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ein enges Anschlüßen an Oesterreich, an Deutschland angewiesen und wir werden seiner treuen Bundesge- nossenschaft für immer gewiß sein — wenn wir ehrlich darauf verzichten, dieselbe wieder in Abhängigkeitsver- Hältniß zu verwandeln. Ungarn kann nicht auf sich selber stehen und es hat keine andere Stütze als Deutsch­land. Aber es hieße dieses Verhältniß mißbrauchen, wenn man versuchen wollte, Ungarn darauf hin zu einer neuen gesetzlichen Unterordnung zu zwingen. Die thatsächliche Abhängigkeit Ungarns von Deutschland wird auch ohne gesetzliche Sanction nicht allein fort- bestehen, sondern 'mit jedem Tag größer werden, in demselben Maße größer werden, in welchem die Sla­vengefahr zusehends wächst. Tschechische Sendlinge und russische Au'viegler wetteifern mit einander, den erwa­chenden Nationcilgeist der Slaven in Ungarn zur ver­zehrenden Flamme anzublasen. Die Tschechen nehmen den Norden Ungarns für ihr künftiges großmährisches Reich in Anspruch und die Russen arbeiten auf einen anarchischen Zustand hin, der ihnen zunächst von dieser Seite her Sicherheit geben und sie außerdem in den Stand setzen soll, im Trüben zu fischen. s)ie ungarische Regierung scheint allerdings die Lage der Dinge ziem­lich richtig zu beurtheilen und wir sehen, wie ja selbst der wilde Kossuth erstaunlich gelinde Saiten aufgespannt hat, nachdem er vom Oppositionsmann zum Minister geworden ist. Allein das Ministerium ist nicht die Na­tion, das Ministerium ist nicht einmal die Verwaltung und wenn man in Pesth billig denkt, so wird in den Gespauschaften sehr unbillig gehandelt. So ist zum Beispiel der gräßliche Aufruhr in Geoß'ikiuda, zuver­lässigen Zeugnissen zufolge, hauptsächlich durch den Druck hervorgernsen worden, den einige ungarische Beamie auf die.großenthcils slavische Bevölkerung ausüvten. Der große Haufe erhob sich, man weiß eigentlich nicht auf welche unmittelbare Veranlassung hin, in thierischer Wuth zunächst gegen die Beamten, dann gegen Alles, was einen Rock trug, dann gegen Alles, was für wohl­habend galt. Plünderung, Brandlegung, Mord, Noth­zucht, qualvolles Hinmartern verhaßter Personen herrsch­ten zwei Tage lang ungehindert in der Stadt, welche nicht weniger als zwei Millionen Gulden an zerstör­tem Eigenthum verloren haben soll. Von ähnlichen, wenn auch weniger umfangreichen Auftritten bringt jede Post neue Nachrichten. Was wird erst werden, wenn wirklich der allgemeine Aufstand der Südslaven aus- bricht, auf welchen von verschiedenen Seiten seit ge­raumer Zeit mit großer Beharrlichkeit hingearbeiret wird, der für unvermeidlich gilt und den man |d)on im Lauf des gegenwärtigen Monats erwarten zu müssen glaubt? (Allg. Z.)

Eine,Lücke im Entwurf des Reichsgrundgesetzes.

Äle schweren Verwickelungen in Schleswig-Holstein weisen recht deutlich auf, zu wie verlorenen öffentlichen Zuständen unser bisheriges Bundesleben führt. Be­kommt der deutsche Bund Krieg mit Dänemark, so ist der Holsteiner von Bundeswegen verpflichtet, seinen Herzog zu bekriegen, weil dieser König von Dänemark ist, eben so der Lauenburger; der Schleswiger aber ist, mindestens nach der Behauptung der Krone Dänemark, in demselben Maße verpflichtet, in solchem Falle, mit den Dänen gepaart, seine Hände in HolsteinischesBru­derblut zu tauchen.

