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in dem allgemeinen Sturme ein Mißtrauen gegen die Zahlungsfähigkeit der Staaten entstanden, Schlag auf Schlag sind die großen Capitalien gefallen, andere haben sich dem Verkehre entzogen. Je mehr die Unordnung sich steigert, desto mehr weicht das Capital, weicht die Gelegenheit zur Arbeit, zum Verdienst. So wie die Staatspapiere bei einer unsichren Lage des Staates sinken, so sinkt die Möglichkeit der Arbeit mit dem sin­kenden Vertrauen in der Dauer der Staaten und unsere Zustande. Zerstört ihr Dampfschiffe und Eisenbahnen, so zerstört ihr den Verkehr, und was noch unendlich mehr ist ihr zerstört das Vertrauen, daß ein sicherer Verkehr nur möglich sei, ihr zerstört den Lebensunter­halt von tausend Anderen, ihr zerstört die Zukunft des Vaterlandes. Jeder Schuß, der auf ein Schiff im Rheine fällt, ist ein Schuß auf die Freiheit; jede Schiene, die gehoben wird, ist eine Wunde für das Vaterland. Es kann im Ernste Niemand glauben, daß wir wieder zu jener Zeit zurückkehren könnten, wo noch keine Macht, als die der Hânde, den Menschen zu Gebote stand: diese Zeit des ersten FaustrechtS ist zum Glücke auf ewig dahin.

Und somit wenden wir uns an euch. Die Welt hat die Arbeiter von Frankreich gerühmt, daß sie nicht durch gesetzlose Thaten die Verbesserung ihrer eigenen Zustände hemmten. Ihr habt den Beruf, dasselbe zu thun und den alten Glauben nicht Lügen zu strafen, daß das deutsche Volk das gesetzlichste der Erde ist. Noch wenige Äslge, und die großen Rechte unseres Volkes sind besistigt, und die Frage der Arbeit wird die erste sein, welche alle Geister unseres Volkes be­schäftigen wird. Wer bis dahin eine Störung der öffentlichen Ruhe versucht, ist ein Feind des allgemeinen Wohles und muß als Verräther geächtet werden von dem Volke; denn et sucht auf ferne Zeiten zn verschieben, was schon morgen geschehen könnte.

Arbeiter, erhebt euch gegen diese! Verschmäht die­jenigen, welche durch euch die Ruhe stören wollen; denn nur in der Ruhe kann die Freiheit auf euch hin- übergeleitet werden.

Oder zweifelt ihr daran? Bald werden die Ver­treter des deutschen Volkes zusammcnkommen, und ihr werdet eure Vertreter wählen, wie die Höchsten und Erlauchsten, die es bisher gegeben hat. Es ist für euch eine Zeit gekommen, wo euch die Ruhe größere Siege bringt, als der Zwiespalt und der Aufruhr. Es ist dahin gekommen, daß jede Revolution zu einer Niederlage für euch wird, daß die Arbeit und die Frei­heit nur noch dieselben Feinde hat.

Und sodann ein Anderes! Es ist in vielen Orten eine Bürgerwehr gegründet, weil die Truppen Hinfou nur gegen den äußeren Feind zu fechten haben werben. Aber nicht gegen die Arbeiter ist die Bürgergarde ge­gründet worden, sondern gegen die Ercesse, welche Uebels -*â^r der Arecurr -- vvrüücrr- möchten. Dl?' Gurgcrgarbe ist da, die neue Freiheit zu beschützen, nicht aber, sie in irgend einem Kreise der Gesellschaft zu bekämpfen; und die Freiheit und der Fortschritt ist zunächst für euch, für die Arbeiter erfochten; die Welt bedarf nichts mehr als der Ord­nung und des Friedens, um diesen Sieg zu sichern und zu behaupten.

9 Zur Belehrung

der

Nassauischen Allgemeinen Zeitung"

II.

Wiesbaden den 14. April.

Die heutige NassauischeAllgemeine" hat unter dem Titel Auch ein Glaubensbekenntniß" eine rndi- recte, bemäntelte Ablehnung gegen die ihr zu Theil gewordenen Beschuldigung erscheinen lassen. Wir haben das Directe lieber, als das Indirekte; das Nackte und Grade lieber, als das Bemäntelte und Verschleierte; die Entgegnungen lieber, als die Ablehnungen. Da auch wir einige Mal genöthigt waren, die Nassauische Allgemeine" zu befehden, so wollen wir diesesGlau­bensbekenntniß" offen und grade auch auf uns be­ziehen.

DieAllgemeine" sagt:

Seit dem die Zensur aufgehört hat, sind auch die widerlichen persönlichen Befehdungen und Verdächtige ungen vorläufig und will's Gott für immer eingestellt; die Zeit ist zu groß geworden, sie hat keinen Raum mehr übrig gelassen für die kleinlichen Katzbalgereien der Journalisten.

