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wenigstens diesem Handelüstaate die Verlängerung des Krieges nicht zum Nachtheil, sondern im Gegentheil vor- theilhaft werden läßt. England kann nämlich setzt nach den wichtigsten deutschen Seestädten, vorzüglich Hamburg und Bremen, so viel handeln als eö will, aber nur in neutralen Schiffen, d. h. hier englischen; die englische Rhederei muß sich also bedeutend heben, während die deutsche einen schwer zu heilenden Schaden erleidet. Wir werden nun sehen, welchen Einfluß diese Wendung der Dinge auf Englands Vermittlungsrolle ausübt.

Wien, 11. Mai. Für dießmal ist Oesterreich der Gefahr entgangen, die Leitung des öffentlichen Unterrichts in die Hände eines slawenwüthigen Ministers übergehen zu sehen. Wie wir gestern meldeten, wurde das Porte­feuille des Unterrichts Hrn. Palazky angeboten, der sich vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit ausbat. Vor Ablauf dieser Frist war der ganze Plan indessen schon wieder rückgängig geworden. Ob in Folge einer Ablehnung Palazky's oder aus welchen andern Ursachen ist zur Zeit noch unbekannt. Gewiß ist nur, daß im Lauf des ge­strigen Nachmittags eine Deputation des hiesigen Vereins der deutschen Böhmen bei Hrn. v. Pillersdorff eine nach­drückliche Verwahrung gegen die Berufung jenes Mannes in das Ministerium einlegte. Der Minister deS Innern meinte, daß man doch vor allen Dingen die wirkliche Amtsführung Palazky's abwarten solle, von dem man ja gar nicht wisse und nicht wissen könne, ob er ein gu­ter oder ein schlechter Minister sein werde. Darauf wurde erwiedert, daß die Vergangenheit Palazky's den hinlänglichen Beweis liefere, daß er unfähig sei Minister eines deutschen StaatS zu sein. Hr. v. Pillersdorff ent­gegnete , daß Oesterreich doch wohl nicht für einen aus­schließlich deutschen Staat gelten könne und daß eS sogar nicht einmal sicher sei, daß der Drang der Umstände diesen Staat nicht zu einem vorzugsweise slavischen machen werde. Die Deputation versetzte, daß man vielleicht eine deutsche Dynastie slawisiren könne, aber nimmermehr ein deutsches Volk, ein Wort, dessen Bedeutung Hr. v. Pillersdorff vollkommen zu verstehen und das einen ziem­lich starken Eindruck auf ihn zu machen schien.

Republik Frankreich.

Paris, im Mai. Ausführliche Darlegung von La- martt'ns Rede in der Mitte der National-Versammlung vom 8. Mai, Frankreichs Beziehungen nach Außen be­treffend.

(Fortsetzung.)

Parma, Piacenza, Modena suchen vergebens sich auf Oesterreich zu stützen, um mit dem Lebensgeiste Italiens zu kämpfen. Die Fürsten geben nach, die Nationalität triumphirt. Lucca wird fortgerissen. Ve­nedig proklamirt seine eigene Republik, noch schwankend, »h es sich in seiner Lage isoliren oder an den repu­blikanischen oder cönstitutionellen Bau Nord-Italiens anschließen soll. Der König von Sardinien, lange die Hoffnung der nationalen Einheit in Italien, während sein Gouvernement der Schrecken des liberalen Geistes zu Turin war, läßt bei Berührung mit der Französi­schen Revolution diesen, seiner Größe so verhängniß­vollen Widerspruch aushören. Er gibt dem Italieni­schen Liberalismus eine populäre Constitution zum Pfande. Die Lombardei begreift bei diesem Zeichen, daß die Stunde der Unabhängigkeit geschlagen. Das unbewaffnete Mailand siegt im ungleichen Kampfe über das OccupationSheer, das es fesselt. Die ganze Lombardei erhebt sich gegen das Hans Oesterreich. Sie proklamirt erst ihre Befreiung, um keine Institutions­frage in die Kriegsfrage zu mischen. Der Ruf Ita­liens zwingt den König von Sardinien , so wie den Papst und Toskana sich von den alten, anti-nationalen Verträgen mit Oesterreich los zu machen. Er marschirt in die Lombardei ein. Kontingente strömen allseitig auf das Schlachtfeld. Der Feldzug der Italienischen Unabhängigkeit schreitet durch Italien langsam vor, allein Angesichts der bewaffneten Schweiz und des be­waffneten Frankreichs, die zu handeln bereit waren, wenn das Interesse ihres Princips oder die Sicherheit ihrer Gränzen ihnen bei ihrer Wachsamkeit über Ita­lien gefährdet schienen. Ueberschreiten Sie die Alpen! Die Resultate der Politik des französischen unbewaff­neten Princips entwickele sich dort nicht mit weniger Logik in den Begebenheiten und Schnelle in den Fol­gen. Sic brachen selbst im Heerde des entgegengesetzten Princips hervor.