Rechtsverhältnisse dieser Art konnte das Mittelalter ertragen, in welchem der Tapferkeit ihre ritterliche Ehre gezollt ward, selbst wenn sie die eigenen Eingeweide zerfleischte; unser Sinn aber verlangt vor Allem, daß jedes Blutvergießen sich durch einen vaterländischen Zweck rechtfertige. Wir verwerfen jene mittelalterlichen Satzungen, welche durch Verpflichtungen, nie sich kreu­zen, die Gewissen verwirren, und wir haben uns deß­halb recht gefreut, als unser Jahrhundert einige dieser Verwickelungen löste, als Wismar, welches der west- phälische Friede mitten aus Mecklenburg zugleich mit ein paar Amtsgebieten ausschnitt und an Schweden überantwortete, zur alten Heimath zurückkehrte, als Schwedischpommtrn an Preußen kam und England ver­möge seines übelgeordneten Thronfolgerechteö endlich von Hannover lassen mußte, ohne freilich darum den Vorsatz aufzugeben, Hannover in den Schlingen seiner Handclspoliiik festzuhalten. Und wie unendlich viel fehlt doch noch überhaupt daran, daß Deutschland der Herr seiner Küste werde! Um von Oesterreich gar nicht zu reden, dessen Schwerpunkt unwiederbringlich in außer- deutsche Gebiete fällt und das wir doch nicht missen können und wollen, ist nicht das deutsche Luxemburg an die Krone der Niederlande geknüpft? und was die Zu­kunft angeht, wer kennt nicht Rußlands Vorbehalte seiner Rechte auf Holstein und wie viele Herrschafts­ansprüche können sich nicht für deutsche Fürstensöhne, die im Ausland ihren Sitz haben, noch eröffnen?

Nun ist es allerdings unmöglich, alle diese Schäden unser.s Gemeinwesens, wie sie in Jahrhunderten er­wachsen sind, auf einen Schnitt hinwegzutilgen, und was die Vergangenheit betrifft, möchte allein Schles­wig-Holstein eine Ausnahme machen. Denn wo einmal ein breiter Blutstrom zwischen dem Fürsten und einem anders redenden Volke liegt, da ist die Aufforderung groß, ein überhaupt unnatürliches Verhältniß, welches durch den Kunstausdruck Personalunion nicht verbessert wird, lieber her dem bevorstehenden Friedensschlüsse gänzlich aufzuheben, als durch die Beibehaltung neue hervorzurufen, die den europäischen Frieden zum zwei­ten Male stören möchten. Was aber sonst die Zukunft angeht, so darf in unserem künftigen ReichSgrunvgeseye

ein Paragraph nicht fehlen, welcher sich so formuliren ließe:

In Zukunft darf kein Staat des deutschen Reiches unter die Regierung eines im Auslande regierenden Fürsten oder im Auslande verbleibenden Prinzen fallen. Fällt aber einem deutschen regierenden Fürsten die Herr­schaft über einen Staat des Auslandes zu, so gehen mit der Annahme dieser Herrschaft die demselben bisher im deutschen Reiche zustehenden Regierungsrechte an den zunächst berechtigten Prinzen über. (D. ZI Aufforderung an den Prinzen von Preußen zur Rückkehr nach Berlin.

Der preußische Staatsanzeigcr bringt folgenden Be­richt des Ministers und die Antwort des Königs darauf:

Ew. königl. Majestät haben vor der Bildung des gegenwärtigen Ministeriums Se. königl. Hoheit, den Prinzen von Preußen mit einem allerhöchsten Auftrage nach England zu entsenden geruht. Allerhöchst diesel­ben wollen uns gestatten, die Gründe ehrerbietigst vor­zutragen, aus denen, nach unserer Ansicht, die baldige Rückkehr seiner königl. Hoheit in Ew. Maj. Staaten dringend zu wünschen ist. Seitdem der Prinz von Preuße» am 18. März als erstes Mitglied des dama­ligen Staatsministeriums das allerhöchste Patent mit- umerzeichaeie, in welchem die Nothwendigkeit einer con- stitutionellen Verfassung für alle deutschen Länder von Ew. Maj. anerkannt wurde, ist unter Zustimmung des Vereinigten Landtages ein Wahlgesetz für die zur Ver­einbarung der preußischen Staatsverfassung zu berufende Versammlung erlassen worden, die Abgeordneten sind erwählt und die Einberufung der Versammlung steht nahe bevor. — Für den Zeitpunkt nun, wo die Bereinbarng der Staatsverfassung zu Stande gekom­men sein wird, erachten wir es für unerläßlich, daß Se. königl. Hoheit, als der Nächste am Throne, zu deren feierlicher Anerkennung anwesend sei. Aber auch während ihrer Berathung durch die Versammlung ist eS erforderlich, jedem Zweifel, jeder Deutung zu begeg­nen, wozu die Abwesenheit Sr. königl. Hoheit Veran­lassung geben könnte; es ist nöthig, daß die Versamm­lung ihre Berathungen mit der vollen Gewißheit be- ginne und fortsetze, in Ew. Majestät erstem Unterthan einen Mitbürger der Rechte zu finden, welche Ew. Majestät der Volksvertretung einzuräumen entschlossen sind; eS ist nöthig, daß die in ihre Heimath zurückkeh­renden Abgeordneten in dem ganzen Lande Zeugniß von Gesinnungen ablegen, welche klar zu erkennen ihnen die Gelegenheit nicht fehlen wird, wie sie uns seither nicht gefehlt hat. Nicht lange mehr wird die erregte Gegenwart der Ueberzeugung sich verschließen, baß die Ritterlichkeit des Charakters die sicherste Gewähr für das aufrichtige, männliche Beharren auf der neuen Bahn darbietet, welche mit Ew. Majestät Se. königl. Hoheit der Prinz von Preußen als ein Bedürfniß für das Wohl des Volkes erkannt hat, und diese Ueber­zeugung, hervorgerufen und gekräftigt durch den frei­müthigen Anschluß an die neuen Zustände, durch das Leben in und mit ihnen, wird von den gemischten Ge­fühlen eines eben so muthigen als treuen Volksstam­mes bald nur die edelsten Bestandtheile zurücklassen. Wir stellen hiernach Ew. Majestät allerunterthänigst anheim, Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen von Preu­ßen, die Abkürzung des Aufenthalts in England zu empfehlen.

