Ansichten und Gesinnungen kön­nen und dürfen, wollen wir aber im Parlament nicht suchen. Hauptsächlich werden wir folgende Parteien dort finden. Wir find zweifelhaft, ob das Parlament auch Republikaner â la mode, oder richtiger Anarchi­sten in seinem Schoöße herbergt, jedenfalls ist ihrer aber nur eine geringe Zahl. Daran aber zweifeln wir nicht, daß sich der Reactionäre, die niemals ihr Spiel verloren geben und dasselbe mit raffinirter Schlauheit und der verborgensten Feinheit spielen, genug finden. Halb und halb gehört zu ihnen auch jene Partei — und auch sie ist gerade nicht schwach vertreten — die diese Zeil in einseitigem, confessionellem Interesse aus­deuten und aus dem Parlamente eine Kirchenversamm­lung machen möchte.

Jedoch bei weitem die größte Zahl bilden die Na­men von gutem Klange; alte, ächte Patrioten. Und von ihnen hoffen wir zuversichtlich, daß sie allen un­sauber» Gelüsten — woher sie auch kommen mögen— entschieden entgegen treten und Alles über Bord wer­fen werden, was dem Vaterlande nicht wahrhaft zu Nutzen und Frommen gereicht. Mancherlei Ueberrum- pclungen werden ihnen dabei drohen, an Kämpfen wird eS nicht fehlen. Mögen sie wachsam sein! denn daö deutsche Volk wacht über sie, und Mangel an Wach­samkeit ihrerseits, würde das letzte Vertrauen ihnen entziehen. Und was sollte da aus Deutschland wer­den? Wir wagen es augenblicklich nicht, weiter dar­über nachzudenken!

In No. 64 dieses Blattes wünscht der 9 Corres- pondent den Parlamentsmitgliedern alle die Eigenschaf­ten, die für die formelle Seite ihrer Wirksamkeit nöthig sind. Er hätte sich übrigens kürzer fassen und nur Einsicht und wahrhaften Patriotismus zu wünschen brauchen. Wie aber schon gesagt, den mei­sten trauen wir diese zu. Es sei uns noch gestattet, kurz anzugeben, wohin sich die materielle Seite der Wirksamkeit des Parlaments zunächst wenden muß. Diese Frage ist von der immensesten Wichtigkeit. Das Parlament hat außerordentlich viel zu thun, und die Befürchtung, daß wir Deutsche, bei all unserem Ver­stände, unserem guten Herzen und unseren anSgedehn-

Kenntnissen uns nur zu leicht verirren, und erst nach langem Herumvagiren das uns zunächst Liegende de" Nagel auf den Kopf treffen, ist durch Aâ^"^^"^ nur ^ sehr gerechtfertigt. Nach unserer Ansicht thut zunächst Noth :

fS^ ^ allgemeinen Rechtsstandes, XuT£S è'°â°« â- s-wâ ... ®’e ^si des Rechtes ist erlahmt und eine Masse schlechter Subrekte,polten desselben nicht allein sondern verfuhren auch noch tagllch VOebtsuinL liE zu Übertretungen desselben. Das kann nur zu/An chie führen. Jene Uebelgesinnten müssen also schleichst emsehen,, daß tue Heiligkeit des Gesetzes noch bestehe und dasselbe Strafgewalt habe. — Verkehr und alle Geschäfte stocken; die Brodlosigkeit nimmt immer mehr zu und erzeugt eine Masse gefährlicher Menschen, die

unter anderen Verhältnissen gute Bürger geblieben wären — denn der Gesättigte ist nie so gefährlich, als der Hungernde — es droht ein allgemeiner Bankerot und der fürchterliche Krieg der Besitzlosen gegen die Besitzenden. Ja, unser ganzes soziales und bürgerli­ches Leben ist dem Ruine nahe; es drohen uns schlim­mere Revolutionen, als politische— deren wir fürerst keine zu befürchten haben — nämlich die sozialen.

Helfe man darum zuerst dem bürgerlichen Leben gegen Zerrüttung und Auflösung, denn aus einem zer­rütteten Bürgerleben baut man wahrhaftig niemals einen großen Staat auf.

Gegen die Lösung dieser Fragen muß zunächst al­les, auch die Kaiserfrage zurücktreteten. Schreiber die­ses hält zwar auch diese für eine der wichtigsten, ist überzeugt, daß ein Kaiser — oder nennt ihn meines wegen', wie ihr wollt — das beste Oberhaupt für Deutschland sei; daß ein solcher, und zwar ein starker, mächtiger, in kurzer Zeit eine Nothwendigkeit sein würde, er glaubt auch zu wissen, wer die Kaiserkrone am besten tragen könnte, allein die Kaiserfrage setzt zu lösen, hieße nicht allein einen Erisapfel in Deutschland werfen, sondern auch das Nächste und Nothwendigste versäumen. Helfen wir erst dem in der Auflösung be­griffenen Bürgerleben wieder auf! Bauen wir daraus ein herrliches Deutschland und bringen es dann dem Würdigsten dar. Ist der Thron fertig, so wird sich der Mann finden, der dafür paßt; ist die Krone ge­flochten, so wird das Haupt, welches sie tragen kann, nicht auf sich warten lassen! L. H.

