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Bundesfestung Main; entsprochen werde, bei Erlassung I der, die Volksbewaffnung regelnden Gesetze, auf die^ oben bezogenen Bestimmungen des Festungsreglements Rücksicht zu nehmen und über das Verfügte Anzeige zu erstatten. Da die letztgedachte Anzeige noch tm Rückstände ist, so soll dieselbe in Erinnerung gebracht werden. . ..

Mitgetheilt wurden demnächst ein Schreiben des Oberbefehlshabers des 7. und g. Armeekorps, die Aussagen eines Gefangenen betr., ferner ein Dank­sagungsschreiben des Generals v. -drängel, d. d. Kol- dinq, 15 Mai, für eine Seitens der Bundesversamm­lung an ihn erlassene Zuschrift, und endlich ein Schreiben vom nämlichen Datum, in welchem der General von Wrangel über den gegenwärtigen Stand der militäri­schen Operationen Nachricht ertheilt und aus welchem zu entnehmen war, daß in Bezug darauf wesentliche Veränderungen nicht eingetrcten sind.

Nachdem ferner einige Wahlen zur Ergänzung von unvollzählig gewordenen Ausschüssen vorgenommen worden waren, nahm der Gesandte der freien Stadt Frankfurt Gelegenheit, einer, nach öffentlichen Blättern in der bannover'schcn Kammer erfolgten, Erklärung des Ministers Stüvc Erwähnung zu thun, nach welcher der frühere Gesandte der Stadt Frankfurt geäußert haben soll, daß der Senat für die Rube der Stadt nicht mehr einsteben könne. Da jedoch eine derartige Aeußerung Seitens des bezeichneten Gesandten bei der Bundesversammlung weder offieiell noch vertraulich erfolgt ist, so beschloß man, hierüber eine berichtigende Erklärung in das Protokoll aufzunehmen.

Erbliches Kaiserthum, Wahl-Kaiserthum oder.fürstliche Directorial-Negierung.

lNach der Kölner Zeitung.)

Auf den wissenschaftlichen Streit über die größere Vollkommenheit eines erblichen KaiserthumS, oder eines Wahl-KaiserthumS, oder einer fürstlichen Directorial-Re- gierung h. rc. lassen wir uns bei der Frage von der obersten ereeutiven Reichsgewalt gar nicht ein, weil der­selbe uns sehr müßig scheint. Die Versammlung in Frankfurt hat keine leere Tafel vor sich, auf welcher ihre Baukünstler mit dem Stifte zu einem neuen Abrisse deS Reichsbaues Kuppeln oder Thürme nach ihren verschiede­nen idealen Systemen hinzeichnen könnten; sie hat das noch immer in so und so gesinnte, so und so mächtige Staaten getheilte Deutschland vor sich! Wenn auS der Einheit des Reiches etwas Wirkliches werden soll, dann ist die Anerkennung der Hegemonie Preußens der einzige Weg, aus dem in diesem Augenblicke das Ziel zugänglich ist, — oder es ist bis jetzt überhaupt noch ans keinem zugänglich.

Wir haben nicht zu reden von dem waS etwa sein könnte, sein sollte oder künftig sein dürfte, son­dern von dem, WaS jetzt, im Jahre des Herrn 1848, wirklich ist, — und da kann nüchterner Ueberlegung kaum ein Zweifel bleiben. Auch in Süddeutschland er­kennen die verständigen von den unabhängigen Stimmen die Nothwendigkeit vollkommen an. So bekennt Pro­fessor Schwegler in seinen "politischen Thesen» ganz ein­fach : »Man muß nicht so naiv sein, für möglich zu hal­ten, Preußen werde seine Heere, seine Festungen, seinen Kriegsschatz einem kleineren deutschen Fürsten oder Herrn Hecker zur Disposition stellen. Weigert es sich aber, wie will man eS zwingen? Es ist so stark, als die andern zusammen.»

In der That, so lange die Gegner kein Mittel fin­den, die sämmtlichen bestehenden deutschen Staaten aufzu­lösen, so lange werden sie es sich gefallen lassen müssen, daß die Hegemonie von dem mächtigsten Staate des Rei­ches besessen werde und dann werden sie bekennen müssen, daß gegenwärtig die »materielle Mackt, die militärische Organisation, die glorreichen historischen Erinnerungen, die Culturstufe des preußischen Volkes» Preußen mit Na­tur-Nothwendigkeit die deutsche Hegemonie zuertheilen.

