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Wir hoffen und wünschen daher, bald, recht bald, möge es von manchem unbrauchbaren Subjecte unter unseren Kammermitglicdern heißen, was Cicero von Katilina sagt: Abiit, excessit, evanit, erupit. (Er ist fort; er ist draußen; er ist entwichen; er ist durchgebrochen.) Gott gebe, daß es also geschehe!
Anmerkung der Redaktion.
Wir sind nicht mit'allem Obigen einverstanden. Erst die Leistung, dann die Kritik. Wir wollen erst einmal sehen, was die Kammer thut, und dann wollen wir sie beurtheilen, meinetwegen auch hart und schonungslos, wcnns Noth thut. Wir haben daher unter dieser Beschränkung den obigen Artikel unseres geehrten Correspondenten ausgenommen und unter der Voraussetzung, daß er die öffentliche Meinung eines Theils des Landes ausspricht.
Moden der Zeit.
H Von der Lahn , 10. Mai.
Während alle Geschäfte und Gewerbe stocken, ist ein Geschäft im schwunghaftestnn Gange, nämlich die politische Kannengießerei. Jeder, der seit März sich einen Schnurrbart gezogen hat, und noch viele Andere haben sich jetzt ans die Politik geworfen; nur wäre zu wünschen, daß zu gleich mit den Schnurrbärten auch Verstand und politische Einsicht in demselben Maße gewachsen wäre. — Anfangs ließ die Schaar der neu gebackenen Freiheitshelden ihre Bravour an Preußen aus und machte dies zu ihrem Sündenbocke, später mußten die Gegner Heckers, sogar der Fünfziger-Ausschuß herbalten.
In den letzten Wochen ist glücklicher Weise ein neuer Gegenstand gegeben, woran man wohlfeil und kostenfrei seinen patriotischen Muth und Eifer beweisen kann. Die 17 Vertrauensmänner mit dem Entwürfe des Reichsgrundgesetzes sind jetzt der Gegenstand der tapsirn Angriffe der beschnurrbärteten Patrioten, die zwar hinten, wie sie sagen, den Zopf mit Haut und Haar vernichtet haben, dagegen vorn die Mündung ihrer Begeisterung mit zwei Zöpfen bedecken. Denn diese Versammlung ist so reaktionär, unverständig und undeutsch geworden, daß sie den für die Freiheit und Einheit Deutschlands so gefährlichen Vorschlag gemacht hat, Deutschland nicht zu einer Republik, sondern zu einem Kaiserchum zu vereinigen und an die Spitze des Vaterlandes nicht einen wechselnden Vorsitzer, sondern einen erblichen Kaiser zu stellen.
Nun wer seid ihr — ihr patriotischen Tadler? Kauf- und Gewerbsleute, die bisher in Stadt und Land ruhig nur ihrem Geschäfte vorstanden, und ihre politische und geschichtliche Kenntnisse vornehmlich aus Zeitungen schöpften; junge, kaum in öffentlichen Dienst eingetretene Leute, die in Casinoschen den Mund voll nehmen und in Versammlungen des geschichtsunkundigen Velkes mit ihrer jungen, aller Erfahrung baaren Weisheit groß thun: es sind ehrgeizige und Leute mancherlei Art. — Ich weiß wohl, es gibt unter Euch auch Sterne, aber das sind Kometen oder Wandelsterne, die
einsam Heuren schiffe, Sagt, wittert
umherirren und deren Größe in einem unge- Rebelftreifen besteht; sie sind Schleppdampf- denen ihr auch als Schleppkähne anhänget.
ihr Patrioten, und dabei eure
heit, Kraft und Größe bisher für Deutschland Eure Vaterlandsliebe, bewährt?
die ihr allenthalben Reaction Recepte für Deutschlands Freianpreiset, sagt, was habt Ihr gethan? Wodurch habt Ihr eure politische Weisheit bisher
Ihr habt über Louis Philipp raisonnirt, über unsere deutsche Zu stände vielleicht in der Tasche eine Faust gemacht, patriotische Lieder gesungen und auf der Freiheit Wohl — gegessen und getrunken. Thaten habt Ihr nicht gethan, gelitten habt Ihr nicht für das Vaterland. — Hut ab, Ihr neuen Patrioten, denn ich will Euch die Männer jetzt nennen, die Ihr tadelt, die Männer von ächtem Schrot und Korn, gegen deren Größe Ihr bei all Eurem Patriotismus nur Zwerge seid. Ich nenne Welcker, Bassermann, Heinrich von Gagern, Dahlmann, Gervinus, Albrecht, Uhland, Eisenmann, Jordan und unter vielen Andern nur noch F. M. Arndt.
