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chem er die Salva Quardia fand, die eö auf Boucquoy'S Befehl gegen jede Gewaltthat der siegreichen Truppen schützen sollte. Mit frendestrahlendem Antlitz schwang sich Waldstein vom Roß, warf dem nächsten Soldaten die Zügel zu und rief lachend, als er das Thor offen sah: „Bei meinem Lehen, Ge­sellen, ihr verstehts euch in Respect zu erhalte»; ein offenes Thor in der eroberten Stadt! und doch schläft man darin so sicher wie in Abrahams Schooß!. Brav, ihr treuen Gesellen! Es lebe die Salva Quardia!" (Forts. folgt.)

Wiesbaden, den 25. März.

In der freien Zeitung vom 24. l. M. ist ein Mann mit Koth beworfen worden, der es wohl gerade in diesen Tagen unter allen am wenigsten verdiente.

Wenn irgend einer, so ist Albrecht zu allen Zeiten ein wahrer, warmer, eifriger, hingebender Mann des Volkes ge­wesen!

Wenn irgend einer, so ist gerade er um dieser seiner Ge­sinnungen willen, in allen seinen Bestrebungen hingehalten, verkannt, und sein oft laut gewordener Eifer ist in den höher» Kreisen als der eines Enthusiasten und guthmüthigen Thoren belächelt worden. — Das hat ihn aber nicht müde gemacht, hat ihn nicht eingeschläfert nnd nicht abgeschreckt. Er glüht heute noch mit derselben Liebe und Begeisterung für die Sache ächter Freiheit und des Volkes, wie damals, als er in einer ebenfalls höchst bewegten Zeit — im Jahr 1818 — zu uns kam.

War es nicht Albrecht, der, kaum in nassauische Dienste eingetreten, die Bedürfnisse des Volkes richtig würdigend, auf die Errichtung einer allgemeinen Ackerbauschule für die Söhne nassauischer Landleute drang, zehn Jahre später Vorschläge zu einer großen Gewerböschule machte, sein Vermögen der Stif­tung eines allgemeinen Erziehungshauses für talentvolle arme Knaben zu widmen sich bereit erklärte.

Hat er nicht schon im Jahr 1820 dringend auf Erlaß ei­nes Wiesenkulturgesetzes, im Jahr 1821 auf Ablösung der Zehnten, in spätern Jahren aus Errichtung eines allgemeinen Leihhauses für Landeigenthümer, bessere Einrichtung der Spar­kasse für Arbeiter, zu andern Zeiten auf Hagel- und Vieh- versicherungSanstalten angetragen und zu assen diesen Pläne auögearbeitet und zu gründlicher Prüfung vorgelegt? ■— und mit welcher Liebe und Aufopferung hat er in de» Jahren 1830 bis 1840 für die Bedürfnisse deS hohen Westerwaldes, die Regulirung der Bäche, die allgemeinere Verbreitung der Gü- terkonsolidation gesorgt?

Ueber allen diesen Beschäftigungen hat dieser der Trägheit bescholtene Mann wöchentlich 12 bis 18 Stunden den Zög­lingen deS landwirthschaftlichen Instituts und in wöchentlich 6 bis 8 Stunden den Zöglingen des Schullehr^rfeminarS Unter­richt über alle Zweige des Land - und Gartenbaues gegeben; später das Etablissement auf dem Hof Geiöberg mit selbster­worbenen Mitteln gegründet, 30 Bände der landwirthschaftli- chen Wochenblätter, 15 Bände der Jahrbücher des Vereins und 4 Hefte der Blätter aus Nassau drucken lassen.

Wer ihn aber der Kälte, der^Gleichgültigkeit, der Lauheit bei fremdem Wohl und Weh beschuldigen will, der erinnere sich, mit welcher Begeisternng er zu uns gesprochen hat, als er uns die Errichtung der Louisenstiftung zur Belohnung alter Dienstleute, des Wklhelmst ifteS, zur Erziehung armer junger Landarbeiter und der Thärs-Stiftung zur Unter­stützung für Zöglinge des landwirthschaftlichen Instituts, die sich auf Reisen weiter bilden wollen, an daö Herz legte und alle diese Stiftungen mit den Mitteln gründete, welche er durch Herausgabe jener Schriften erwarb.

Aber freilich, an, zum Theil hochgestellten Gegnern, an Neidern und Leuten, die Alleâ, waâ er wollte, zu hintertrei­ben, zu verzögern; Alles, was er that, zu verkleinern suchten' hat es diesem Mann nie gefehlt! — Und so ist er still, un­erkannt zwischen Tausenden hingegangen, für die er unablässig sorgte und arbeitete.

Nur für sich selbst hat er nie gesorgt; sich selbst hat er nie geschont, stnd so ist er — ein Opfer für Andere — im Jahre 1846 an Gicht und Lähmung erkrankt, hat aber auch in dieser Zeit nicht zu arbeiten aufgehört, noch in den letzten Tagen des vorigen Monats Anträge zur Aufhebung der Salz­regie bei den Behörden eingegeben, und jetzt — gerade durch diese frische Frühlingsluft gestärkt — hat er in No. 11 der landwirthschaftlichen Wochenblätter seine Hoffnungen und Sor­gen über die Veränderungen, denen wir entgegengehen, ausge­sprochen und uns noch vor wenigen Tagen einen Plan zu ge­rechter und billiger Theilung deö Arbeitsverdienstes zwischen den Eigenthümern der Ländereien oder Fabriken und den Ar­beitern derselben zur Prüfung vorgelegt, der Allen empfohlen zu werden verdient und zur Bildung und Erleichtrrung unserer Arbeitsgehülfen wesentlich beitragen wird.

Alles hier Gesagte kann durch lebende Zeugen, durch Ak­ten und Druckschriften nachgewieseu werden.

Ein Mitglied

deö landwirthschaftlichen Vereins.

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friehrichöplatz. — Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Friedrich.