Nassauisches.

-s-j- Ueber die Wiesbadener Volksversamm­lung vom 22. Mai 1848.

Wiesbaden, den 25. Mai.

Ein Korrespondent deS Frankfurter Journals, Wiesbaden, den 23. Mai."

macht der von dem Redakteur dieses Blattes in der Volks­versammlung, welche am 22. Mai hier in den vier Jah­reszeiten statt hatte, im Auftrage der Versammelten ent­worfenen Adresse den Vorwurf, „daß sie zu mäßig und zu kalt" gewesen sei.

Wir wollen dem subjectiven Urtheil dieses Herren Correspondenten gern seine vollste Freiheit lassen, theilen aber, damit auch das übrige Publikum sich selbst ein Urtheil bilden könne, nachstehend die Adresse mit, welche vielleicht daS, waSihran Leidenschaftlichkeit, Auf­gereiztheit und Wortfülle abgeht, durch Festig­keit, Entschiedenheit und gemessene Kürze ersetzt.

An den konstituirende» Reichstag in Frankfurt!

Protest der unterzeich­neten Bürger Wiesbadens gegen die Entwaffnung der Bürgerwehr in Mainz.

In Mainz sind in Folge einiger Unruhen sämmtliche Bürger entwaffnet worden. Wir sind aber der Mei­nung, daß eine allgemeine Entwaffnung aller Bür­ger als eine dem anerkannten Rechte der Volksbewaff­nung entgegenlaufende, somit als eine rechts- und gesetz­widrige Maßregel anzusehen ist, welche sich nach den vorausgegangenen Exzessen Einzelner nie und nimmer rechtfertigen laßt, weil es überhaupt keinen Grund ge­ben kann, dem Volk ein ihm zustehendes Recht zu ent­gehen.

Wir proteftiren daher laut gegen diese gesetzwidrige und volksfeindliche Maßregel und fordern die consti- uirende Versammlung, welche daS Recht und die Pflicht -at, den vollständigen Vollzug und die allseitige Auf­rechterhaltung dieses wichtigen Volksrechtes, der allge­meinen Bewaffnung, zu überwachen, hiedurch auf, die geeigneten Schritte zu thun, daß die in Mainz stattge- -abte Entwaffnung des Volks sofort wieder zurückge­nommen werde.

Wiesbaden, den 22. Mai 1848.

△ V Das Wiesbadener Sicherheits - Comite.

Wiesbaden, 24. Mai.

Das Wiesbadener Sicherheits- Comite hat ein Le- >en, so zäh wie eine Katze. Wenn ihm das Volk räth, ich aufzulösen, weil ja die Kammer zusammengetreten ei, und es dieser obliege, für „Freiheit, Ordnung und Recht" zu wachen, dann antwortet das Sicherheits­Comite in seiner Würde: „Nur ruhig, das persteht Ihr nicht, ich verstehe es kaum. Ihr seid alle Reac­tionäre, bei uns Sicherheits - Comöbianten ist allein Freiheit, Ordnung und Recht." Zuerst erklärt das Comite, daß es seine Sitzungen bis auf zweimal wö­chentlich aussetzen wolle, dann, daß es gar keine Siz- zungen mehr halten wolle, aber bestehen bleiben will es stets noch, denn man kann nicht wissen, wozu das gut ist.

Der Zweck des Sicherheits - Comite's ist Freiheit, Ordnung und Recht. Es will die Ordnung im Land aufrecht erhalten, es will die Behörden des Landes im Interesse der Freiheit unb des Rechts controliren. Es macht bekannt, daß sich jeder, welcher seiner be­darf, sich zu diesem Ende an Herrn Dr. Hergenhahn und an Herrn Dr. Leisler sen. zu wenden habe.

Nun ist aber zufällig Herr Dr. Hergenhahn zu- kleich auch. Staatsnunister. Er kann also in dieser Stellung die Behörden nicht controliren, denn er ist ka selbst dem rontrolirenden Volk und der controliren-

ben Kammer für die dem Minister untergebenen Be- Hörden verantwortlich. Es ist also unmöglich, daß der Minister Hergenhahn dem Sicherheitscomite-Präsiden­ten Hergenhahn veranttvortlich sei.

Ebenso ist zufällig Herr Dr. Leisler Mitglied der Ständekammer, in welcher Stellung er ohnehin schon zur Controlrrung der Landesverwaltung berufen ist, so daß es ein schlechtes Vertrauen auf Fähigkeit und Willen der Kammer voraussetzte, wenn er neben der Kammer noch eine weitere Ueberwachungsbehörde nö­thig erachtete.

Wir müssen glauben, daß das Sicherheits-Comite diesen Beschluß ohne Zuthun und Wissen von Hergen­hahn und Leisler gethan hat und ihn bei besserer Ueberlegung ändert.

Wie wir hören ist unsere Kammer Willens, einen Beschluß zu fassen, daß die Sicherheits - Comite's auf­gelöst werden.

Beschluß und Bitte des Kieler Ausschusses für die deutsche Flotte.

