Einzelbild herunterladen
 

96

seiner mit der Antwort, welche sie vom König erhalten, zufriedengestellt finden. Sind sie es nicht und hören die Unruhen nicht auf, so wollen und können wir 30 bis 40,000 Mann regulärer Truppen tn einigen Tagen hinüberschicken, außer der Flotte und den ^rel- williaen, die auch bedeutend an Anzahl sind. Alles wird hier aufs Stärkste und Schleunigste gerüstet, unb d.ie Soldaten, sowie die Freiwilligen hegen einen furcht­baren Haß gegen die Holsteiner und wünschen je eher je lieber loszugehen. Die Geichäste liegen ganz dar­nieder und Niemand will auf etwas eingehen, ehe man die Antwort der Holsteiner kennt. Qö befinden sich hier eine große Menge Reisender, die nicht wissen, ob sie bleiben oder nach Hause teilen sollen. Nan glaubt, daß die Posten nicht sicher gehen werden.

Italien.

Lombardei. Seit drei Tagen ist die italienische Post in Basel wieder nicht angekommen. Es fehlen unS daher directe Berichte aus Mailand. Die „Gazetta M Milano" vom 24., welche und zu Handen gekommen ist, enthält nebst andern Publicationen die gestern mitgetheilte Proklamation Karl AlbertS an die Völker der Lombardei und DenedigS.

Neapel, 22. März. Es sind Depeschen und Privatbriese von der Newa angelangt. Sei eS daher, oder seien eâ andere Gründe: der König gab Befehl, Dampfschiffe nach Messina und SyracuS zu schicken, um die Truppen zurückzuzichen. Man versteht solche Maß­regel nicht, zumal der König bid jetzt die sicilischen Frie­dens-Bedingungen nicht angenommen.

EeNUaK Der hiesige „Corricre mercantile" ver­öffentlicht folgende, einen ossiciellen Charakter tragende Note: „Der englische Consul in Genua hat keine d rec- ten Unterhandlungen mit dem englischen Gesandten in Turin gepflogen, erklärt aber, fest überzeugt zu sein von der Falschheit der Nachricht, welche mehrere turiner Blät­ter mitgetheilt haben, als ob nämlich der englische Mi­nister die sardinische Regierung bedroht habe, Genua zu beschießen für den Fall, daß man den Mailändern Hüsie leisten würde."

— Die „Patria" von Genua kündigt an, daß 14 Bataillone Piemonteser mit 40 Stück Kanonen in die Lombardei eingerückt sind und daß Karl Albert in Per­son in Pavia eingetroffen ist. ES waren 800 freiwillige Genueser nach der Lombardei abgegangen.

Venedig, 22. März. Heute ist hier folgende Proklamation erschienen: „ES lebe Venedig! Es lebe Italien! Bürger! Der Sieg ist unser und ohne Blut. Die österreichische Civil- und Militärregieruug ist ent­setzt. Ruhm unserer städtischen Garde! Die Unterzeich­neten, Eure Mitbürger, haben folgenden Vertrag geschlos- sen. Eine provisorische Regierung wird eingesetzt unt einstweilen haben die Unterzeichneten sich derselben unter­ziehen müssen. Der Traktat wird heute in einem beson­deren Supplement unserer Zeitung veröffentlicht. Ee lebe Venedig! Es lebe Italien! Gez. Giovanni Correr. Luigi Michel. Dataico Medin. Pietro Fabris. Giovanni Francesco Avesani. Angelo Mengaldo. Leone Pincherle. Der Vertrag lautet: Um Blutvergießen zu vermeiden, hat Se. Erc. der Hr. Gras Ludwig Palffy, Gouverneur der venetianischen Provinzen — als er von Se. Erc. dem Grafen Johann Correr, Podest« von Venedig, den Municipalassefforen und andern hierzu abgeordneten Bür­

gern vernahm, daß dieser Zweck ohne die unten folgen­den Bestimmungen nicht erreicht werden könne — indem er sich seines Amtes begab, welches er in die Hände Se. Exc. des Grafen Ferdinand Zichy, Commandanten der Stadt und Festung niederlegte, auf'S wärmste dem­selben empfohlen, Rücksicht auf diese durch schöne Monu­mente so ausgezeichnete Stadt zn nehmen, für welche er stets die lebhafteste Zuneigung und loyalste Anhänglichkeit bekundet hat. In Folge dessen hat der Hr. Graf Z-chy, von der Nothwendigkeit durchdrungen und im gleichen Wunsche vergebliches Blutvergießen zu vermeiden, mit den Unterzeichneten folgendes Uebcreiiikommen getroffen.