Schon den 11. März bricht die Revolution in Wien aus. Die Truppen werden überwunden. Den Pallast der Kaiser öffnet das Volk, um daraus das alte System, in der Person seines hartnäckigsten Staats­mannes, des Fürsten Metternichs, zu vertreiben. Die Versammlung der Notablen der Monarchie ist zusam­menberufen. Alle Freiheiten, die unfehlbaren Waffen der Demokratie werden gewährt. Ungarn nationalisirt sich und isolirt sich durch eine fast vollkommene Abtren­nung vom Reiche. Es hebt die Foudalrechte auf, es verkauft die geistlichen Güter, es ernennt ein Ministe­rium für sich, es gibt sich zum Zeichen seiner völligen Trennung selbst einen Minister des Aeußern. Böhmen sichert sich seiner Seits eine besondere Bundesverfassung. Durch die verschiedenen Befreiungen Ungarn, Böhmens und Italiens herrscht Oesterreich im Innern revolutio- nirt, nach Außen beschränkt, nur noch absolut über 12 Millionen Menschen, die zusammen halten. Drei Tage nach diesen Ereignissen in Wien am 18. März kämpft und siegt nas Volk in den Straßen von Berlin. Der König von Preußen, dessen erleuchteter Geist und volks- sreundliches Herz^ selbst mit Jenen im Einverständniß schien, die seine Soldaten bekämpften, eilt sich, Alles

dem Volke zu gewähren. Ein vollkommen demokrati­sches Wahlgesetz wird eine constituirende Versammlung zu Berlin etnführen. Bevor die constituirende Ver- sammlung zusammengetreten, fordert Preußisch Polen zu Posen seine besonderte Nationalitä. Der König willigt ein und fängt an, die erste Grundlage zu einer polnischen Nationalität zu entwerfen, welche andere Ereignisse zu befestigen haben werden. Alle diese Zer­setzungen des alten Systems, alle diese Elemente der Bundeseinheit sprechen sich in dem Deutschen Parla­ment zu Frankfurt aus. Bisheran war die Frankfurter Bundesversammlung das gehorsame Werkzeug der All- macht der zwei großen Deutschen Mächte über die schwachen Verbündeten gewesen. Die Idee eines con- stituirenden Parlaments, das im Herzen Deutschlands seinen dauernden Sitz hat, ersteht bei der Berührung unserer Ideen. Dieses Parlament der Völker, da eS hinfüro Völker vertritt, statt derHöfe, wird die Grund­lage eines neuen deutschen Bundes, der die Schwachen emanzipirt, der den Kern einer mannigfaltigen, aber unitMschen Demokratie bildet. Die mehr und mehr demokratische Freiheit Deutschlands wird nothwendig ihren Stützpunkt auf einer auch demokratischen Macht suchen, die ohne andern Ehrgeiz, als die Allianz des Prinzips und die Sicherheit des Territoriums, nämlich Frankreichs. Die Grundlagen dieses Parlaments, die zu Frankfurt Ende März berathen worden, verkünden bas neue Geschick Deutschlands. (Schluß f.)

Paris, 13. Mai. Sitzung der Nationalversamm­lung. Die große Demonstration der Klubs, zu Gun­sten Polens ist mittelst Maueranschläge aus Montag den 15. verschoben worden.

Im Laufe der Sitzung bestieg der Minister des Innern, Herr Recurt, die Tribune und zeigte an, daß das Fest des 14. auf acht Tage verschoben sei, da es unmöglich werde, die Vorbereitungen bis morgen zu beendigen. Inzwischen sind bereits gegen 80,000 Men­schen aus den Departements angekommen , um dem Feste beizuwohnen und die Dampfschiffe, so wie die Nordbahn bringen ganze Schaaren von neugierigen Engländern. Das Fest wird somit erst den 21. statt­finden — wenn es überhaupt noch stattfindet.

Während der Sitzung lief gegen 4 Uhr das Ge­rücht um, daß man sich in La Ballette und vor der Barriere St.-Martin schlage; Thatsache ist, daß die Aufregung unter allen Klaffen der Bevölkerung eher zu- als abnimmt.