Berlin, 10. Mai 1848.

Das Staats-Ministerium.

Camphausen. Graf v. Schwerin. v. Auerswald. Bornemann, v. Arnim. Hansemann. Graf v.

Kanitz. v. Paww.

Ich bin mit den in dem Berichte des Staatsmi- nisteriums vorgetragenen Ansichten um so mehr einver­standen, als mein Bruder, der Prinz von Preußen, königl. Hoheit, wiederholentlich seine volle Zustim­mung zu der von meiner Regierung betretenen neuen Bahn gegen mich ausgesprochen hat. Ich habe des­halb Seine königliche Hoheit, nach dem Anträge des Staatsministeriums, zur baldigen Rückkehr in das Vaterland veranlaßt. Zugleich habe ich, nachdem der bisherige erste Adjutant des Prinzen v. Preußen, Ma­jor Graf v. Königsmark, schon vor einiger Zeit aus dieser Stellung ausgeschieden ist und der Sr. königl. Hoheit attachirte Generalstabsoffizier Major Oelrichs eine anbete Bestimmung erhalten hat, den Major Laue zum ersten Adjutanten des Prinzen von Preußen mit dem Auftrage ernannt, Sr. königl. Hoheit meine Auffor­derung zur Rückkehr zu überbringen.

Potsdamm, den 11. Mai 1848.

Friedrich Wilhelm.

Schleswig -Holsteinische Ilttgetegenheiten.

Kiel, den 9. Mai. Daß die Dänen eine Un­ternehmung vorhaben, läßt sich nach ihren Bewegungen kaum bezweifeln. Bei der noch unweit Bülck liegen­den Gdlathea ist heute wieder ein Dampfschiff gewesen und hat eine Abtheilung Matrosen oder Scesoldaten von dort mitgenommen. (A. M.)

Uendsburg, den 9. Mai. Man erwartet im Verlauf der Woche sämmtliche Freicorps hier zurück, um dann unter angemessenen Feierlichkeiten hier ent­lassen zu werden. ' Der wackern Streiter, wenigstens der Scharfschützen unter ihnen, hart indessen schon eine

andere Bestimmung. Sie werden eine ehrenvolle Ver­wendung finden auf den Kriegsschiffen und Dampfbvwn, die jetzt bei aller Energie in Hamburg und Bremen ausgerüstet werden, um der schmachvollen Blokade ««- serer Ströme und Häfen ein Ende zu machen.

K , (S.-H. Z .)

tziendsburg, den 10. Mai. An der Mündung des Fjords von Hadersleben zeigte sich am 9. d. eine feindliche Kriegs-Corvette. Im Apenrader Fjord nimmt (nach Berichten von dort vom 9. d.) jeden Abend eine dänische Brigg ihre Station. — Nach Berichten aus Flensburg vom 9. d. zeigen sich dort bisweilen Kano­nenböte, wagen indessen nicht, in den Hafen einzulau­fen. In der Bucht bei Holms halten sich ein dänisches Kriegsschiff und ein Dampfschiff auf. Diese haben mehrfach mit Angeln zu communiciren versucht; seitdem indessen vor einigen Tagen die Dragoner durch Cara- binerfeuer einen Landungsversuch zurückgewiesen, ist ein solcher bisher nicht wiederholt worden.