Das sind Patrioten von Alters her; Kämpfe und Siege, Thaten in Schrift und Wort, Erfolge, vor Allem die errungene Freiheit, sind die Zeugnisse ihres Patriotismus. Sie sind zum Theil Märtyrer unserer Freiheit und haben mit großen Opfer und Leiden den jetzigen Freiheitsfrühling heraufgeführt. Ihre politische, geschichtliche und staatsmännische Weisheit haben sie nicht aus dem Frankfurter Journal geschöpft, sondern sie ist die Frucht ernster, eb'en so tiefer, als umfassender Studien; sie sind Sterne erster Größe in deutscher t^lyemchaft und die Geschichte wird ihre Namen als ■ sn>lnCtcn ^ Gelehrte verewigen. — Das sind die nnnpfn“?" ^ ^^ Republik wollen, damit nicht lieb- in bin deutsches, erbliches Kaiserthum
ihnen ""^ vertheidigen. Und diese, und
Sn^ MN kch-l.m Md
mus und Eurer Einsicht »^ Eures Patriotis, babt alS große Worte und «roSe Ä" "uhuweisen Nehmet den Spott nicht krumm 6“ Eurer Vaterlandsliebe, aber weitzGou
was Ihr thut. Ihr wollt Deutschland? N^?- ^' Freiheit, Kraft und Größe -XX Ä K Alles in Gefahr. Deutschlands Einheit, Krall Ä Größe, aber auch seine Freiheit, beruht einzig und al kein auf dem Kaiserthume, auf dem erblichen Kaiser- ihume!
M. Vom Westerwald, den 16. Mai.
Dem Verfasser des Artikels: „Unsere Wahlen" in Nro. 51 der Nassauischen Zeitung stimme ich auf den Grund eigener Wahrnehmung darin vollkommen bei: „daß die Bestimmung des Wahlgesetzes, wonach jeher „einzelne Deputate einzeln gewählt wird, eine durch- „aus unzweckmäßige ist."
Dagegen balte ich es für meine Pflicht, zur Ehre unseres Wahlbezirkes Marienberg-Rennerod ausdrücklich zu bemerken, daß die Wahlversammlung so ruhig und friedlich abgehalten worden und zu Ende gegangen ist, wie vielleicht nicht sede andere im Her- zogthum. Auch weiß ich mit Sicherheit, daß viele Katholiken dem evangelischen und viele Evangelische dem katholischen Wahlcandidaten ihre Stimmen gegeben haben, und zwar ohne sogenanntes „schachermäßiges Markten und Feilschen," welches schon an sich zwecklos gewesen wäre, da die überwiegende Mehrzahl der Wahlmänner aus dem Amte Rennerod resp, evangelischer Confession war.
Ueberhaupt sollten die Zeitungen des Landes Amts- odcr konfessionelle Unterschiede so selten als möglich zur Sprache bringen. Die Bewohner des Westerwaldes sind dem größern Theile nach in der letz- tern Beziehung weit einiger, als Manche wünschen und glauben.
Wiesbaden, den 12. Mai 1848.
Obgleich die Juristen aufgefordert sind, dem Ver- faffer eines in der henligen Freien Zeitung von der Weil zur Aufhebung der Zehnten ohne Entschädigung beizustehen oder ihn zu widerlegen, so können wir, wenn auch der Rechtswissenschaft als solcher fremd, doch nicht unterlassen, ein Wort über diesen Punkt zu sagen.
Nicht blos wer die Rechte studirt, sondern wer für Recht Sinn hat und — wir scheuen uns nicht, es zu sagen — wer nicht verrückt ist, der hat den Beruf und die Fähigkeit, eine solche Land und Leute aufregende Ansicht zu bekämpfen.
Daß der Zehnten keine Steuer ist, die der Staat durch Einführung einer andern Besteuerungsart aufheben kann, folgt schon daraus, daß er ungleich ist, je nachdem Vertrag und Herkommen ihn festgesetzt haben. Doch wir wollen uns nicht so weit versteigen, die Natur und Entstehung der Zehnten zu untersuchen; wir wollen blos einen Punkt hervorheben, welcher hinreichend sein wird, Jeden, selbst den unwissenden Bauersmann von der Gehaltlosigkeit jener Idee zu überführen.