Diese Hegemonie aber, die man nothwendig annehmen muß, wenn man überhaupt irgend etwas Haltbares von rrecutiver Reichsgewalt schaffen will, ist noch sehr ver­schieden von dem erblicken »Kaiserthume». das der Ent­wurf der Siebenzehn aufstellt.

Es ist durchaus nicht nothwendig, daß das Reichs- Oberhaupt gerade alle jene Befugnisse, gerade jene Stel­lung erhalte, welche der Entwurf seinem «Kaiser» beilegt. Einerseits sind die E nzelheiten — z. B. Ernennung sämmtlicher Offiziere — vielleicht Abänderungen des Ent­wurfes zur Schonung der landesfürstlichen Souveränctä- ten ohne besonderen Nachtheil der Kraft der Reichsge­walt möglich, und andererseits wird es von den Umstän­den abhängen, ob die wünschenswertste Kraft der Reichs­gewalt in ihrem vollen Umfange für dieselbe sofort wird zu beschaffen sein.

W i r unserestheils wünschen, daß die Stellung des Reichs-Oberhauptes in ihren Grundzügen, — abgesehen son Einzelheiten, deren wir bei diesen vorläufigen Betrachtungen nicht näher gedenken, — so möge ange­nommen werden, wie der Entwurf sie hingezeichnet hat. Wir glauben aber auch, daß, wenn man in Frankfurt genöthigt wäre vorläufig sich mit Minderem zu begnü- gen, weil der Geist eines Stamm-Separatismus auch in größeren Reichskreisen (wie Baiern, Hannover z. B.) noch zu sehr vorherrschte und man sich nicht zutraute densel­ben sofort in friedlichem Wege zu überwinden — dann die Entsagung auf das Bessere zu Gunsten des Guten dennoch nur eine einstweilige sein und daß bald genug die Ereignisse, die Verhältnisse der äußeren Politik, das Bedürfniß einer kräftigen Erecutive so verst'ärken- würden, daß gerade dann wohl daö Beste, nämlich noch mehr würde erlangt werden, als jetzt begehrt wird!

Nassauisches.

Berichtigung in Betreff bet Versammlung der katholischen Capläne.

•btt Von der Lahn, 22. Mal'

Ein Artikel von der Lahn, 18. Mai, in No. 67 der „Nassauischen Zeitung" bespricht eine beabsichtigte Versammlung der Capläne des Bisthums zu Limburg. Der Artikel bietet Stoff zu mehrfacher Berichtigung; wir beschränken uns jedoch, Eine zu geben, die zum Gegenstände hat, was Correspondent von einem Bi­schöflichen Schreiben sagt, das die Bestimmung bäbe, „das kaum geborne Kind Petitionsrecht in der Wiege zu ersticken und bei dem niedern Klerus das freie Wort zu morden" und theilen als solche lediglich den bereg- ten Erlaß vollständig und wortgetreu hier mit. Er lautet:

„Sicherm Vernehmen nach bat der Herr Caplan „Wolf zu Montabaur, angeblich im Auftrage meh- „rerer seiner College», die sämmtlichen Capläne der „Diözese aus den' 23. L M. zu einer Zusammen- „kunst auf dem Niederwalde bei Nüdesheim einge- „laden, um sich über eine bei Uns einzureichende „Eingabe, wegen der Verhältnisse der Capläne, zu „benebmen."

„Wir sind keineswegs gewillt, die Herren Capläne „irgend zu verhindern, in Betreff ihrer Verhältniße „eine Collectiv - Vorstellung bei Uns einzureichen, „wenn sie dazu Grund zu haben glauben. Aber „Wir wünschen, daß eine solche Eingabe nicht mit- „telst einer Zusammenkunft der Herren Capläne „ungebahnt werde, da diese offenbar Aufsehen ma- „chen würde, was dieselben um so mehr zu vermei- „den Ursacke haben dürften, als die beabsichtigte „Eingabe nach somanchen, auf dem staatlichen, resp, „sozialen Gebiete in neuester Zeit erfolgten Petitio- „nen von Vorne herein von der öffentlichen Mei- „nung gar leicht eigenthümlich charakterisirt werden „könnte."

„Wir beauftragen Sie, diese unsere Willensmei- „nung den in Ihrem Decanate befindlichen Caplä- „neu ungesäumt, jedoch mit dem Beifügen zu eröffn „neu, daß diese keineswegs eine eigentli che Vor- „schrift sein solle."

„Schließlich bemerken Wir, daß Wir es ganz „Ihnen, resp. der Entschließung der Herren Pfarrer „überlassen, ihren Caplänen eventuell nach Maßgabe „des dienstlichen Erfordernisses, den nöthigen Urlaub „zum Besuche des Niederwaldes am 23. b. M. zu „gewähren oder zu versagen. Limburg, den 15. „Mai 1848."