Wir erhalten von einem Augenzeugen folgendes Schreiben, datirt aus Kolding,' vom'lO. d.: „In den hiesigen Zuständen ist keine wesentliche Veränderung eingetreten, und nur mit den Kriegsschiffen finden fast täglich kleine Scharmützel statt. Am gestrigen Mor­gen ging ich in militärischen Geschäften nach Fridericia und wurde dort Zeuge eines Gefechts mit einem Dampf­schiffe und 4 Kanonenböten; augenscheinlich hatten diese Schiffe es sich zur Aufgabe gestellt, die deutsche Flagge von der Hafenbatterie wegzuschießen und warfen Gra­naten in die Batterie und die Stadt; leider ging da­bei das Zeughaus mit einem darin von den Dänen zurückgelassenen Patronenvorrath in Flammen auf, das Dach desselben wurde herabgcschosseii und einige fried­liche Einwohner gerodet. Indessen wurde das feind­liche Feuer von den preußischen 6pfünDigen Kanonen tn und außerhalb der Festung lebhaft erwiedert, und wir hatten die Genugthuung, 2 Kanonenböte in der Weise zu zerstören, daß sie nur mit Mühe das jen­seitige Ufer erreichten, und wurde außerdem dem Dampf­schiffe das eine Rad und das Hinterbord zerschossen, so wie auch die Fährstelle Strib niederbrannte. Zur Vergeltung der Beschießung von Fridericia, ließ der General v. Bonin einige Granaten (von Snoghoi aus) in Middelfahrt hineinwerfen, wodurch etwa 5 biü 6 Häuser niederbrannten. Diese Stadt ist von 3 däni­schen Bataillons, 2 Batterien und freiwilliger Caval- lerie besetzt.

Vertin, 12. Mai. (Tagesbefehl an die Trup­pen des preußischen Corps in Schleswig.) „Es ist Euch gelungen, unter der einsichtsvollen Führung Eurer kriegserfahrenen Befehlshaber, vereinigt mit Euren deutschen Waffenbrüdern in dem Feldzuge zur Befreiung von Schleswig, den Waffenruhm des vaterländischen Heeres auffs neue glänzend zu bewähren, sowohl durch Tapferkeit im Gefecht als durch Menschlichkeit nach demselben und durch musterhafte Disciplin- Gern nehme Ich daher Veranlassung, Euch Meinen Dank und Meine Zufriedenheit auszudrücken, in dem festen Vertrauen, daß Ihr auch ferner Euch des preußischen Namens würdig zeigen werdet.

Potsdam, den 8. Mai 1848.

Friedrich Wilhelm.

Posen, 8. Mai. Die Insurrektion im Großher- zogthum ist leider immer noch im Zunehmen, weßhalb zu den über 30,000 Mann, welche schon hier stehen, ’ noch 16 — 20,000 Mann vom 3ten, 2ten und iten Armeekorps herangezogen werden, von letzteren sollen bereits in Gnescn 8000 Mann eingerückt sein, sowie auch Garde-Artillerie bei Pinne stehen soll. DaS Land links der Warthe ist vollständig insurgirt, bei StenS- zewo sogar die Straße nach Breölau durchbrochen und verdarrikadirt. Die reguläre Hauptmacht der Insurgen­ten, unter dem Kommando MierowSlawSkt'S, hat sich um Gnesen versammelt, wo sie indeß von preußischen Truppen, namentlich von den neuherankommenden, um­stellt sein soll. Man hörte gestern schon die Nachricht von blutigen Gefechten, welche dort stattgefunden hâtteu, sowie wieder etliche Offiziere todt und verwundet gesagt wurden. — Gestern Abend um 11 Uhr setzte General- marsch unsere Bevölkerung wieder in Schrecken, man brachte denselben mit einem großen Feuer, welches man auf der Straße nach Bromberg hatte brennen sehen, in Verbindung, indem man dasselbe (eü scheint ein gro­ßer Theil eines Dorfes abgebrannt zu fein) für ein polnisches Fanal zum Angriff auf die Festung Posen hielt. Näheres darüber ist noch nicht bekannt geworden und ein ernstlicher Angriff bis jetzt noch nicht erfolgt, obwohl ein solcher immer noch für die nächste Zukunft befürchtet wird. (Brl. Z.)

Vreslan, 9. Mai. Heute aus dem Großherzog- thum Posen und zugekommenen Nachrichten zufolge macht dre Insurrektion daselbst überall Fortschritte. Die Ge­gend von Kosten ist vollständig insurgirt. Die Nichtig­keit der Angaben über die Vernichtung der polnischen Streitkräfte bei Gnesen müssen wir bezweifeln, da neuere aus jener Gegend uns zugekommene Nachrichten nichts davon melden. Die polnische Grenze ist fortwährend mit Kosacken, Husaren rc. stark besetzt. Von Kalisch bis Peisern stehen 18,000 Mann mit 3 Batterien Artille- rie und 800 Tscherkeffen.

Wien, 7. Mai. Dringend rufen wir »ochmalt dem deutschen Bunde zu, daß er die Lage Böhmens nich bloß in ernstliche Erwägung ziehen, sondern rasche Vor­bereitung zum Handeln treffen möge, will er nicht ruhig geschehen lassen, daß ein Bundesland im Her­zen Deutschlands zu einem Bollwerk des PansiaviSmuS werde.