Wer sich aber trotzdem jetzt noch mit dergleichen Dingen befaßt, der stellt sich freiwillig auf den Stand­punkt der localen Winkeljournalistik, er bekundet, daß rr die journalistischen Kinderschuhe noch nicht ausge­treten hat".

Gut gebrüllt, Löwe! Oder vielmehr: Gut ge­predigt, Großpapa! Denn das klingt so erbaulich und salbungsvoll, als käme es aus dem gepolsterten Sorgenstuhlzur Seite des wärmenden Ofens". Es ist recht schön zu lesen, leider aber ist es, wie alle der­gleichen doktrinäre Sentenzen, nicht wahr.

Ueber Persönlichkeiten streiten um der Persön­lichkeiten willen, das ist kindisch und klein­lich. Aber über Persönlichkeit streiten um der Sache willen, das ist eine der ersten Auf­gabe der Presse; und das Recht, auf diese Weise per­sönlich zu werden, recht scharf persönlich, das wollen wir uns nicht nehmen lassen. Dieses Recht haben wir geübt. Als die Redaction und Mitarbeiterschaft der Allgemeinen" es wagte, in die bisherigen Volksver­

sammlungen störend einzugreifen, um sich als Vorstand eines Bürgervereines " ohne Bürger zu constituiren, und das alles bloß im Interesse ihres Blattes, nicht im Interesse der angeblich vorgeschobenen Partei, da haben wir ihr unserHalt!" entgegengerufen, wir haben ihr mit ihren eigenen Worten gesagt:Das ist kein ehrlich Spiel", wir sind, mit einem Wort gesagtpersönlich geworde n". Die öffent- llche Meinung hat gerichtet. DerBürgerverein" ist gestorben und begraben, ehe er gelebt hatte. In dieser Art muß die Presse persönlich werbe», besenvers da, wo es, wie hier, durch das Vordrängen unberufe­ner Persönlichkeiten hervorgerufen ist. . enn wir aber uns in Persönlichkeilen entlassen, dann werden wir auch für dieselben ein steten, nicht nur mit unserer Fe­der sondern auch mit unserer Person.

Ob dieAllgemeine" sich vermüßigt sieht, darauf zu antworten oder nicht, das ist uns sehr gleichgültig. Wir schreiben ihr keine freudschaftlichen Gevaltervri^fc, worauf wirumgehende" 'Antwort erwarten, wir ge­ben der öffentlichen Meinung Signale zur Orientirung und Warnung; daß dieselben beachtet werben, lehrt bie Erfahrung aus der Geschichte mit Dem Bürger­verein, die eine sehr lehrreiche Geschichte war.

________ K. Br.

Dreiunddreißigfte Sitzung der deutschen Bundesversammlung vom 13. April 1848.

Von Seiten der K. Preuß. Gesandten wird die Mit­theilung gemacht, daß, da die dänische Regierung ihre Absicht, Schleswig mit Gewalt von Holstein zu tren­nen, unausgesetzt verfolge, zur Aufrechthaltung des Status quo an die preußischen Truppen unterm 10. April der Befehl, in Schleswig einzurücken und nach, der Lage der Dinge zu handeln, ergangen sei; wobei zur Vermitt­lung auch ferner die Hand geboten und die Rechte des Königs von Dänemark als Herzogs von Schleswig stets anerkannt worden seien. Die Bundesversammlung ver­nahm mit anerkennender Befriedigung dieser Mittheilung, wodurch der Bundesbeschluß von gestern theilweise schon im voraus seine Erledigung gefunden hat. Um übrigens keine Vorsichtsmaßregeln unberücksichtigt zu lassen, wurde beschlossen, die Kgl. Preuß. Regierung zu ersuchen, bei der die Sicherung des deutschen HanvelS und der deut­schen Schifffahrt in der Ost- und Nordseite zn richten und wo möglich durch Vertrag mit einer Seemacht für Schutz der deutschen Küsten und Seestädte Vorsorge zu tteffen.

Schleswig - Holst. Angelegenheiten.