Ein riesiger Anschlag der Polen, mit schwarzem Rande und mit der Aufschrift: „Dort erwürgt man unsere Brüder und hier ladet man uns zu Festen ein" schildert in den grellsten Farben die Gräuel , die in Posen, Galizien und Krakau verübt werden sollen und nährt so die Aufregung, welche in den letzten Tagen von den polnischen Emissären und den anarchischen Clubs eifrigst geschürt worden ist. Die Nationalgarde ist fortwährend schlagfertig, die Proletarier ^erinnern an daS Wort, das einer von ihnen am Morgen deS 25. Februar aussprach : „wir wollen der Republik drei Monate Elend und Entbehrung zum Opfer brin­gen." Die drei Monat sind in wenig Tagen abgelau­fen und Niemand sieht die Bürgschaften , welche die Freiheit , Gleichheit und Brüderlichkeit sicher stellen, den Wohlstand und die Ruhe Aller begründen sollen. Daß die Nationalversammlung wenig Tröstendes bieten kann, liegt zu Tage.

Die Regierung steht zwischen den äußersten Par­teien , sie ist mit der Reaktion und der Anarchie ge­spannt. Die reaktionäre Presse kann es Lamartine nicht verzeihen, daß er im entscheidenden Augenblick nicht Ledru-Rollin den Krieg erklärte, sondern lieber mit ihm, als mit der offenen Reaktion, in einer Re­gierungsform sitzen wollte; sie überschütten ihn daher, unkluger Weise, mit den heftigsten Vorwürfen.

Wie aus allen diesen Wirren herauskommen, wie die zersplitterten und zerfahrenen Richtungen nach ei­nem Ziele hinlenken, wie den ungesunden Stoff auf unschädliche Weise entladen? Es gibt ein Mitlel, den Krieg nach Außen; und dies Mittel vor wenig Wo­chen im Namen der Bruderliebe noch gewaltig perhor- rescirt, fängt an, sich sschon vielen Leuten als ein Ge­bot aufzudrängen. Wer da glauben wollte, daß dem unabwendbaren Fatalismus der Dinge eine menschliche Kraft, ein menschlicher Wille oder ein theoretischer Grundsatz zu widerstehen stark genug wäre, würde sich irren, wie die gutmüthigen Schwärmer sich irrten, die nach dem Föderationsfeste von 1790 an einen ewigen Frieden und eine ungestörte Bruderliebe glaubten.

* Paris, Montag den 15. Mai, 2 Uhr Nach­mittags. Seit 2 Tagen ist Paris durch die sogenannte Polenfrage in die größte Spannung und Aufregung versetzt. Die Anarchisten, welche auch zu der Februar- Revolution beigetragen, aber ihrer gewaltthätigen Prin­cipien wegen unterdrückt wurden, haben sich, nachdem sie alle Mittel zu einer neuen Aufregung vergebens versucht, der hochherzigen Sympathie für die polnische Nationalität bingegeben, dieselbe nur als Vorwand, das Erecutiv-Gouvernement und die National-Assemblee in Schrecken zu versetzen, gebrauchend, um den unbe­sonnenen Theil der Population zu Gewaltthätigkeiten zu verteilen, welche, wenn es gelingen sollte, ohnfehlbar die Schreckensregierung von 1793 wieder ins Leben rufen würden. Die Depesche des preußischen Gesandten — welche wegen Mangel an Zeit und Raum heute nicht mitgetheilt werden konnte — reicht hin, um inne zu werden, daß die Bewegung für Polen blos das Resultat einer Verschwörung der Anarchisten, die Na- tional-Assemblee übern Haufen zu werfen, und, wenig­

stens unter den Rädelsführern, nichts weniger als Sympathie ist. Ein hochherziges Gefühl bewegt den Haufen, allein die ruchlosesten Motive die Anführer. Wir werden nun sehen, ob die Freunde der Ordnung — die auch wahre Freunde der Polen sind — Energie genug besitzen, dem durch die Partisane der Anarchisten, welche selbst Polen ihren niedrigen Zwecken zu opfern keinen Anstand nehmen würden, hervorgerufenen Auf­stand kräftig entgegenzutreten.

Nassauisches.

Die Nothwendigkeit der Synoden in der katho­lischen Kirche.

ß Vom Westerwald, den 14. Mai.

Im Concilium Trid. (Kap. III 8688. 24 de rèf.) bkißt es: „alle 3 Jahre soll eine Provincialsynode und jedes Jahr eine Diöcesansynode gehalten werden. Zu diesen sollen auch alle Eremte, welche sonst, wenn die Eremtion aufhörte, beiwohnen müßten und keinen Ge- ncralkapiteln untergeben wären, sich hinzugeben gehalten sein; aber auch die, welche die Obsorge über die Pfarr- und andere weltliche Kirchen auch der Annerenkirche auf sich haben, wer immer sie sein mögen. Sollten hierin sowohl die Metropoliten als die Bischöfe und andere oben Bezeichnete nachläßig sein, so verfallen sie den in den heil. Canones verhängten Strafen." Diese Aus­drücke sind gewiß klar und deutlich genug, daß sie keiner Argumentation bedürfen, aber eben deßhalb muß sich auch jeder, dem das Wohl der Kirche am Herzen liegt, fragen, warum ist denn seit Gründung deS Bisthums Limburg noch keine Diöcesansynode gehalten worden, während dem die Oberbehörde doch sonst bei Handha­bung der kirchlichen Diseiplinarvorschrifte» so streng verfährt, und warum hat sich noch keine Stimme gegen diese Vernachläßigung erhoben? Alle Fragen zu be­antworten würde zu weit führen, weil ich mich streng an der Sache halten will.