Angenommen, wir kämen dahin, daß eine Aufbe^ bung ohne Entschädigung erfolgte, und es würde also ein beliebiges Grundstück auf einmal zehntfrei, würde es dann nicht dem vorherigen Eigenthümer einfallen, aufzutreteu und Nachzahlung des zu wenig erhaltenen Kaufpreises in Anspruch zu nehmen? Wir bewilligen ihm diese Vergütung, well wir fühlen, daß er recht hat. Nun kommt aber auch der vorvorige Eigenthümer und verlangt dasselbe und dieses würde kein Ende nehmen, bis wir bei den Zehntpflichtigen anlangten, deren im neuen Testament gedacht ist.
Für jetzt aus Mangel an Zeit nur so viel, nächstens mehr, wenn es gewünscht wird. —m—
Deutsche Kriegsmarine. Aufforderung an Deutschland,
Die Tapferkeit deutscher Krieger hat den Feind versagt vom deutschen Boden. Des einigen Deutschlands siegreiches Fahnenzeichen weht auf dem äußersten Bollwerke, welches Dänemark scheidet von Deutschland. Aber von seinen Schiffen aus bedroht der Feind setzt Deutschlands Küsten, Deutschlands Sicherheit und Ehre. Stehet denn zusammen, Deutsche, zum Schutz und Trutz für unsere noch jugendliche Flagge! daß sie bewahrt werde vor der ersten ihr angedrohten Schmach, daß sie dem Feinde entgegentrete gerüstet und stark, wie Deutschlands Ehre es fordert, wie Deutschlands vereinigte Kraft es vermag! — daß alle Stimmen, welche früher laut wurden in gerechten Klagen über den Mangel deutscher Kriegsschiffe, jetzt auch einstimmen mögen in unseren Zuruf, damit er weithin getragen werde, überall wo deutsche Sprache tönt, wo deutsche Herzen schlagen. Groß ist das Ziel, dem wir nachstreben, reich und groß wird die Ehre, wird der Segen sein für ganz Deutschland; — reich und groß müssen aber auch die Mittel sein, wenn es erreicht werden soll. Die Unterzeichneten sind zusammcngetreten zu einem Comite für eine deutsche Kriegsmarine, um durch Ausrüstung von Kriegsschiffen unter deutscher Flagge zu antworten auf die Herausforderungen des Feindes, kampfbereit ihm entgegenzutreten, wo er uns bedroht an unseren Küsten. Unter Genehmigung und zugesichertem Schutz ihrer Regierung haben sie die geeigneten Vorbereitungen eingeleitet. Ihr Unternehmen ist mit Begeisterung ausgenommen und hat die thätigste T eilnahme gefunden überall, so weit die Kunde davon bis heute gedrungen ist. Soll aber unser Streben zur erfolgreichen That werden, so muß es Stütze finden und Hülfe in des ganzen Deutschlands treueiniger Gesinnung. — An alle Deutsche wendet sich das Comite mit der Aufforderung, aller Orten zusammenzutreten, um Beiträge zu sammeln und beizusteuern. Bei den Verhältnissen des Augenblicks dürfen wir im Interesse der Sache weder über die Art der Ausführung, noch auch über die Größe der eingehenden Mittel für setzt uns aussprechen. Bald aber — und se größer, se rascher die Hülfe, desto frü« "l^r wird die Zeit da sein, wo die Beiträge der ein- gegangenen Beisteuern gemacht werden sollen.
So steht denn zu uns Alle, die ihr Deutschland's Ehre theilt! Und wenn auch die Kunde von Friedens- Verhandlungen, welche in dem nämlichen Augenblicke, in dem wir diese Aufforderung niederschreiben, zu uns gelangt, gleichzeitig Euch erreichen sollte, laßt nicht ab, das begonnene Werk zur Ausführung zu fördern, ein Werk, welches für alle Zeiten dastehen wird, als ein hellstrahlendes, für jeden angreifenden Feind drohendes Wahrzeichen von Deutschlands Einigkeit, von Deutschlands Kraft.
Hamburg, den 9. Mai 1848.
Das Comite für eine deutsche Kriegsmarine: N. M. Sloman.
X C. Godeffroy und Sohn. Noß Vidal u. Comp.
A. F. Woldsen.
Aufruf zur Sechsersammlung für die deutsche Flotte.
Ihr Aufruf zur Sechsersammlung für die deutsche Flotte ist patriotisch und praktisch. Wir haben uns mit Freuden daran betheiligt. Aber wir glauben, daß er in dieser Form nicht durchgreift. Die politische Gleichgültigkeit und Unthätigkeit ist noch zu groß«, als daß sich die große Mehrzahl zu einem Sammellocal verfügte, um dort zu zahlen. Die Sammlung muß in Stadt und Dorf, von Straße zu Straße, von Haus zu Haus gehen. Machen wir hier in Wiesbaden den Anfang. Er wird in Nassau, in ganz Deutschland Anklang finden und Nachahmung hervorrufen. Wir fordern unsere vierundzwanzig hiesigen Stadtvorftcher auf, das Sammelwerk zu beginnen, zuvor aber eine große Volksversammlung auszuschreiben, in welcher der Zweck und Plan gehörig besprochen und die große Sache unseren Mitbürgern an das Herz gelegt werden kann.