In diesem Augenblick hört die Civil- und Militär­regierung sowohl zu Land als zur See auf und wird in die Hände der provisorischen Regierung niedergelegt, welche eingesetzt und sofort von den unterzeichneten Bür- gern übernommen werden wird. 2) Die Truppen des Regiments Kinsky und jene der Croaten, die Landartil- leric, daS Geniecorps werden die Stadt und alle Forts verlassen, und in Venedig werden alle italienische Trup­pen uud Officiere bleiben. 3) DaS Kriegsmaterial jeder Art wird in Venedig verbleiben. 4) Der Transport der Truppen wird sofort mit allen möglichen Mitteln seewärts nach Triest erfolgen. 5) Die Familien der Officiere und Soldaten, welche abgehen sollen, werden geschützt werden und die Transportmittel von der einzu- setzenden Regierung erhalten. 6) Allen italienischen und nicht italienischen Civilbeamten wird für ihre Person, Familien und ihr Vermögen Bürgschaft geleistet. 7) Se. Erc. der Hr. Graf Zichy gibt sein Ehrenwort als letz­ter zur Gewähr für die Vollziehung des Vorstehenden in Venedig zu bleiben. Ein Dampfboot wird Se. Erc. für feine Person, sein Gefolge und die letzten noch zu­rückbleibenden Soldaten zur Verfügung gestellt werden. 8) Da sämmtliche Kassen hier bleiben sollen, so wird bloß das für die Bezahlung und den Truppentransport, nöthige Geld auögefolgt werden. Die Zahlung geschieht auf drei Monate. Ausgefertigt in doppeltem Original. Graf Zichy, Feldmarschalllieutenant, Commandant der Stadt und Festung. Franceöco Dr. Beltrame als Zeuge. Antonio Muzari als Zeuge. Constantino Aderti als Zeuge. Giovannr Correr. Luigi Michiel. Dataico Medin. Pietro Fabris. Giov. Francesco Avesani. Angelo Men­galdo. Commandant Leone Pincherle.

Republik Frankreich.

Paris, 28. März. Krieg des kleinen Capitals gegen das große Capital oder Protestation des Mittel­standes gegen das Projekt, alles assorirte Eigenthum (Eisenbahnen, Bergwerke, Kanäle, Fabriken, Hütten­werke 2c.) an den Staat, fgegen Renten, abzutreten. Dieselbe wurde heute in Form einer Proklamation auf rothem Papier an die Straßenecke st geschlagen.

Paris, 30. März. Die Börse war heute ziem­lich aufgeregt, weil es heißt, das englische Cabinet protestire gegen Karl Alben's Einschreiten in der Lom­bardei und beabsichtige, sich für Beibehaltung der Ge­biete zu erklären, wie sie durch die Verträge von 1815 festgestellt worden seien. Man sprach von der Abreise der hiesigen englischen Botschaft und vom nahen Ein­rücken einer französischen Armee in Italien.

— Die „Union" sagt: Drei Militär-Lager, welche sich gegenseitig stützen und in ihrer Gesammtheit einen verfügbaren Effectivstand von ungefähr 100,000 Mann

bilden, werden ganz bestimmt zu Dijon, Lyon und Grenoble errichtet werden. Im Falle eines Krieges und eines Marsches nach dem Königreich Sardinien wird das Hauptquartier der französischen Armee zu Lyon auf­geschlagen werden, damit von diesem Puncte aus die erste Richtung der militärischen Unternehmungen geleitet werden kann. Das Vertheidigungs-Conseil beschäftigt sich gegenwärtig damit, in umfassendem Maßstabe eine rasche 'und leichte militärische Organisationsweise für die Corps der Freiwilligen und der mobilen National­garde festzustellen, deren Berufung zu den Waffen die politischen Ereignisse Europa's von einem Tage zum andern auf den verschiedenen Puncten des franzö­sischen Gebiets nöthig machen könuen.

— Der „National" bringt heute einen Artikel, worin auf Herabsetzung der Gehalte der öffentlichen Beamten gedrungen wird. Man berechnet die Summe, welche durch Gehaltöverringerung (mit Schonung der Gehalt bis zu 2000 Frs.) erspart werden könnten, auf 100 Millionen, und auf nochweit mehr, wenn man die Zahl der Beamten verringerte und die oft sehr kurze Arbeitszeit der Beamten ausdehnte.