Der in Kiel für die Errichtung einer deutschen Flotte vom deutschen Verein niedergesetzte Außschuß hat seine Thätigkeit damit begonnen sachverständige Männer hinzuziehen und sich mit andern in Verbin­dung zu setzen, um zu beschließen was zunächst zu thun sein würde um in dieser großen Angelegenheit zu einem praktischen Erfolge zu gelangen. Da bei dem Drange der gegenwärtigen Umstände und in Voraussicht grö­ßerer Bewegungen in Europa was geschehen soll rasch geschehen muß, so glaubte der Ausschuß nicht erst daS Ergebniß weiterer Berathungen abwarten zu dürfen, sondern ist davon ausgegangen daß er seiner Auffor­derung zur Unterstützung vor allem einen bestimmten Vorschlag zu Grunde legen müsse darüber wie seines Erachtens die beabsichtigten Rüstungen zugleich schnell und mit vorzüglicher Rücksicht auf bleibende Bedürf­nisse einzu richten seien.

Der Ausschuß hat alS unabweichlicher Grundsatz für seine ganze demnächstige und künftige Thätigkeit aufgestellt:

Erstens ohne Rücksicht auf besondere Verhältnisse und Interessen nur dasjenige zu thun, was der Bil­dung einer dem ganzen Deutschland gehörigen deut­schen Kriegsflotte dienen und ihr vorarbeiten könne.

Zweitens alle Summen welche der Ausschuß ein­nehmen möchte, alle Plane, Risse, Karten und Gutach­ten, sowie auch vorzüglich die Schiffe zu deren Bau er unverweilt schreiten werde, nicht für schleswig-hol­steinisches, sondern für deutsches Nationaleigenthum zu erklären und dem deutschen Reichstag von seinen Be­mühungen, seinen Mitteln und seinem Besitz Anzeige zu machen.

Drittens öffentliche Rechenschaft von der Führung seiner Geschäfte abzulegen.

Da der Ausschuß nun hofft demnächst die ersten Schritte zur wirklichen Erbauung von deutschen Kriegs­schiffen thun zu können, so lag es ihm ob die Frage zu erledigen ob man mit Erbauung von Kriegs- dampfschiffen oder mit der von Kanonenbooten beginnen solle. Der Ausschuß hat geglaubt ganz ab­sehen zu müssen von dem ersteren Vorschlag, und sich beschränkt auf Erbauung von Kanonenbooten. Die Größe wie die Art der Wirksamkeit dieser Fahrzeuge für die Küstenvertheidigung ist im allgemeinen bekannt. Gan; besonders aber scheinen sich dieselben für die buchtenreichen und zum Theil flachen Ostseeküsten zu empfehlen, vorzüglich in Jahreszeiten wo Windstille häufiger ist. Es segelt gegenwärtig kein Schiff der dänischen Marine welches nicht bei einigermaßen gün­stigen Umständen zwölf gutgeführten Kanonenbooten erliegen müßte. Zwölf Kanonenboote ist der Ausschuß im Stande mit Hülfe der Zimmerleute und anderer Arbeiter aus den benachbarten Städten der Herzog- thümer Schleswig-Holstein in wenigen Monaten aus­zurüsten. Derselbe wird, mit Rücksicht auf die Mög­lichkeit daß noch im gegenwärtigen Kriege davon Ge­brauch gemacht werden müßte, Sorge tragen für das Heranziehen der nöthigen Bemannung, wie für die Einübung der Artilleristen. Da der Preis eines voll­ständig ausgerüsteten Kanonenbootes etwa 18,000 Mark oder reichlich 7000 preußische Thaler beträgt, so würde die für zwölf Boote erforderliche Summe sich auf 85,000 preußische Thaler belaufen. Diese allerdings nicht unbeträchtliche Summe hofft der Ausschuß den­noch durch freiwillige Beiträge aufzubringen, und rich­tet seine demgemäße Aufforderung zur Beisteuer an alle deutsche Landsleute in und außerhalb Schleswig- Holsteins, in der Ueberzeugung, daß wenigstens nirgends in Deutschland der Mangel an patriotischem Sinn und Einsicht der Ausführung unseres Vorhabens hinderlich sein werde. — Aber dennoch wird es nöthig sein, da­mit die der Sache vielleicht zugedachten Beiträge über­haupt und schnell wirklich erhoben und zusammenge­bracht werden, daß aller Orten Einzelne eine Ansprache und Sammlung in ihren Kreisen übernehmen. Da­mit der Ausschuß endlich so schnell wie möglich über den Fortgang der Angelegenheit Kunde und dadurch den Maßstab für seine Bestellungen bekommen, muß er sich noch schließlich an diejenigen, welche gesonnen sind in ihren Kreisen die Mühe des Sammelns von Beiträgen zu übernehmen, die Bitte erlauben, daß diese ihn un­verzüglich davon in Kenntniß setzen wollen, daß sie eine Sammlung begonnen, und möglichst bald darauf, wel­chen Erfolg dieselbe habe. Schreiben und Sendungen erbittet der Ausschuß unter der Adresse: „An den AuS-