Die Gründe für die Verfahrungsweise der Bischöfe können verschieden sein. Sollte etwa die Regierung die Erlaubniß zur Berufung einer Synode verweigert ha­ben ? Das ist höchst unwahrscheinlich. Der Bischof hat sich vielleicht vor dem entschiedenen Auftreten einiger Geistlichen gefürchtet? Das wäre zu bedauern. Eine Diöcesansynode ist bisher noch gar nicht nothwendig gewesen, da der Herr Bischof immer tüchtige Männer als Rathgeber in seiner Nähe gehabt hat, sagen an- dere! Darüber höre man die Ansichten der Geistlichen, welche die Lage der Diöcese besser kennen, und man wird eines bessern belehrt werden!

Doch warum gedenken wir so viel der Vergangen­heit? lassen wir Vergangenheit Vergangenheit sein und arbeiten wir darauf los, daß wir eine glückliche Zu­kunft erhalten. Das kann aber in kirchlicher Beziehung blos dadurch geschehen, daß die gesammte Geistlichkeit oder deren Stellvertreter zu Rathe gezogen, d. h. eine Synode berufen wird.

Bei der Erschütterung nämlich aller politischen wie regiligiösen Verhältnisse unserer Zeit thut es sehr Noth, daß ,der aus seinen Fugen herausgeworfene Wagen nicht in das alte, wohl aber in das rechte Gleis eingelenkl wird. Hiezu sind nun vor Allem die bestimmt, denen das Ruder des Staates oder der Kirche anvertraut ist. Aber was vermögen diese, wenn sie nicht tüchtige, die Zeitverhältnisse überschauende Männer zur Seite haben, die nicht aus persönlichem Interesse, sondern für das Wohl des Vaterlandes wie der Kirche arbeiten? In staatlicher Beziehung hat man nun schon gesorgt, daß Männer des Vertrauens an der Spitze der Regierung stehen, aber was ist noch in kirchlicher geschehen? Wie ich diese Frage aufwerfe, so habe ich insbesondere die Diöcese Limburg im Auge. Hier steht der Bischof fast rathlos da, wenn er nicht von Zeit zu Zeit einen Geist­lichen in seinem Wagen vom Taunus herbeiholen läßt. Abgesehen von der Entfernung des Diöcesankapitcls vom bischöflichen Sitze sind die meisten Mitglieder des­selben Alters halber nicht mehr fähig, sich selbst, ge­schweige der Diöcese zu rathen. Was soll nun unser für alles Gute gleich begeisterte Bischof in einer so kritischen Lage anfangen ? Meine Meinung ist die, daß er sich so schnell als möglich an seine Geistlichkeit wen­det, und zwar so, daß er sie entweder alle zn einer Synode beruft oder aus jedem Decanate 3 Vertrauens­männer von der Geistlichkeit selbst wählen läßt und sich alsdann mit diesen benimmt. Dadurch würde der Herr Bischof erfahren, welche Kräfte er unter den Geistlichen habe und daß, wenn er mit Liebe diesen begegnet, un­sere Diöcese einer glorreichen Zukunft entgegensieht.

Aus diesem Ausschuß würde der Herr Bischof dann auch seinen Rath wählen können, was von der größten Wichtigkeit ist, denn ungemein viel kommt darauf an, vaß, wie wir in allen Staaten gesehen haben, Männer des Vertrauens das Ruder führen. Dadurch wird ein Band zwischen den Vorgesetzten und Untergebenen ge­knüpft, das fast durch keine Gewalt auseinandergerissen werden kann. Eines solchen Bandes bedarf aber die Diöcese Limburg im hohen Grade, denn wer da glaubt, die Geistlichen hingen so fest an der Person des Bi­schofs, der täuscht sich sehr.

Was hilft es, immer zu rufen: „Friede, Friede," wo kein Friede ist! Alles aber wird sich durch fried­liche Besprechung bei der liebenswürdigen Persönlichkeit unseres Bischofs ausgleichen und die Diöcese wird ein herrliches Fest feiern. Also frisch ans Werk ihr Geist­lichen, denen das Wohl der Diöcese am Herzen liegt, scheue man keine Ausgaben und bedenke man, daß Jahr-