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entschieden vernünftige Forderungen und dringt auf deren vollständige und schleunige Gewährung; nur eine solche Kam­mer, welche diese Richtung erkennt und entschieden verfolgt, wird daS Vertrauen des Volks haben. Namentlich in der jetzigen Zeit sind der Kammer bedeutende Kräfte nöthig, wenn schnell etwas Gutes werden soll. Wer aber ist den neuen Ideen des ganz entschiedenen Fortschritts zu­gänglicher, wer ist mehr zu Opfern jeder Art bepeit, wer ist mehr im Besitz der frischen, arbeitsfähigen Kraft, die Jugend oder dâs Alter? Die Antwort hieraüf wird nicht schwer sein!

Wenn also die Aelteren manche Vorzüge vor den Jünge­ren haben, so doch auch umgekehrt.

Vielleicht ist aber auch die Commission der Meinung, haß eine Kammer von blos junge» Leuten nicht die nöthige Garantie für Besonnenheit böte. Das mag wohl im Allge­meinen richtig sein; dagegen läßt sich aber durchaus nstht annehmen, daß die Jüngeren in der Kammer jemals die Ma­jorität erlangen werden; schon nach der Natur der Sache und nach den bisherigen Erfahrungen wird die Wahl auf ältere, erfahrene Männer fallen.

Uebrigens ist es ebensowenig ersprießlich, wenn die Kam­mer aus blos alfen, als wenn sie aus blos jungen Männern besteht.

Vielleicht auch glaubte die Commission die fragliche Bestimmung vorschlagen zu müssen, weil dieselbe in vielen andern Verfassungsurkunden ebenfalls festgesetzt ist. Erwägt man aber die Zeit, in welcher diese Verfassungen zu Stande gekommen sind, und daß man damals meistens froh war, überhaupt eine Verfassung zu erhalten, also jene Zugeständ­nisse machte, so ist es gar nicht auffallend, daß neben der er­sten Kammer, neben Zulassung privilegirter Stände als sol­cher, neben Festsetzung eines Census für die Wahlfähigkeit re. auch die fragliche Bestimmung, trotz der jedenfalls darin lie­genden Verletzung des Principes, angenommen wurde. Wir sind aber dermale» glücklicherweise in der Lage, den Wust von Barricaden des Fortschritts hinweg räumen zu köünen, und Diejenigen, welche damit beauftragt sind, laden eine furchtbare Verantwortlichkeit auf sich, wenn sie irgend eine dieser Barricaden bestehen lassen, insofern sie nicht aus vom Volke gebilligten Gründen der Nothwendigkeit gerechtfertigt ist- In England und Nordamerika, deren Verfassungen uns Muster sein müssen, hält man eine Beschränkung der Wahl- freiheit nicht für nöthig. Der große englische Minister Pitt saß mit 19 Jahren im Parlament. Wäre die englische Ver­fassung ein Product unserer Commission, so würde ihm wahr­scheinlich seine glänzende Laufbahn verschlossen und die Welt um einen großen Mann ärmer geworden sein.

Nach dem oben Ausgeführten ist also die beantragte Be­schränkung

1) nicht nothwendig,

2) nicht zweckmäßig,

3) vor allen Dingen aber ungerecht.

Und letzterer Punkt vor allem ist's, den wir zu beachten bitten. Die Forderungen des Volks, die Proclamation des Herzogs haben die offne und unverkennbare Tendenz, aus unserem bisherigen Wahlgesetz, welches wohl eine Census-, aber keinerlei Altersbeschränkung kennt, die darin befindlichen Festigungen zu entfernen. Unsere Deputirten aber wagen es, im Widerspruche mit dem Willen ihres Fürsten und im Widersprüche mit dem Willen ihres Volkes, eine Schranke, die bisher nicht bestand, neu avfzubauev. Wir stellen die ernste und gewichtige Frage an sie, woher sie das Recht zu einer solchen Maßregel ab­leiten, welcher alle legale Grundlage fehlt und über welche die öffentliche Meinung den Stab bricht? —

A Friedrich Wilhelm IV., sein Beruf für Deutschland und seine jetzige Stellung.

I.

Wiesbaden, 27. März 1848.