Großbritannien.

London, den 27. März. Die „Timeö" bespricht die Vorgänge in Berlin und erinnert an den Grundsatz des Herzogs v. Wellington, bei den bürgerlichen Unruhen die Truppen ganz aus dem Gesichtskreise zn entrücken, bis die öffentliche Sicherheit ihr Einschreiten gebieterisch erheische. Sie bedauert, daß durch jene Ereignisse die Schwierigkeiten Deutschlands vermehrt sind. Sie warnt Deutschland vor der Anarchie, wodurch die neuerworbene Freiheit und selbst die Unabhängigkeit Deutschlands gefährdet werde.

London, 28. März. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses zeigte Herr Anstey an, er werde Dienstag tu acht Tagen darauf antragen, eine Adresse an die Königin zu richten: Dieselbe möge keine neue Territorial­oder andere Einrichtungen in Polen gestatten, welche nicht daS polnische Volk in den vollen Genuß seiner Freiheiten und Unabhängigkeit setzen.

London, 28. März. Die mericanisch-wcstindische Post, welche das am 4. März von St. Thomas abge­gangene Dampfschiff „Dee" überbringt, ist ohne Be­richte von besonderer politischer Wichtigkeit angckommcn. In Vera Cruz glaubte man, nach den neuesten, bis zum 16. Febr. reichenden Mittheilungen, sicher an den Frieden mit den Vereinigten Staaten, als Folge der am 7. Febr. nach Washington gesandten Frietensvor- schläge.

London, 29. März. In der City verbreitete sich heute das Gerücht, England und Rußland fü£ direct vereinbart in Bezug auf die für die Pacification Italiens erforderlichen Maßregeln.

Börsenberichte.

Frankfurt, 4. April. Preuß. 3'/,pCt. Staats-Sch.-Sch. 64 G.; württemb. 37,pCt. Obl. 68 P., 4'4p$t Obl. 83 P.; bad. 35 fl. Loose 22 P., 21 G.; barmst. 3'/-pCt. Obl. 69 P.; kurh. 40 Thlr. Loose 19'4 P„ 18'4 G.; nass. 3'4 pCt. Obl. 74 P. 73 G.; frankf. 3'4 pCt. Oblig. von 1839 89 P., dito von 1846 81 P.; Taunus-Eisenb.-Actien 255 G.

Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.

Lb Anzeige für das deutsche Volk! ^^

So eben hat bei mir eine gewichtige Schrift die Presse verlassen : (71)

M Deutsche Diplomatie

wider

Steinkohlen.

Ich erlaube mir meine verehrten Kunden hiermit zu benachrichtigen, daß eine frische Ladung Ruhrer Stein­kohlen bei mir eingetroffen ist, mit deren Ausladung ich von heute an während 14 Tage beschäftigt sein werde.

Bestellungen bitte sowohl direkt, als auch auf der Agentur der Düsseldorfer Gesellschaft zu machen.

Biebrich, den 27. März 1848.

(72) I. M. Lembach.

das deutsche Volk.

Eint S a m m l u il g wichtiger Aktenstücke.

Frachtbriefe ^

zur Versendung von Gütern auf der Taunus- Eisenbahn sind zu haben — per Dutzend 9 kr. — bei

. Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz.

Zum

Verständniß der Vergangenheit

und zur

Warnung

für die Zukunft.

Die Schrift umfaß, 3 B°g.a im „,,„. Otta» - Lcnâ . F°rm°t. G-h. Preis 18 Kr.

Wiesbaden. Wilhelm Friedrich,

___________________________________________ " L Buchhändler am Friedrichsplatz.

Anfrage. Woher kommt es, daß gestern bei dem 2lA Uhrzuge an der Eisenbahn auf einmal keine Karten mehr nach Frankfurt ausgegeben werden sollten? Soll­ten die Wiesbadener vielleicht von Frankfurt abgehalten werden? Es war dieses sehr auffallend.

Wiesbaden, 4. April 1848. (74)

(75) Bekanntlich darf in unserem Lande Niemand bei großer Strafe Collecteur 'auswärtiger Lotterien sein. Warum macht denn ein gewisser Wolf von Frankfurt eine Ausnahme hierbei? Das Eisenbahnpersonal dahier besorgt ganz offen alle Loose und kassirt die Gelder ein. Es ist Zeit, daß diesem Unfuge ein Ende gemacht werde.

asubdm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Redacteur : Wilhelm Friedrich.