Schleswig, 9. April. Leider sind die ersten Nach­richten von dem Zusammentreffen der uns'rigen mit dem Feinde nicht erfreulicher Art, und es muß unS zum Troste gereichen, daß die Ersteren sich der überlegenen Macht gegenüber aüsis Tapferste gehalten haben. Folgendes ist, nach der Aussage von Theilnehmern, der Hergang der Sache: Gestern Mittag gegen 12 Uhr kamen mehrere mit 3000 Mann besetzte Kriegsschiffe vor Flensburg, die offenbar eine genaue Kenntniß der Positionen des schleswig-holsteinischen Heeres mit sich brachten. Da eS zu wenig Kanonen besaß, konnte man die Ausschiffung der Dänen nicht verhindern unv da außerdem ein Bom­bardement der Stadt angedroht war, so ließ der Prinz von Noer daS Heer zurückziehen, doch gab es vorher Noch heftige Kämpfe, in denen auf beiden Seiten viele Mannschaft blieb, wie behauptet wird, weit mehr auf Seiten der Dänen, als auf der Schleswig - Holsteiner. Beiderseits kämpfte man mit Erbitterung und bewies sich das deutsche reguläre Militär als höchst wacker. Dao 14te (nach andern Angaben auch das löte) Bataillon stand allein so lange drei feindlichen Bataillonen gegen­über, nicht ohne denselben bedeutenden Schadenzuzufügen, bis es bis auf zwei Compagnieen fast nicdcrgcfchossen war, worauf die Ilebrigen sich zurückziehen mußten. Der Commandant, Graf v. Baudissin, wird vermißt. Auch von den Freicorps, namentlich den Studenten und Tur­nern, wird eine ähnliche Bravour berichtet. Wie es an­fangs hieß, war das Michelsensche Freicorps vom Haupt­corps abgeschnitten, doch sollen spätere Nachrichten dessen Wiedervereinigung mit dem HauptcorpS melden. Von letzterem traf ein sehr bedeutender Theil während der Nacht in Schleswig ein, um bei Idstedt, einer ziemlich festen Position, wieder Posto zu fassen. Bis jetzt hört man nichts von einer Verfolgung dänischeifeits, was die gemeldeten Verluste zu bestätigen scheint; das 10te In­fanterie - Bataillon des Feindes soll fast vernichtet sein. Die in Schleswig noch gelegenen Soldaten wäre beim ersten Eintreffen der Zurückgekehrten bereit, ihren Ge­fährten zu Hülfe zu eilen und zogen heute gegen 6 Uhr Abends unter dem Hurrah der Bevölkerung ab. Später traf noch Cavallerie aus Rendsburg ein. UebrigenS ist man in Schleswig nicht ganz unbesorgt; nicht wenige Familien sind bereits nach dem Süden geflüchtet. Von vielen der zurückgekehrten Soldaten hört man, daß es in und um Flensburg brenne; auch erzählt man sich Manches von der Feindseligkeit der Flensburger gegen die Unserigen. Drr König soll seinen Einzug in Flens­burg gehalten haben. Unser Heer soll zwei Kanonen verloren haben. Fortwährend treffen noch begeisterte Freischaaren ein.

Schleswig, 9. April, Abends. Heute Rachmit­tag kamen die ersten Flüchtlinge; spater recht viele. Die Dänen sind urplötzlich mit starker Macht aus dem Wege von Apenrade hervorgebrochen. Ein scharfes Gefecht sand schon gestern Nachmittag statt. Die vier Dragoner- Regimenter wurden zurückgcworsen, so wie die dänischen Fresschaaren sehr gelitten haben sollen. Auch der Bar-

ricadenmann Schön hat sein Leben für Schleswig - Hol­steins gerechte Sache der Freiheit geopfert. Er ist ge­fallen, so sagt mir ein Hamburger. Es zeigten sich mehrere dänische Schiffe in dem Flensburger Meerbusen; man beschoß sie mit den Strandbatterieen; dann ward Befehl gegeben zum Rückzug. Alles ist geregelt gesche- hcn. Bei Hellebek und Idstedt wird die Position einge­nommen und hier wird zur ersten blutigen Entschei­dung kommen. UnS fehlt Artillerie. Kommen die Preu­ßen nur, so würde sich Mancher ermuthigen, weil man allgemein und mit Recht annimmt, daß wir zu wenig Leute haben. Manche packen schon ein um nicht nach Dänemark geschleppt zu werden. Schleswig hat bekannt­lich viele den Dänen mißliebige Personen, sogenannte Landesverräther. Ganz abscheulich wäre es, wenn sich die Nachricht, die wir in den Straßen vernommen haben, bestätigen sollte, daß die Dänen auf den Kopf deâ Prin­zen eine Prämie gesetzt hätten! Bei HarriSlcv, eine halbe Meile nordwestlich von Flensburg, ist heute Morgen mächtig gekämpft worden. Das Bataillon deS Obersten Baudissin hat stark gelitten. Glücksburg drohten die Dänen gestern niederzuschießen. Der Flensburger Hafen liegt angefüllt mit Kanonenböten. Einem Briefe zufolge, hat man von den Schiffen aus die friedlichen Hütten an bem Ufer bei Glücksburg zusammengeschossen.