Eine unbefangene Prüfung dieses Erlasses dürfte wohl den Correöpondenten zu der Ueberzeugung füh­ren , daß der von ihm erhobene Vorwurf auf einen Irrthum beruhe.

9 Populär! ?

Wiesbaden, den 21. Mai 1848.

Kürzlich bemerkte uns ein Freund, dem wir Ver­stand und Wahrheitsliebe zutrauen:

„Ihr Blatt ist leider nur für die gebildeten Klassen geschrieben, es ist zu hoch gehalten und wird sich des- balb nie einer ausgedehnten Wirksamkeit über alle Klassen der Bevölkerung erfreuen. Das ist die allge­meine Meinung darüber: Es ist nicht populär genug!"

Wir wollen diesem Freund und den andern, die gleicher Meinung mit ihm sind, unsere Antwort öffent­lich geben. Sie ist kurz die:

WaS versteht Ihr unter populärer Schreibart?

Versteht Ihr darunter, daß man in dem alter- thümlichen, belehrenden Kanzelstyl von:

„Liebe Landleute, seht, Ihr seid gar zu wenig noch aufgeklärt, wir wollen Euch belehren, denkt Euch nur einmal, es wäre u. s. w."

schreibt; versteht Ihr darunter, daß man stattdie Sache mit Einem Worte anszudrücken, sie mit Hunderten zu um­schreiben sucht, daß man, statt rascher Wendungen und kurzer Sätze, lieber schleppende Aufeinanderhäufungen und ermüdende Weitläufigkeiten macht; versteht Ihr darunter, daß man, statt die Idee nackt und keck hin­zustellen und dem Leser die Verarbeitung zu überlassen, lieber den letzten Tropfen aus einem Gedanken preßt, wie aus einer welken Zitrone; — nun gut, dann habt Ihr Recht, dann schreiben wir nicht populär und wollen auch nie populär schreiben.

Ihr habt auch auf der andern Seite ebenso Recht, wenn Ihr meint, das Populärschreiben bestehe darin, daß man ungeheuerliche bauöbackene Redensarten ge­braucht, daß man die Lärmtroinmel nicht aus der Hand läßt, daß man beständig den Dolch wetzt und das Messer schleift, daß man einhergeht im flatternden Car­bonari - Mantel mit der Hahnenfeder auf dem Hut. Wenn Ihr solches Comöbiantcnwesen für populär haltet, dann werden wir nie populär sein in Eurem Sinne.

Endlich wenn Ihr glaubt, es sei populär, daß man jede Dorf- und Stadtneuigkeit aus dem Land, jeden Unglücksfall und jede Schultheisenabsetzung mitthcilt, daß man vom Klatschen zehrt und vom Scandal fett wird, auch das können wir nicht für populär halten und werden uns nie dazu herablassen.

Wenn man eine Zeitung schreiben will, dann muß man von der Voraussetzung anogehen, daß wir Leute von Verstand und Leute von Gefühl haben, lne sie lesen; daß wir ein mündiges Volk haben, welches nicht blos amüsirt und unterhalten sein will, sondern das denken will und denken kann. Das ist der Grund, warum

wir nicht im Tone von Hebel's „Schatzkästlein" oder vom „hinkenden Boten," nicht im Tone des „Haus­freundes" oder des „Gevattermannes" schreiben, warum wir mit unseren Lesern, statt zu plaudern, reden, statt zu spielen, arbeiten.

Wer anders handelt, der verachtet das Volk, statt es zu achten, der drückt nieder, statt zu heben.

Wer einen Stoff zu Leseübungen, wer ein ABC- Buch, wer ein Kinderrasselchen oder ein Trompetchen sucht, der mag freilich wo anders hingchen, — bei unS wird er cs nicht finden!

9 Kammer - Verhandlungen.

2. Sitzung.

Wiesbaden, 24. Mai.

Die heutige Sitzung war gerade nicht stürmisch, aber ziemlich unordentlich. Es zeigte sich klar, daß der Alters * Präsident Phil. Müller von Maffenheim nicht im Stande war, die Debatten zu leiten. Neben ihm mußten sich manchmal die beiden Secretäre Lang von Schwalbach und Müller von Nastätten der Vor­sitzgeschäfte annchmen, so daß neben dem Alters-Prä­sidenten noch zwei Iugendpräsidcnten fungirten.