Friedrich Wilhelm IV., der seinen großen Ahnen Fried­rich II. nicht begriffen haben kann, wenngleich er dessen Werke

in einer deutschen Pracht-Ausgabe ediren ließ, müssen wir zunächst einige Aussprüche aus den Schriften des großen Königs vorhalten:

„Die Fürsten und Könige sind der Völker wegen da, und nicht die Völker ihretwegen. Der Fürst hat kein Eigenthuin ^denn Alles ge­hört dem Staat, dessen erster Beamter und Diener er ist; er verwaltet nur das Eigen­thum der Nation und ist dieser dafür Rechen­schaft schuldig. Ein Volk hat das Recht, sei­nen König, wenn er unfähig ist zur Regierung, abzusetzen und sich einen anderen zu wählen."

Nach solchen Grundsätzen handelte Friedrich der Einzige. Und wie handelte Friedrich Wilhelm IV., als noch vor kaum 8 Tagen das gapze deutsche Vaterland mit ängstlicher Spannung und erwartungsvoll auf ihn blickte, von dem es das Glück und die Ehre seiner großen Zukunft gerettet und gewahrt hoffte? — Vierzig Millionen Deutsche blickten mit Vertrauen auf Preußens König. Was hielt ihn davon ab, freiwillig, dem Zuge eines edlen Herzens folgend, mit hingebender Liebe des deutschen Volkes Sache zur seini- gen zu machen, und in der That unser deutscher König zu werden?! — Laut und vernehmlich hatte er ein Jahr vor­her aus dem Muude von Preußens Volksmännern, die in Berlin tagten, die Wahrheit ungeschminkt erhalten. Heute, wo in Süd- und West-Deutschland das Banner der Freiheit stolz flatternd im Siegeslauf durch Deutschlands Gauen ge­tragen wurde, erhoben Preußens Stämme nah und fern die Stimme der gerechtesten Forderungen, — und dennoch blieb Friedrich Wilhelm, — nur der falschen Stimme seines Innern folgend und seiner treulosen Rathgeber, taub, und nichts, als kalte vertröstende Worte setzte er der allgemeinen Volksbewegung entgegen. — Aber den Sturm, der das ge­waltige Meerschiff zertrümmert, schreckt nicht die Macht des einzelnen Menschen, und Friedrich Wihelm IV. steht beschämt und vernichtet da, vor dem Winke der ewigen Gerechtigkeit!

Berlin, 21. März. Um 10 Uhr heute Morgen erschien der König mit seinem Onkel Wilhelm, den neuen Ministern und Generälen auf dem Balkon, geschmückt mit den deütschen Farben. Er erklärte dem Volk, diese Farben angenommen zu haben, und er wollte sich an die Spitze der großen deut­schen Bewegung stellen; man möge ihm helfen, Deutschland stark zu machen, was mit Enthusiasmus erwidert würde. Dann sprach Schwerin und sagte, der König würde gleich zu Pferde steigen, und mit der deutschen Fahne voran durch die Stadt reiten. Die Königl. Reitpferde wurden auS dem Marstall geholt und der König ritt heran, voran die deutsche Fahne. Man rief: Es lebe der deutsche Kaiser! Der König winkte ablehnend. Dann hielt er sein Pferd an; ich stand ihm so nahe, baß ich ihm die Hand hätte reichen können. Er sagte: Ich habe die deutschen Farben angenommen, und stelle mich an die Spitze der deutschen Bewegung, um Deutsch­land stark zu machen und allein Undeutschen entgegenzutreten, helft mir durch Eure Treue dies vollenden. Um nicht miß­verstanden zu werden, fuhr er fort, habe ich die deutschen Farben deshalb angenommen, weil man Verrath und Untreue spinnt; dies hat man in Breslau versucht und wollte von mir abfallen. Nun zog er vor die pon Bürgern besetzte Hauptwache, wo er Aehnliches sagte, und wieder den Ruf vom deutschen Kaiser hörte.

— (Morgens.) Gestern Abend zog die reitende und Fuß - Garde - Artillerie aus der Stadt und mußte — eine merkwürdige und höchst bezeichnende Wendung der Dinge — Bürgerwehr zum Schutze sich erbitten.

Dank' Adresse

der von Sr. Majestät dem Könige amnestirten Polen an das Berliner Volk.

Bürger Berlins I Wir haben unsere Freilassung nach einer mehr als zweijährigen Haft zunächst dem Allerhöchsten Amnestie-Erlasse Sr. Maj. des Königs zu verdanken, allein wir verdanken sie auch Euch, Bürger Berlins, da Ihr es unternommen habt, ein freies Wort an den König für uns