Zk kettet, den 10. April. Tue freundlichste Auf- üahme fanden die preußischen Hülfstruppen, die bet uns gestern eintrafen (über 2000 Mann), und denen wir heute in aller Frühe bet ihrer Abfahrt per Eisen­bahn ein herzliches Hoch bracht.». Von unserer Nach­barstadt Hamburg hielt ein CorpS Freiwilliger seinen Durchzug durch Altona nach der Eisenbahn, das wir durch die Stadt mit den innigsten Wünschen be­gleiteten.

Einer freilich »»beglaubigten Mittheilung zu­folge, hätten die Unsrige» die Dänen drei Mal aus Bau herauögeschlagen. In Folge der Landung der Dänen hatten sie sich aber in Ordnung zuerst auf Flensburg zurückgezogen; von den Kriegsschiffen wäre dabei auf dieselben mit Kartätschen geschossen, wodurch sie in Unordnung gerathen.

Nach einer anderen Version wäre unseren Trup­pen von Flensburg auS signalisirt worden, daß die Dänen gelandet hätten und im Anzuge wären; bei dem Rückzüge hätten das löte und 14te Bataillon sich verspätet und wären sehr mitgenommen worden; die übrigen Truppen hätten sich aber in völliger Ordnung auf Schleswig zurückgezogen.

Prinz Waldemar v. Augustenburg ist von seiner Sendung zurückgekehrt, wie es heißt, mit der Voll­macht .des Königs von Preußen, die preußischen Trup­pen vorrücken zu lassen. Es fehlt diesen Truppen noch immer an Artillerie.

Nachschrift. Uns kommt Wch folgende Zuschrift: Aus dem Munde des Prinzen Waldemar erfahre ich so eben, daß die Preußen den Befehl haben, in Schles­wig einzurücken. Der Rückzug der Schleswig - Hol­steiner ist ein geregelter gewesen, daS löte Bataillon hat sehr gelitten, eristirt aber noch. Die T> uppen setzen sich bet H lligbeck." (A. M.)

Hamburg, Den 10. April. Heute sind von preußischen Truppen die noch fehlenden Compagnien des 20steil Regiments, ein Bataillon vom Listen und eine Fuß-Batterie von 6 Kanonen und 2 Hau­bitzen mit der erforderlichen Mannschaft hier durchge­kommen.

Hannover, Den 9. April. Heute ist ein Batail­lon des sechsten Infanterie-Regiments auS Osna­brück, von Wunstorf ab auf der Eisenbahn, nach Har­burg hierdurchgegangen. Von Hildesheim wurde vor- g. steril das Dritte leichte Bataillon auf Der Eisenbahn nach Harburg befördert.

Werlin, Den 10. April. Der Vereinigte Landtag ist heute Mittag nach 1 Uhr ge­schlossen worden. Er hat im Ganzen nur 4 Sitzungen gehalten und in Der heutigen Sitzung noch die Finanzproposttion der Regierung angenommen. Diese Proposition ging, nachdem die Vorberathungen der Abtheilung dem Ministerium Anlaß gegeben hatten, die Summen, welche dasselbe beanspruche, mit Be­stimmtheit anzugeben, nunmehr dahin: 15 Milli­onen Thlr. zur eventuellen Mobilmachung deS Heeres zu bewilligen und die Garantie für 2^5 Millionen zur Regelung und He­bung Der innern (Verkehrs- und Geschäfts-) Verhältnisse zu übernehmen. jDie Debatte über diesen Gegenstand war nicht umfassend, da die Rede Des Abg. v. Vinke schnell zu der Entscheidung führte: daß dem Ministerium unter den gegenwärtigen Umständen durchaus ein Vertrauensvotum gegeben werden müsse. Diese durch Klarheit der Darstellung nicht minder alö durch ächten Patriotismus und durch Begeisterung ausgezeichnete Rede wurde mit dem all- gemelnsten Beifau ausgenommen und bewirkte, wie ge­jagt, die sofortige und mit bönahe Stimmeneinheit er­folgte günstige Abstimmung, während, nach den Aeußer­ungen Der früheren Redner und nach der Zahl der­jenigen', welche sich noch ums Wort gemeldet hatten, zu schließen, eine ins Detail gehende und manchen Widerspruch gegen die vorgeschlagenen Maßregeln in- volvirende Discussion zu erwarten war. Selbst das, waS der Finanzmin ist e r in mehrmaliger Rede auseinandersetzte, konnte nicht als geeignet angesehen werden, die Ansichten der Versammlung für die Vor­lagen der Regierung entschieden zu stimmen; seine An- oeutungen hielten sich zu sehr im Allgemeinen, da doch gerade nur DaS Eingehen in die Sache und in die