Nach Vorlesung des Protokolls wurden einige un­bedeutende Erinnerungen über dessen Inhalt vorgebracht. Dann folgte ein Gesuch des Abgeordneten Schenk aus Dillenburg um 8 Tage Urlaub, damit er den Parla­mentsverhandlungen beiwohnen und sich während die­ser Zeit entschließen könne, ob er das Mandat für das deutsche Parlament oder das für die nassauische Kam­mer niederlege.

Nun folgte die Vorlesung einer Menge von Peti­tionen, welche jedoch meistens nur kleinere örtliche Angelegenheiten zum Gegenstand hatten. Eine dersel­ben verlangte Wiederherstellung der Zünfte; eine an­dere sogar Alimentation eines Spurius, Seitens der Kammer, welche jedoch die Vaterschaft ablehnte!

Bertram kündigte eine Motion auf Errichtung ei­ner Credit- und Hülfskasse an.

Der Alters-Präsident beantragte: dieKammer möge die ständischen Diäten für den Präsidenten auf fl. 10, für die Sekretäre auf fl. 7 und für die Deputirten auf fl. 5 tyerabfegen, und hierüber vor der Wahl des Präsidenten und der Sekretäre Beschluß fassen, da letztere von ersterer bedingt sein könne.

Ueber die Nothwendigkeit, die Diäten herabzusetzen und die früher so sehr ausgebeuteten „Servicegelder" abzuschaffen, waren sämmtliche Redner einverstanden, dagegen erklärte Keim und Siebert, daß für einen höheren Ansatz der Präsidenten- und Secretärs-Diäten — kein Grund vorliege, weil die Diäten nur eine Vergütung der Auslagen sein, und jene keine Veranlassung zu größeren Auslagen'hätten, als die andern auch. Sieber»-veri»^ langte eine Herabsetzung auf ft. 4 — täglich für Alle. Auf den Antrag der Deputirten Lang und Gergens wurde der Antrag an die zur Verfassung einer neuen Geschäftsordnung niedergesetzte Commission überwiesen.

Man schritt nunmehr, zur Berichterstattung Seitens der einzelnen Commissionen für Wahlprüfung und zur Abstimmung über die vorläufige Anerkennung der Wahlen. Es entstand dabei eine längere Debatte über die Form der Abstimmung, worüber das Wahlgesetz und die Geschäftsordnung widersprechende Bestimmung enthalten. Dabei wurden manche seltsame Ansichten laut und jedenfalls war das Ganze nicht werth, so viel Zeit darüber zu verlieren.

Von vielen Wahlbezirken fehlten seltsamer Weise noch die Wahlakten; von den übrigen wurden die Wahlen zweier Bezirke beanstandet, nämlich die von Idstein-Wehen und die von Montabauer-Nassau.

Obgleich bei der ersteren der Berichterstatter Groß­mann allen Scharfsinn so weit er ihm zu Gebote steht, anwandte, um ans der zweifelbaften Fassung eines einzelnen Urwahlsprotokolles die Nichtigkeit der ganzen Wahl zu folgern, so erklärte sich doch die Kammer für Gültigkeit der Wahl.

Bei Montabauer-Nassau lag in den Wahlacten kein Grund zur Beanstandung; es mußte daher die formelle Anerkennung stattfindeu. Dagegen war Seitens des Oberförsters von Marillac eine Anfechtungsschrift eingegangen, welche der Gegenstand eines demnächstigen besonderen Kammerbeschlusses bilden wird.

Es kostete auffallend viel Zeit und Mühe bis von der Kammer der Unterschied zwischen

1) der vorläufigen, formellen Zulassung des Depu­tirten auf den Grund der Wahlacten, und

2) der auf den Grund einer eingegangenen Wahl- anfechtung nachgehends vorzunehinenden materiel­len Prüfung und Untersuchung des Wahlver­fahrens

richtig aufgefaßt wurde, und man muß wirklich zum Zweck der Ersparung von Zeit für die Kammer und von Geld für das Land, dringend wünschen, daß die Kammermitglieder sich durch ernstliche Studien bessere Aufklärung über dergleichen formale Begriffe verschaffen.

Die Präsidentenwahl hatte folgendes Ergebniß: Schenk erhielt 27 Stimmen, Wirth „ 25 „ GergenS „ 14 „

Klein „ 12 „

L. Wenckenbach erhielt 12 Stimmen und so weiter. Aus den drei Ersteren wird der Her­zog einen zum Präsidenten ernennen, und zwar nach der von dem Minister gegebenen Zusicherung denjeni­gen, welcher die meisten Stimmen hat, also Schenk.

Dieser glaubt jedoch wegen seiner Eigenschaft als