Mögen also die Sladtvorsteher thun, was ihre Pflicht ist. Mögen sie zeigen, daß sie unsere Stadt nicht blos in ihren Sonderinteressen, sondern auch als lebendiges Glied des großen deutschen Vaterlandes zu vertreten wissen.
Wiesbaden, den 13. Mai 1848.
Mehrere Bürger Wiesbadens.
Bewegung der deutschen Preffe.
Deutschland und der Orient.
Ißegypten. Der Ruf des Erwachens, welcher Europa und besonders Deutschland durchweht, hat seinen Widerhall bereits gefunden, nicht blos in den fernsten Gauen des Festlandes — er ist hinüber gedrungen über dre Meere. Während das osmanische Schattenreich seine letzten Kräfte aufrafft gegen die griechische Bevölkerung seiner europäischen Provinzen , hat die Bewegung 'ML»« in den Gebirgen Syriens begonnen, und die beständigen Truppensendungen, welche England aus Indien nach Aden unternommen, haben die ägyptische Regierung aus ihrem Schlummer aufgeschreckt. Die letztere ist, wie Ihnen wahrscheinlich bekannt, nicht mehr in den Händen desjenigen, der im streng asiatischen Sinne fast ein halbes Jahrhundert hier gehaust und im Zustande völliger Gei- steözerrüttung sich mit seinem System abgelebt: es besteht hier seit der Rückkehr Mehmed-Ali's eine prov. Regierung ohne Präsidentschaft, welche Ibrahim Pascha auögeschla- gen — wohl aus Furcht, sein Vater möge noch einmal genesen und eü ihm entgelten lassen, daß er während seines Lebens die Herrschaft sich angemaßt. Die provisorische Regierung, auö drei Mitgliedern der herrschenden Familie und aus 8 Großen des Reiches bestehend, hat vor allem ihr Augenmerk auf den hilflosen Zustand deS Landes gerichtet: es wird gegenwärtig von ihr eine Rundreise am Saume deS Delta's gemacht, um die ge- hörigen Maßregeln für Befestigung der Küste und für die Wiederherstellung einer Armee zu nehmen — wenn daS nicht zu spät ist. Ibrahim Pascha, der seine Bestätigung in der Nachfolge von Co.stantinopel auS erwartet , soll fest entschlossen sein sogleich nach dem Ableben seines Vaters, dem man nun bald entgegensieht, durch Aufhebung der Kopfsteuer und andere ähnliche Mittel daS Volk an die regierende Familie zu fesseln — wenn das nicht ebenfalls zu spät ist. Ein Beweis sind jedoch diese Maßregeln immerhin, daß man sogar in Afrika eingesehen, daß daö einzige verläßige Bollwerk der Herrscher gegen äußere Angriffe die Liebe deS Volkes sei. Auch hier geht der Militärdespotismus mit raschen Schritten zu Grabe. Wie entschieden übrigens John Bull sein Auge auf die fette ägyptische Maierei gerichtet, geht schon aus der Erklärung deâ hiesigen englischen Agenten hervor, daß er gezwungen sei, englische Fregatten und Dampf-, boote nach Alexandrien zu rufen, wenn nicht Ibrahim oder AbbaS Pascha persönlich in Cairo für die Sicherheit der englischen Briefe und Reisenden auf dem JsthmuS von Suez sorge. Der letzte erklärte sich bereits dafür zu haften. Wir halten es für unnöthig wiederholt dar- auf hinzuweisen, in welchem riesigen Maßstabe der Beschleunigung sich die Ereignisse folgen, und um wie viel näher rurch alle diese Combinationen Rußland, welches auch die Verlegenheiten sein mögen, die ihm auö Polen und Deutschland erwachsen, nach Constantinopel vorgerückt ist. Nicht zur Unzeit glauben wir es daher dem deutschen Volke über die Meere hin zuzurufen: Jetzt oder nie mehr! Nur rasche Einigung im Innern mit einem wachsamen Auge nach Außen kann unser Vaterland zq jener Stufe erheben, die ihm gebührt — stark nach Innen und mächtig nach Außen zu sein. DaS deutsche Volk steht keinem nach an Fähigkeit und Kraft, es steht manchem vor an geistiger Entwickelung. Die unselige
